Lohngefälle zwischen Mann und Frau auf dem Land besonders groß

Berlin - Frauen verdienen in Deutschland noch immer weniger als Männer - besonders krass ist der Rückstand dabei nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf dem Land. Dort ist der Unterschied demnach fast dreimal so groß wie in Großstädten.

Das ergab eine neue DIW-Studie, die der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag vorlag. So betrug der Rückstand für Frauen in ländlichen Regionen 33 Prozent, in Ballungsräumen dagegen nur zwölf Prozent. Insgesamt verharrt der Lohnabstand laut DIW seit längerem bei etwa 30 Prozent. Für die aktuelle Studie wurden Brutto-Stundenverdienste von Angestellten zwischen 18 und 64 Jahren im Jahr 2006 ausgewertet.

Das günstigere Verhältnis in Großstädten sei unter anderen darauf zurückzuführen, dass hochqualifizierte Frauen dort bessere Jobchancen hätten, erläuterten die Berliner Forscher. Dazu trage bei, dass es in Metropolen mehr Dienstleistungsfirmen gibt. Wie die Studie weiter ergab, sind Frauen zudem stärker von Rahmenbedingungen des regionalen Arbeitsumfelds abhängig. Je höher zum Beispiel die Arbeitslosigkeit in einem Kreis, desto geringer sei das Einkommensniveau von Frauen. Bei Männern wurde dagegen kein signifikanter Einfluss festgestellt. Andererseits wurde bei Männern registriert, dass ihr Verdienst in Großstädten im Schnitt 8,6 Prozent höher liegt als in ländlichen Gebieten. Bei Frauen war ein solches Ergebnis nicht zu belegen.

Insgesamt sind die Verdienste von Frauen und Männern in den westlichen Bundesländern weiterhin höher als im Osten, erläuterte das DIW. Bei Männern seien die Ost-West-Unterschiede jedoch deutlicher ausgeprägt.

Die Grünen forderten die Bundesregierung und die Tarifparteien zum Handeln auf. "Alle wissen: Deutschland nimmt bei der Höhe der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen europaweit eine traurige Spitzenposition ein", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion, Irmingard Schewe-Gerigk. Erforderlich seien etwa der Abbau von Diskriminierungen im öffentlichen Tarifsystem und Mindestlöhne.

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