Lohnt sich Sonnenstrom jetzt noch?

München - Für Sonnenstrom vom Hausdach gibt es künftig deutlich weniger Geld. Das Bundeskabinett beschloss eine Kürzung der Solarförderung um 20 bis 30 Prozent. Die Neuregelung soll bereits ab 9. März gelten.

Selbst das schwarz-gelbe Lager hält die Solar-Reform der Minister Rösler (FDP) und Röttgen (CDU) für überstürzt. Die Kürzungen sollen bereits ab 9. März gelten. Das letzte Wort ist da aber noch nicht gesprochen. Gefordert werden Übergangsfristen für bereits geplante Anlagen, die nicht mehr zum Stichtag 9. März installiert werden können. Im Gespräch ist eine Frist bis April oder Mai. Unter anderem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer fordert Übergangsfristen. In Bayern gibt es bundesweit die meisten Solaranlagen. In Deutschland sind es über eine Million. Viele überlegen jetzt, ob sich Sonnenstrom überhaupt noch lohnt.

Ist die Vergütung bald zu niedrig?

Eine Photovoltaik-Anlage lohne sich trotz der Kürzungen, „auf jeden Fall“, sagt Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Denn man spare grundsätzlich Stromkosten, wenn man hausgemachten Strom erst einmal selbst verbraucht. Krawinkel rät daher, nur die Überschüsse in das Netz einzuspeisen. Außerdem sind die Preise für Photovoltaikanlagen seit einiger Zeit „dramatisch“ gesunken, so Georg Kruhl von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) ermittelte, dass fertig installierte Aufdach-Solarstromanlagen mit bis zu 100 Kilowatt-Peakleistung 2011 mehr als 58 Prozent billiger waren als fünf Jahre zuvor. Die Modulpreise liegen laut Krawinkel derzeit im Schnitt bei 700 bis 800 Euro pro Kilowatt.

Lohnt es sich, noch schnell eine Anlage zu installieren?

Kommt der erste Einschnitt wie von der Bundesregierung geplant zum 9. März, bleibt für schnelle Aktionen kaum Zeit. Damit will die Bundesregierung genau solchen „Schlussverkäufen“ vorbeugen. Holger Krawinkel erwartet auch einen Preisanstieg bei den Anlagen in diesem kurzen Übergangszeitraum, in dem Verbraucher unbedingt noch zuschlagen möchten. Er rät Interessierten daher, mehr denn je die Preise einzelner Hersteller zu vergleichen und zu handeln.

Welche Faktoren sind ausschlaggebend für Wirtschaftlichkeit?

Ob sich eine Solarstromanlage auf dem Dach lohnt, hängt nicht allein von der Einspeisevergütung und dem Anlagenpreis, sondern vor allem von den örtlichen Bedingungen ab. Denn diese bestimmen, wie viel Strom am Standort überhaupt produziert werden kann und wie viel Vergütung in der Summe man bekommt.

Wie sieht das optimale Dach aus?

„Es sollte möglichst nach Süden ausgerichtet sein“, sagt Kruhl. „Bis 45 Grad Abweichung von der Südrichtung hat man nur geringe Einbußen.“ Zeigt hingegen die Fläche nach Osten oder Westen, müsste mit Leistungseinbußen von bis zu 20 Prozent gerechnet werden. Der Neigungswinkel des Daches betrage optimalerweise 30 bis 50 Grad. Auf Flachdächern kommen die Anlagen auf entsprechend ausgerichtete Ständer. Daneben schränken Schatten durch Satellitenschüsseln, Schornsteine und Bäume die Stromproduktion stark ein. Auch sollte man für die Zukunft Baulücken auf Nachbargrundstücken im Blick haben.

Welche Standorte sind geeignet?

Die Sonneneinstrahlung auf die Anlage variiert in Deutschland von Standort zu Standort stark. Das ist nicht grundsätzlich ein Nord-Südgefälle. Laut BSW erreichen Bremen und Hamburg, aber auch Orte in Rheinland-Pfalz im Jahr nur bis zu 950 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Hingegen können Anlagen in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns über 1050 erzielen, in Bayern sind stellenweise bis zu 1200 möglich.

Wie sicher ist meine Einspeisevergütung?

Wer eine Photovoltaikanlage installiert, bekommt die zum Zeitpunkt des Einstiegs festgeschriebene Vergütungshöhe garantiert für einen Zeitraum von 20 Jahren. Das sichert der Staat zu. Wer also bereits eine Anlage in Betrieb hat, muss keine Kürzungen befürchten. Wer seit Januar 2012 ans Netz gegangen ist, erhält 24,43 Cent je Kilowattstunde. Ab 9. März könnten es für Dachanlagen nur 19,5 Cent sein – über den genauen Zeitpunkt muss aber der Bundestag noch entscheiden. Ab 1. Mai soll diese Summe jeden Monat um 0,15 Cent weiter gekürzt werden.

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