Logistikkonzern will sparen: Postfilialen gehen in fremde Hände

München - Die Deutsche Post will auch die letzten 750 von ihr betriebenen Filialen in fremde Obhut geben. In Bayern sind 105 Poststellen betroffen. Zu Filialstreichungen soll es nicht kommen.

Von ihren rund 13 500 Filialen in Deutschland betreibt die Post die wenigsten selbst. In der Regel werden die Post-Dienste in Supermärkten und anderen Einzelhandelsgeschäften oder bei der Postbank angeboten. Nur 750 Anlaufstellen bundesweit führt der Logistikkonzern noch in Eigenregie. Bis Ende 2011 sollen auch diese Filialen unter die Leitung anderer Betreiber gebracht werden, bestätigte das Unternehmen gestern.

"Die Filialen werden nicht verschwinden, die werden auch nicht weniger", erklärte Postsprecher Dieter Nawrath in München. Sie würden ­ so wie die knapp 13 000 anderen Filialen bundesweit ­ zum Beispiel im Einzelhandel oder bei Tankstellen untergebracht, vorzugsweise dort, wo Dinge des täglichen Bedarfs erledigt würden. "Es wird eine andere Adresse geben. Die kann auch mal eine Straße weiter sein. Aber das ist die einzige wesentliche Änderung für die Kunden", sagte Nawrath. Der Service werde nicht eingeschränkt. In der Regel könne durch die Umwandlung mit längeren Öffnungszeiten der Filialen gerechnet werden.

In Bayern sind nach Angaben des Unternehmens 105 Filialen von der Umstellung betroffen ­ etwa in Oberammergau, Wasserburg, Rosenheim und Neubiberg. In München sind es zehn Filialen, die bislang von der Post allein betrieben werden und künftig unter fremder Führung bestehen sollen.

Nicht in jedem Fall muss die Umwandlung tatsächlich erfolgen. Es sei denkbar, dass an einzelnen Standorten im ländlichen Raum kein Geschäft und keine Tankstelle als Partner verfügbar sei, die Post aber aufgrund ihrer Verpflichtung zum Universaldienst einen Standort anbieten müsse, hieß es in dem Konzern.

Mit der Öffnung des Briefmarktes für den Wettbewerb zu Jahresbeginn ist die Post nicht mehr grundsätzlich verpflichtet, eigenbetriebene Filialen zu unterhalten. Von der Umwandlung verspricht sich das Unternehmen Einsparungen. Über 2000 Mitarbeiter bundesweit sind von der Maßnahme betroffen. Es werde dabei aber keine betriebsbedingten Kündigungen geben, erklärte Post-Sprecher Nawrath. Man werde individuelle Lösungen mit den Beschäftigten suchen, um diese anderweitig im Konzern unterzubringen.

Vom Gesetzgeber gefordert sind mindestens 12 000 Filialen. Mit ihren rund 13 500 Anlaufstellen liegt die Deutsche Post deutlich darüber. Eine Verkleinerung des Filialnetzes stehe aber nicht zur Debatte, erklärte Konzernvorstand Jürgen Gerdes. Die Post setze außerdem auf ergänzend zum Filialnetz eingeführte Selbstbedienungs-Elemente für verschiedene Dienstleistungen, etwa das Aufgeben und Abholen von Paketen. Daneben würden bei einem Pilotversuch 50 Postinseln in Bonn und Berlin aufgestellt. Hier könne der Kunde sieben Tage die Woche und rund um die Uhr fast alle Postdienstleistungen in Anspruch nehmen. Zusätzlich würden 1000 Verkaufspunkte für Brief- und Paketmarken eingerichtet.

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