Lohnzuschüsse und Mehrarbeit: Neue Stellen für Millionen?

- München - Die Deutschen sollten aus Sicht der Wirtschaft deutlich länger arbeiten und sich 2006 mit moderaten Lohnerhöhungen zufrieden geben. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte im Deutschlandfunk: "Wir arbeiten in Deutschland insgesamt zu wenig, deutlich weniger als alle Länder, mit denen wir auf den Weltmärkten im Wettbewerb liegen." Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärte, deutliche Lohnerhöhungen zur Ankurbelung der Binnennachfrage seien der "falsche Weg".

DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke sagte in NDR Info, es komme vielmehr darauf an, dass die Kaufkraft in Deutschland insgesamt steige, und dafür brauche man mehr Arbeitsplätze. Wenn aber die Löhne überdurchschnittlich erhöht würden, "dann werden in der Industrie weiterhin Arbeitsplätze verloren gehen", meinte er.

BDA-Chef Hundt sagte, die notwendige Mehrarbeit könne man unterschiedlich organisieren, "aber wir müssen im Endeffekt zu längerer Arbeitszeit kommen, entsprechend der jeweiligen Auftragslage der Unternehmen".

Wenn Tarifforderungen wie beispielsweise die der IG Metall nach fünf Prozent mehr Lohn "auch nur annähernd die Abschlüsse bilden sollten, dann wird ein deutlicher weiterer Arbeitsplatzabbau nicht zu verhindern sein".

Unterdessen relativierte auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) seine Forderung nach Lohnerhöhungen zur Konjunkturbelebung. "Wo Lohnzurückhaltung nötig ist, um Arbeitsplätze zu sichern und im Wettbewerb zu bestehen, ist dies richtig und wichtig", schrieb Glos im "Handelsblatt". Niemandem sei damit gedient, "wenn Unternehmen gesamtwirtschaftlich unvertretbare Lohnkosten" aufgebürdet würden. Glos forderte die Tarifparteien zudem auf, bei den Abschlüssen stärker zu differenzieren und die Produktivitätsentwicklung der einzelnen Branchen zu berücksichtigen.

Anfang der Woche hatte Glos in einem Interview an die Tarifparteien appelliert, "nicht allein Kosten, Shareholder-Value und Aktionärsinteressen" im Blick zu haben, sondern auch die Binnennachfrage.

Während die Frage von Lohnerhöhungen umstritten bleibt, rückt die Einführung eines Kombilohns in Deutschland scheint in greifbare Nähe. Die SPD will offenbar die heutigen Minijobs durch ein entsprechendes Modell ersetzen, wie der "Spiegel" berichtete. Demnach soll ein Freibetrag bei den Sozialabgaben eingeführt werden, der um steuerrechtliche Regelungen ergänzt werden könne, berichtete das Blatt. Damit würde die Trennung in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und Minijobs aufgehoben. Das Modell soll die Sozialabgabenlast reduzieren und im Niedriglohnbereich zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Nach Ansicht von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt könnte mit Lohnzuschüssen des Staates etwa die Hälfte der Arbeitslosen wieder eine Arbeit bekommen. In der "Berliner Zeitung" verwies er darauf, dass die Kosten für den Kombilohn langfristig geringer seien als die Unterstützung für die Erwerbslosen. "Nur so erreichen wir, dass es sich auch für niedrig Qualifizierte lohnt zu arbeiten", sagte Milbradt.

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