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Ludwig Beck AG: "Es zählt nicht nur der Name an der Tür"

München - Ein guter Name ist nicht alles: Wir sprachen mit Christian Greiner, Chef der Ludwig Beck AG, über Familientradition, Münchner Besonderheiten und die Scheu vor überstürzten Entscheidungen.

Ein bisschen verwinkelt und verschachtelt ist es beim Modekaufhaus Ludwig Beck am Münchner Marienplatz. Die verschlungenen Wege machen auch dem neuen Chef manchmal zu schaffen. „Ab und zu biege ich noch falsch ab und weiß nicht mehr so ganz, wo ich bin“, sagt Christian Greiner und schmunzelt. Der 32-Jährige ist seit Januar 2011 Vorstand der Ludwig Beck AG - Hauptaktionär ist sein Vater, Hans Rudolf Wöhrl.

-Herr Greiner, Sie haben tagtäglich damit zu tun: Was ist Mode für Sie?

Man sagt ja so schön: Kleider machen Leute. Mode ist Ausdruck des persönlichen Stils, ein Spiegel der Gefühlslage. Gleichzeitig hat Kleidung aber auch eine praktische Funktion - sie muss zum Wetter passen und zum jeweiligen Anlass. Das alles macht die Mode so spannend.

-Macht man es sich zu einfach, wenn man sagt: Der Greiner ist einer von den Wöhrls, klar, dass der mal in der Modebranche landet?

(lacht) Wir hatten immer eine sehr offene Kultur zuhause. Da hat nie jemand gesagt: Das ist jetzt dein vorbestimmter Weg, den musst du gehen. Im Gegenteil. Meine Eltern haben immer gesagt: Mach, was du machen willst - aber mach es mit Leidenschaft. Und ich habe ja auch viele andere Themen gemacht - und unter anderem eine eigene Marketingagentur gegründet. Dazu kommt, dass wir eine sehr große Familie sind, in der viele auch anderen Dingen nachgehen.

-Sie aber nicht.

Ja, ich habe schon früh angefangen, im Unternehmen zu jobben und mit 14 habe ich im Laden Jeans verkauft. Mode und Handel haben mich schon immer fasziniert.

-Wie darf man sich denn die Familientreffen bei den Wöhrls vorstellen? Sitzt man an Weihnachten unterm Christbaum und redet über die Geschäfte?

(lacht) Bei Familienunternehmern gibt es im Prinzip zwei Gruppen. Die eine, die sagt, nach Feierabend ist Schluss und daheim wird nicht über die Arbeit gesprochen. Und dann gibt es die andere - und zu der gehören wir. Bei uns ist und war die Firma immer präsent.

-In Nürnberg waren Sie mit Ihrem Young-Fashion-Konzept erfolgreich. Bekommt nun auch Ludwig Beck eine Verjüngungskur?

Das braucht Beck nicht, denn das Haus hat keine Alterserscheinungen. Ludwig Beck ist eine Institution, hat eine wahnsinnige Tradition und kommt trotzdem modern daher.

-Sind Sie denn auch selbst Kunde?

Ja klar. Genau so gehe ich auch an meine Arbeit ran. Ich bin da sehr einfach gestrickt, gehe jeden Morgen, bevor der Laden aufmacht, durchs Haus und versuche immer, aus der Sicht des Endverbrauchers auf die Dinge zu blicken.

-Gehen Sie eigentlich oft shoppen? Und wenn, immer beste, teuerste Ware oder darf’s auch mal das H&M-Shirt für 3,99 Euro sein?

Ich gehe wirklich gerne einkaufen, sowohl bei uns als auch in anderen Städten. Dabei bin ich ein sehr markenaffiner Mensch, aber das muss nicht immer die Luxusmarke sein. Mich faszinieren Marken, weil sie Nischen besetzen und Geschichten erzählen - auch H&M. Ich finde es spannend, das Image von Marken zu erleben, zu sehen wie allein der Name beim Verbraucher eine Reaktion auslöst.

-Gibt es für Ludwig Beck typische Kunden oder Altersgruppen?

In Altersgruppen denken wir nicht. Wir sprechen vor allem die Business-Frau an, also die Frau, die im Berufsleben steht. Das ergibt sich schon allein durch das Preisgefüge bei uns - da muss man schon ein gewisses Einkommen haben. Aber wir sind kein Luxuskaufhaus, das allein Prada, Gucci und Konsorten verkauft. Bei uns findet jeder etwas.

-Die Musikabteilung am Marienplatz ist preisgekrönt. Was haben Musik und Mode gemein?

Die Idee hier ist „Kaufhaus der Sinne“. Da ist das Hören natürlich maßgeblich. Zudem ist Musik sehr emotional und passt wunderbar zur Mode. Durch die Konzentration vor allem auf Jazz und Klassik sind wir eine Institution geworden. Wir machen hier ein Prozent des Weltmarktumsatzes mit Klassik-Tonträgern. Dennoch ist Mode mit 75 Prozent unser Umsatzträger.

-Wie geht es denn nun weiter mit dem Traditionsbetrieb? Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial?

Das Schöne ist, dass man sich bereits in der Vergangenheit zurück auf den Marienplatz besonnen hat. Früher war Ludwig Beck ja in ganz Deutschland präsent und man musste einsehen, dass das der falsche Weg war.

-Funktioniert Ludwig Beck nur in München?

Wenn man es richtig macht, kann man auf der Zugspitze eine Eisdiele aufmachen - und die funktioniert selbst wenn’s schneit. Aber Ludwig Beck ist sehr individuell. Man hat in der Vergangenheit den Fehler gemacht zu denken, dass allein der Name an der Tür reicht. Aber die Menschen haben beim Namen Ludwig Beck genau das Haus hier am Marienplatz vor Augen. Und wenn diese Erwartung dann nicht erfüllt wird, sind sie enttäuscht.

-Also fokussieren Sie sich nahezu ausschließlich auf das Original am Marienplatz, wo Sie mittlerweile 90 Prozent des Umsatzes machen.

Wir haben hier in der Innenstadt eine absolut prominente Lage und noch dazu einen direkten Zugang zu U- und S-Bahn. Da ist es nur sinnvoll, hier die ganze Energie zu bündeln und das Beste rauszuholen.

-Sie kennen den Nürnberger Markt sehr gut - mit München ist er wohl kaum zu vergleichen?

Absolut. München ist eine totale Ausnahme allein von der Kaufkraft her. Hier ist alles vorhanden: viel Geld, viele Touristen und auch die Bereitschaft, für schöne Dinge etwas mehr auszugeben - das gibt es in Nürnberg bei weitem nicht. Auch sind die Münchner modebewusster und haben hohe Ansprüche, was ihr Äußeres betrifft. Sie zeigen mehr, ohne dabei zu protzen. Die Franken sind da etwas praktischer gestrickt und zögern mehr.

-Wann kann man auch online bei Ludwig Beck einkaufen?

Das konnte man schon mal vor über zehn Jahren im Musik-Bereich. Aber das hat nicht funktioniert.

-Also lassen Sie für immer die Finger davon?

Nein. Die Nachfrage ist da und wir werden den Schritt auch irgendwann machen. Aber das Angebot muss passen und einzigartig sein. Wir wollen keinen blinden Aktionismus, sondern eine überlegte Strategie - und das dauert seine Zeit.

-Das dürften für Sie als Jungunternehmer und Macher ganz neue Erfahrungen sein.

Bis dato habe ich immer Sachen von null angefangen, da kann man sehr kreativ sein, viele Dinge ausprobieren. Hier ist in 150 Jahren etwas entstanden, was heute sehr erfolgreich ist. Deswegen kann jede falsche Entscheidung verheerend sein. Wie bei einem hochentwickelten Formel-1-Auto. Da können Sie auch nicht eben schnell mal einen anderen Spoiler montieren. Veränderungen finden sehr überlegt im Kleinen statt - und doch bringt dieses Feintuning eine Menge.

-Sind Sie dann der Redbull-Pilot unter den Kaufhäusern, der allen vorausfährt?

(lacht) Nein, wir sind eher das Formel-1-Auto, das in die andere Richtung fährt - überspitzt gesagt. Beck hat schon immer Dinge gemacht, die anders waren. Auch tragen wir hier in der Innenstadt kein Rennen aus - wir ergänzen uns alle ganz gut. Es gibt hier noch viele einzeln geführte Häuser, die alle ihr eigenes Klientel haben. Beck würde nicht profitieren, wenn etwa ein Lodenfrey schließt. Im Gegenteil, dann kommen weniger Leute in die Stadt. Alles was die Innenstadt in hochwertiger Form belebt, bringt uns voran.

Interview: Stefanie Backs

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