Lohnsteuer: Die gute alte Karte bleibt länger

Die elektronische Lohnsteuerkarte, die zum kommenden Jahreswechsel starten sollte, verzögert sich. Für die Bürger ändert sich nichts, beruhigt die Finanzverwaltung. Dabei bleiben viele Fragen offen.

Der gute alte Pappkarton mit jährlich wechselnder Farbe lebt nun noch ein Stückchen länger. Eigentlich sollte die Lohnsteuerkarte schon Anfang 2011 abgeschafft werden. Jetzt bleibt sie nicht nur das ganze Jahr 2011 erhalten, sondern auch für die ersten Monate 2012. Die Finanzverwaltung hat Probleme bei der Umstellung auf den elektronischen Ersatz.

Die Lohnsteuerkarte ist ein Relikt vergangener Zeiten. Ihr konnten Arbeitgeber entnehmen, wie viel Steuer sie vom Lohn eines Beschäftigten ans Finanzamt abführen müssen. Am Jahresende trug er die entsprechenden Abgaben ein. So diente die Karte auch noch als Dokument für die Steuererklärung. Doch im Internet-Zeitalter mit seiner elektronischen Datenübermittlung wurde das einst so nützliche Dokument eigentlich überflüssig.

Als Grundlage für die Steuererklärung ist die Steuerkarte vor einigen Jahren im Papierkorb der Geschichte gelandet. Seither erhalten Beschäftigte vom Arbeitgeber nicht mehr die Karte zurück, sondern eine Bescheinigung mit allen Daten – die aber bereits elektronisch auch dem Finanzamt übermittelt wurden. Man muss die Daten zwar noch eintragen, doch die Daten und den Beleg hat das Finanzamt dann schon längst vorliegen.

Arbeitgeber holt sich Daten vom Finanzamt

In den nächsten Monaten wird die Karte, die derzeit noch Angaben zum Familienstand, zur Steuerklasse, zur Religionszugehörigkeit und den Kindern enthält, abgeschafft. Denn auch diese Informationen kann sich der Arbeitgeber anhand der Steuer-Identifizierungsnummer eines Beschäftigten vom Finanzamt holen und bekommt sie bei Änderungen regelmäßig aktualisiert. So zumindest die Pläne.

Mit der gestern bekanntgegebenen Verzögerung gilt die Lohnsteuerkarte 2010 auch über 2011 hinaus weiter. Sie geht damit in ihr drittes Jahr. Für die Bürger ändert sich damit nichts, heißt es beim Bundesfinanzministerium. Stimmt so aber nicht. In vielen Fällen besteht Handlungsbedarf. Doch was die Betroffenen tun sollen, wird erst in den kommenden Tagen entschieden.

Der erste Job im Leben

Wer erstmals Arbeit aufnimmt, bekommt keine Lohnsteuerkarte mehr. Die Daten können aber bisher auch noch nicht elektronisch vom Finanzamt übertragen werden. Diese Lücke hat der Gesetzgeber bislang mit einer Übergangslösung gefüllt. Statt der Lohnsteuerkarte gibt es beim Finanzamt eine „Ersatzbescheinigung“ mit den Daten, die dem Arbeitgeber – wie früher die Lohnsteuerkarte – vorzulegen ist. Doch es geht in einigen Fällen auch einfacher. Wer ledig ist und erstmals eine Ausbildungsstelle antritt, der teilt dem Arbeitgeber sein Geburtsdatum, seine Steueridentifikationsnummer und seine Religionszugehörigkeit mit und wird automatisch in die Steuerklasse I eingestuft. Es ist noch nicht entschieden, ob dieses Verfahren für Berufseinsteiger auch in den ersten Monaten 2012 möglich sind.

Was tun bei Änderungen?

Für alle anderen gelten die Daten der Lohnsteuerkarte weiter. Was tut man aber, wenn man heiratet oder wenn der Grund für einen Freibetrag wegfällt? Dann ist die gute alte Karte wieder gefragt. Man muss sie sich vom Arbeitgeber holen oder schicken lassen und mit den entsprechenden Anträgen und Unterlagen ans Finanzamt weiterleiten. Das schickt sie verändert zurück und man bringt sie wieder dem Arbeitgeber. Erst nach dem endgültigen Aus für die Lohnsteuerkarte wird es viel einfacher: Dann gehen Anträge und Unterlagen ans Finanzamt, das die Änderungen dem Arbeitgeber übermittelt.

Was passiert mit dem Freibetrag?

Der steuerliche Freibetrag aus dem Jahr 2010 wurde automatisch auch für das Jahr 2011 übernommen. Für 2012 gibt es bisher keine entsprechende Regelung. Auch hier ist noch eine Arbeitsgruppe am Werk, die in den nächsten Tagen entscheiden soll.

Daten werden gesammelt

Trotz aller Verzögerungen sammelt die Finanzverwaltung weiterhin die Daten der Arbeitnehmer für das künftige Verfahren. Wer ein entsprechendes Formblatt zugeschickt bekommt, sollte bei Fehlern unverzüglich reagieren. Denn die Daten sind die Grundlage für den künftigen Lohnsteuerabzug auf elektronischer Basis. Sonst gibt es am Ende zu wenig Netto vom sauer verdienten Brutto.

Martin Prem

Rubriklistenbild: © dpa

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