Lokführer-Streik: 1000 Güterzüge stehen still

München/Berlin - Der bundesweite Streik der Lokführer hat am zweiten Tag voll durchgeschlagen: Der Güterverkehr war nach Angaben der Bahn in Ostdeutschland fast lahmgelegt. Und auch im Westen sei nur noch jeder dritte Güterzug gefahren.

Der Zermürbungskampf geht immer weiter. Stunde um Stunde verschärften sich am Freitag die Folgen des flächendeckenden Streiks, mit dem die Lokführergewerkschaft GDL den Güterverkehr der Bahn noch bis diesen Samstag bis 6 Uhr in der Früh blockieren will.

Der Schaden für den bundeseigenen Konzern Deutsche Bahn war schon zuvor enorm. Mehr als 1000 Züge kamen nicht aus überfüllten Rangieranlagen heraus oder standen auf Nebengleisen still. Im Osten der Republik kam der Güterverkehr fast zum Erliegen, im Westen fuhr nur noch ein Drittel der Züge, erste Transportverbünde stauten sich an den Grenzen. Doch Bewegung in den festgefahrenen Tarifkonflikt brachte all das vorerst nicht.

Ein neues Angebot für die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatten die Manager im Berliner Bahntower jedenfalls nicht zu verkünden, als sie am Freitagnachmittag Zwischenbilanz zogen. "Es ist ungeheuerlich, dass 1000 Lokführer den Standort Deutschland so behindern", sagte Frachtvorstand Norbert Bensel über den "schwersten Streik, den wir im Schienengüterverkehr je hatten". Angesichts der "empfindlichen Störungen im System" sei klar, dass es "viele, viele Tage" dauern werde, bis sich der Gütertransport nach einem Ende des Streiks wieder normalisiere, sagte Bensel. Doch Angst vor der eigenen Courage wegen der Folgen des Arbeitskampfes ließ GDL-Boss Manfred Schell nicht erkennen. "Die Gefechtsfeldlage hat sich nicht geändert", lautete seine prompte Antwort auf die Botschaft aus Berlin.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat die Kontrahenten derweil zu Bewegung aufgefordert. "Ich kann nur dazu auffordern, dass man hier nicht auf Kosten Dritter Mikado spielt: Wer sich als erster bewegt, hat verloren", sagte er am Freitag in Trier zu dem Konflikt.

Wie die erbitterten Kontrahenten überhaupt wieder zu konstruktiven Gesprächen finden sollen, weiß vorerst kaum jemand. "Wir brauchen die Gewerkschaft am Tisch", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. Das jüngste Angebot von Mitte Oktober, das nach wie vor Basis für Verhandlungen sein solle, habe sie der GDL ja noch nicht einmal von Angesicht zu Angesicht erläutern können. Dass die Ausgliederung einer eigenen Servicegesellschaft für Lokführer mit einem eigenen Tarifvertrag ein Lösungsweg sein könnte, zerschlug sich rasch wieder. Das sei "derzeit kein Thema", sagte Suckale, nachdem die GDL durchaus Sympathie signalisiert hatte.

Mitentscheidend für den Ausgang des Tarifstreits dürfte auch sein, welche Schäden mögliche weitere Attacken der GDL in der nächsten Woche bei wichtigen Kunden der Bahn anrichten. "Kurzfristig haben wir keine Probleme", hieß es am Freitag etwa beim Autobauer BMW in München. Allerdings könnten sich die Schwierigkeiten bei einem längeren Streik vergrößern. Sicherheitshalber wurden schon Flächen angemietet, auf denen fertige Autos notfalls zwischengelagert werden können, sagte ein Sprecher.

Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Streiks bislang keinen großen langfristigen Schaden hinterlassen.

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