Lohnkürzung: Was Azubis davon halten

- München - Eine Lohnkürzung für Auszubildende soll mehr Lehrstellen bringen - eine umstrittene These. Unsere Zeitung hat mit zwei Azubis gesprochen: Yasar Simsek macht eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, Christian Knye wird Versicherungskaufmann. Beide wären bereit, etwas von ihrem Gehalt abzugeben, wenn dafür Lehrstellen entstünden. Dass durch eine Gehaltskürzung mehr Jugendliche eine Ausbildung finden, glauben sie allerdings nicht.

Lackstift, Kautschukmasse, Schraubenzieher - Yasar Simsek reicht seinem Kollegen, was er braucht, um den Kleinwagen auf der Hebebühne zu reparieren. Selbst Hand anlegen darf der Azubi im ersten Lehrjahr auch, die Feinheiten macht aber der Geselle. Simsek schaut ihm über die Schulter. Er ist zufrieden, mit der Arbeit und der Bezahlung.

444 Euro netto bekommt der Mechatroniker-Lehrling im 1. Lehrjahr. "Ich könnte aber auch mit ein bisschen weniger leben", sagt Simsek. Der 17-Jährige wohnt noch bei seinen Eltern. Miete, Essen, Telefon muss er nicht zahlen. Sein Lohn bleibt ihm, um Abends auszugehen und hin und wieder Kleider zu kaufen. Auf Geld verzichten würde Simsek allerdings nur, wenn wirklich mehr Jugendliche eine Ausbildung fänden. Genau das glaubt er aber nicht.

Christian Knye ist seiner Meinung. Knye ist im zweiten Ausbildungsjahr zum Versicherungskaufmann. Der 20-Jährige wohnt alleine in einem Apartment in Farchant bei Garmisch-Partenkirchen. 680 Euro verdient er netto, 320 Euro zahlt er Miete. Trotzdem würde auch er auf einen Teil seines Gehalts verzichten. "Wenn zehn Azubis jeweils 50 Euro weniger bekämen und dafür ein elfter eingestellt würde, fände ich das ok", sagt er. "Vielleicht wäre ja ich der elfte."

Dass dieser Fall eintritt, glaubt Knye aber nicht. In Unternehmen mit vielen Auszubildenden würden auch bei niedrigerer Vergütung nicht noch mehr eingestellt. In kleinen Unternehmen mit nur einem Azubi würden 50 Euro Lohnkürzung dagegen nichts bringen. "Um einen Zweiten zahlen zu können, müsste man dem Ersten ja die Hälfte des Gehalts streichen", sagt Knye. "Und das geht nicht." Sein Vorschlag: Lohnnebenkosten senken.

Der angehende Versicherungskaufmann Knye und der Mechatroniker-Lehrling Simsek sind sich in einem weiteren Punkt einig: Es gibt Branchen, in denen die Auszubildenden in keinem Fall noch weniger verdienen dürften. Knye nennt die Friseure, Simsek die Bäcker.

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