Lotto: Länder lassen Kartellamt auflaufen

- München - ­ Der Kampf um die Öffnung des Lottomarktes geht weiter. Die meisten Bundesländer wollen die jüngste Vorgabe des Bundeskartellamts ignorieren. Die Lotto-Angebote im Internet bleiben deshalb vorerst abgeschaltet.

Das Kartellamt rüttelt nicht am Grundsatz des staatlichen Lotterie- und Wettmonopols. Es will aber den kartellähnlichen Strukturen ein Ende setzen. Hintergrund ist der Streit, ob die Lottogesellschaften ihr Geschäft regional aufteilen dürfen ­ ob also Bayern nur in Bayern online zocken dürfen, so wie es jahrelang vorgeschrieben war. Das Bundeskartellamt hält das für ein "Hardcore-Kartell", wie Präsident Ulf Böge jüngst lästerte. Das Amt hatte die regionalen Lottogesellschaften deshalb aufgefordert, sich bundesweit zu öffnen. Als Reaktion darauf hatten die Länder einfach das Online-Angebot dicht gemacht, um einer Millionenstrafe zu entgehen. Diesen Schritt wiederum hält das Kartellamt für rechtswidrig und verbot den Gesellschaften am Dienstag, den Landesregierungen zu gehorchen.

Der Unmut bei den Finanzministern ist groß. "Jetzt überspannt das Bundeskartellamt endgültig den Bogen", ärgert sich Kurt Faltlhauser (CSU), "völlig unverständlich" sei das. Zum Schutz der Spieler vor Spielsucht soll das Angebot regional begrenzt bleiben. Glückspiel sei nichts für das freie Spiel der Kräfte.

Nur zwei Lottogesellschaften ­ in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ­ bleiben bei ihrer Abwarte-position und halten ihr Internetangebot aufrecht. Sollten die anderen Länder und das Kartellamt stur bleiben, landet der Konflikt vor Gericht.

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