Luft für Musik-Riesen wird dünn: Wer schafft als erster eine Fusion?

- Hamburg - Die Luft wird dünn für die fünf großen Musikkonzerne, die sich rund drei Viertel des Marktes teilen. Die Umsätze der Musikindustrie sind schon seit vielen Jahren rückläufig, doch so richtig unter Druck steht sie erst seit dem massenhaften illegalen Kopieren per CD-Brenner oder durch das Herunterladen von Musikdateien im Internet. Nun bahnt sich eine Neuordnung der Branche an: Die Bertelsmann Music Group (BMG) und die japanische Sony Music schließen nach Marktanteilen zum bisherigen Marktführer Universal Music auf.

<P>In zwei Monaten können die Verträge unterschrieben werden, mit der Sony BMG mit mehr als 25 Prozent Marktanteil direkt zum Branchenprimus Universal Music aufschließen würde, lautet die optimistische Voraussage von BMG-Chef Rolf-Schmidt-Holtz. Dem "Spiegel" sagte er, die beabsichtigte Fusion der Musiksparten sei bereits bei den US-Kartellbehörden angemeldet.</P><P>Auffällig ist die Schnelligkeit, mit der beide Seiten zum Ergebnis gekommen sind. Ursprünglich hatten eigentlich Bertelsmann und Time Warner über die Zusammenlegung ihrer Musiksparten verhandelt. Doch immer wieder türmten sich Probleme und Missverständnisse auf. Die britische EMI, das einzige konzernfreie Plattenunternehmen, schaltete sich in die Verhandlungen und bot ihrerseits für Warner Music.</P><P>Die Hektik ist verständlich: Nicht alle werden am Markt in der jetzigen Form überleben, nicht einmal die fünf größten Konzerne (siehe Kasten). Nur wer die ausreichende Größe hat, kann die Probleme in den Griff bekommen, die die Branche seit Jahren kennzeichnen. Seit 2000 ist einer der fünf großen Musikkonzerne schon verschwunden - theoretisch jedenfalls. Der Umsatz in dieser Sparte der Unterhaltungsindustrie ist von 37 Milliarden (2000) auf 31 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Umsätze der fünf Großen liegen zwischen 6,3 und 2,7 Milliarden Dollar.</P><P>Die großen Musikkonzerne haben so ziemlich alle Mittel zur Begegnung der Krise ausgeschöpft: Auch eine Welle von Entlassungen hat das Problem nicht lösen können. Jetzt probiert es Marktführer Universal Music mit massiven Preissenkungen, um die Online-Nutzer wieder in die Läden zu locken.</P><P>Nach der jetzt angekündigten Fusion von BMG und Sony Music wird die Luft für die börsennotierte EMI besonders dünn. Sie muss dringend eine Lösung finden. Das Geld für die Übernahme von Warner Music steht bereit, doch einig ist man sich noch nicht geworden. BMG und Sony Music werden nun bessere Chancen bei der Genehmigung der Fusion durch die Wettbewerbshüter in Washington und Brüssel eingeräumt. Bislang scheiterten bereits mehrere Versuche. Die schwierige Marktlage der Musikindustrie durch illegale Musiktauschbörsen und Konjunktureinbrüche könnten die Kartellbehörden zu einem Kurswechsel veranlassen. Beobachter vermuten jedoch, dass nur eine Großfusion genehmigt werden würde.</P>

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