Lokführer signalisieren Kompromissbereitschaft

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Berlin/Frankfurt (dpa) - Die Lokführergewerkschaft GDL hat im Konflikt mit der Bahn ihre Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag bekräftigt, zugleich aber Kompromissbereitschaft signalisiert. GDL-Chef Manfred Schell hält eine Einigung mit der Bahn für möglich.

So könnten die Gehälter der Lokomotivführer statt in einem großen Sprung auch über mehrere Jahre hinweg angehoben werden. "Ob es dieses Mal schon der ganz große Schluck ist oder ob man in einem eigenständigen Tarifvertrag eine schrittweise Anhebung anstrebt - all das ist Verhandlungssache", sagte Schell der Wochenzeitung "Die Zeit". Die Bahn bereitet sich unterdessen weiter auf die bevorstehenden 30-Stunden-Streik am Donnerstag und Freitag vor.

Sollte die Bahn zu neuen Tarifverhandlungen bereit sein, will Schell seine Kur vorzeitig beenden. "Sollte sich die Bahn bewegen und zu wirklichen Verhandlungen bereit sein, bin ich wieder da. Dann werde ich die Kur abbrechen", sagte Schell. Bis dahin wisse er die Leitung der Gewerkschaft aber in guten Händen. Schell hatte vor einer Woche eine dreiwöchige Kur am Bodensee begonnen. Dass er dies mitten im Tarifstreit mit der Bahn tat, hatte Spekulationen um einen Machtkampf in der Führung der GDL ausgelöst.

Die Bahn will während des kommenden Ausstands bundesweit mindestens die Hälfte der Nahverkehrszüge fahren lassen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) rechnet dennoch mit einem Erfolg ihres Streiks, zu dem sie von von Donnerstag, 2.00 Uhr, bis Freitag, 8.00 Uhr, aufgerufen hat. Die jüngste Umfrage zu dem Tarifkonflikt deutet darauf hin, dass die GDL in der Bevölkerung nach wie vor Sympathie genießt.

"Wir sind sicher, dass der Streik Wirkung haben wird", sagte GDL- Sprecherin Gerda Seibert in Frankfurt. Die Bahn habe nicht genug Personal, um bei einer Dauer von 30 Stunden die streikenden Lokführer zu ersetzen. "Es wird immer Züge geben, die fahren, aber viele Züge werden stehenbleiben", sagte sie. Auch in der kommenden Woche seien Streiks nicht ausgeschlossen. Darüber werde aber frühestens am Freitag entscheiden.

Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch nannte das Vorgehen der GDL "zynisch". Noch am Freitag habe die Gewerkschaft Streiks "mit der vorgetäuschten Begründung" abgesagt, Rücksicht auf die Pendler nehmen zu wollen. Jetzt trage sie die Auseinandersetzung 30 Stunden lang "vor allem auf dem Rücken von Schülern und Berufstätigen" aus.

Die Mehrheit der Bundesbürger unterstützt in dem Tarifkonflikt einer Emnid-Umfrage zufolge die GDL. Demnach erklärten sich 59 Prozent der Befragten solidarisch mit der GDL. Etwa 32 Prozent gaben an, sie stünden eher auf Seiten der Bahn. Emnid hatte für den Sender N24 von Montagnachmittag an, also nach Ankündigung des 30-Stunden- Streiks, rund 1000 Menschen befragt. Eine klare Mehrheit von 64 Prozent ist allerdings gegen einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer, 32 Prozent halten diese Forderung der Gewerkschaft für richtig.

Die Ersatzfahrpläne für Donnerstag und Freitag sollen von Mittwochmittag an unter der Adresse www.bahn.de/aktuell im Internet stehen, teilte die Bahn mit. Rund um die Uhr ist auch das kostenlose Info-Telefon unter der Nummer 08000 99 66 33 geschaltet. Wie an den bisherigen Streiktagen erwartet die Bahn auch diesmal, dass die ostdeutschen Bundesländer und die S-Bahnen in München und Berlin von den Einschränkungen besonders stark betroffen sein werden.

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck kritisierte das Eintreten der GDL für einen eigenen Tarifvertrag. "Die Forderung, in einem Betrieb für die gleiche Tätigkeit zwei Tarifverträge mit unterschiedlichen Leistungen zu wollen, ist nicht gut für den Betriebsfrieden", sagte Beck den "Ruhr Nachrichten" (Dienstag). Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident sagte, er habe nichts gegen tarifliche Auseinandersetzungen. Die GDL organisiere aber nur einen kleinen Teil der Bahn-Mitarbeiter und Lokführer. Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich merkte dazu an, diese Aussage zeige, "dass Beck keine Ahnung vom Thema hat". Tatsächlich seien rund 80 Prozent der Lokführer in der GDL organisiert.

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