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Und wieder streiken die Lokführer der Deutschen Bahn.

Tarifstreit geht weiter

Lokführer lassen erneut Züge stehen

Berlin - Es ist das siebte Mal in acht Monaten, dass die Lokführer bei der Bahn die Arbeit niederlegen. Der Tarifkonflikt ist völlig festgefahren. Am Mittwoch leiden darunter auch die Fahrgäste.

Mit einem Arbeitskampf im Güterverkehr hat die Lokführergewerkschaft den nächsten großen Streik bei der Bahn eingeläutet. Um 15.00 Uhr am Dienstag ließen die Mitglieder bundesweit die Güterzüge stehen. Die Bahn erwartet, dass die Hälfte ihres Angebots zusammenbricht. Sie will für die Versorgung wichtige Züge vorrangig besetzen.

Von 2.00 Uhr in der Nacht zu Mittwoch bis Donnerstag um 21 Uhr sollen dann auch Personenzüge stehen bleiben, Millionen Fahrgäste werden sich dann Alternativen suchen müssen. Betroffen sind Fernzüge ebenso wie der Regional- und S-Bahnverkehr. Erste Ausfälle gab es schon am Dienstag, weil Züge für Ersatzfahrpläne bereit gestellt wurden.

Mit dem siebten Arbeitskampf in der laufenden Tarifrunde will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer weiteren Druck auf die Deutsche Bahn machen. Die Arbeitnehmerseite hatte die Verhandlungen nach 16 Runden ein weiteres Mal für gescheitert erklärt.

Ein Drittel der Fernzüge rollt

Die Bahn erwartet, dass ein Drittel der Fernzüge nach Fahrplan fahren. Im Regionalverkehr will das Bundesunternehmen je nach Region 15 bis 60 Prozent des regulären Fahrplans aufrechterhalten, wie Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Dienstag sagte. Die Konkurrenten der Bahn werden nicht bestreikt. Zumindest Verspätungen sind aber auch bei ihnen nicht auszuschließen, wenn Gleise wegen des Streiks bei der Bahn blockiert sind.

Fernbusbetreiber berichteten von einem Kundenansturm und kündigten an, zusätzliche Fahrer einzusetzen. Der Fahrgastverband Pro Bahn zweifelte jedoch daran, dass zusätzliche Busse auf die Straße kommen. „Flugzeug und Fernbus fallen als Ausweichverkehrsmittel nach Beobachtungen von Pro Bahn praktisch aus, weil deren Kapazitäten schon weitgehend erschöpft sind“, teilte Sprecher Gerd Aschoff mit.

Die Industrie rechnet unterdessen mit deutlichen Produktionsausfällen durch den 66-stündigen Streik im Güterverkehr, der um 9.00 Uhr am Freitag enden soll. „Streikbedingte Schäden können von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf bis zu 100 Millionen Euro Schaden pro Tag anwachsen“, erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Auch der Außenhandelsverband BGA erwartet erhebliche Einbußen.

Besonders betroffen sind laut BDI die Gefahrguttransporte der Chemieindustrie, die Rohstoffanlieferung in der Stahlindustrie und der Transport von neuen Autos in die Exporthäfen.

Weselsky spricht von "Hinhaltetaktik"

GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn eine Hinhaltetaktik vor. „Das Management will scheinbar gar kein Ergebnis erzielen“, sagte Weselsky der „Passauer Neuen Presse“ (PNP, Dienstag). Er kritisierte, auch nach 16 Tarifverhandlungsrunden fehlten noch immer Ergebnisse in zentralen Fragen. Als Beispiel nannte er eine Begrenzung der Überstunden. Die GDL verlangt außerdem fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche.

Bahn-Personalchef Ulrich Weber widersprach. „Um das Wesentliche für unsere Kolleginnen und Kollegen da draußen ist es noch gar nicht gegangen.“ Die Themen Geld und Arbeitszeiten hätten sich beide Seiten eigentlich für nächste Woche vorgenommen. Bislang sei es nur um die Struktur des künftigen Tarifgefüges gegangen. Weber nannte den Streik vollkommen überflüssig. „Ich bleibe dabei: Wir waren einen Meter vor der Ziellinie.“ Weselsky hatte Weber am Freitag vorgeworfen, an dieser Stelle zu lügen.

dpa

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