Luftfahrtbranche: Mit leerem Pilotensitz in Paris gelandet

- Paris - Das gab's noch nie: Während der Subventionsstreit zwischen den Flugzeugbau-Rivalen Boeing und Airbus eskaliert, kommen beide ohne Führung zur weltgrößten Luftfahrtmesse nach Paris. Der US-Gigant sucht seit März einen Nachfolger für Harry Stonecipher, der über eine "Liebesaffäre" gestürzt ist. Europas Marktführer EADS sagte sogar seine Pressekonferenz in Le Bourget ab, weil sich Franzosen und Deutsche blockieren.

<P>Damit nicht genug: Auch bei Antonow ist nach dem Rücktritt des Chefs das Chaos so groß, dass der ukrainische Anbieter seine Antonow-148 gar nicht erst zur Messe schickte.<BR><BR>"Peinlich, unnötig und schädlich" nennen Rüstungs- und Luftfahrtindustrielle den zähen deutsch-französischen Machtkampf bei EADS. Das Wirtschaftsblatt "Les Echos" lästerte gar über die "Drohnen" bei EADS und Boeing. Bei beiden Konzernen sitzen jetzt die Chefaufseher im Cockpit. Beide stehen im Zentrum des vor der Welthandelsorganisation WTO ausgetragenen Konflikts um Subventionen. Beide kämpfen mit politischer Unterstützung und innovativen Produkten wie dem A380 und dem 787 Dreamliner erbittert um Kunden und Marktführung. Beide können sich also Führungsquerelen weniger leisten denn je.<BR><BR>Doch für EADS wiegt das Führungsproblem stärker als für Boeing. Während der US-Konzern mit Riesenaufträgen für den 787 Dreamliner und brummendem Rüstungsgeschäft wieder obenauf ist, hängen Airbus die Verzögerungen beim A380 und mangelnde Entwicklungskapazitäten für den geplanten A350 wie Blei an den Flügeln. Außerdem blockiert das Geschacher der Europäer um Posten und Einfluss nicht nur wichtige Entscheidungen im Konzern: EADS drohen auch "Kollateralschäden" bei der Neuordnung der Rüstungsbranche. Lachender Dritter ist beispielsweise der zehn Milliarden Euro schwere Elektronikspezialist Thales, der sich einem drohenden Zugriff durch EADS mit anderen Allianzen zu entwinden sucht.<BR><BR>Bei der Schuldzuweisung für die Blockade haben die Franzosen nicht mehr die nationale Brille auf. Hinter vorgehaltener Hand hagelt es Kritik an Airbus-Chef Noë¨l Forgeard, der mit seinem Vorstoß zur Übernahme der EADS-Spitze Ende 2004 den Konflikt vom Zaun gebrochen hatte. Selbst Präsident Jacques Chirac, der Forgeard stets gefördert hatte, rückt angesichts der Flurschäden von seinem Ex-Berater ab.<BR><BR>Punkte hat dagegen Jürgen Schrempp gemacht. Der Daimler-Chrysler-Chef hat Forgeards Machtanspruch Grenzen gezogen. "Schrempp hat sehr früh seine Position sehr klar gemacht und sich daran gehalten", erklärte ein Top-Manager des Führenden in der Rüstungselektronik, Thales. Andere Branchenvertreter sagen, die mit langen Produktzyklen in heiklem politischem Umfeld agierenden Unternehmen brauchten verlässliche Partner und keine Hasardeure.<BR>Jetzt macht in Paris die Idee die Runde, Forgeard auf dem Posten des Airbus-Chefs zu belassen und einen anderen Franzosen in die EADS-Doppelspitze zu heben. Seit Boeings Offensive ist der Airbus-Chefsessel deutlich ungemütlicher geworden.<BR><BR>Boeing hat es da leichter. Der schnelle Abgang des als "Retter" geholten Stonecipher blockiert keine strategischen Entscheidungen. Als Nachfolger läuft sich Alan Mulally warm. Er kennt die Rüstungssparte gut und hat als Chef der Verkehrsflugzeugsparte nur gute Nachrichten zu verkünden. "Die Aktionäre kennen meine Kompetenzen", sagte er zu Messebeginn selbstbewusst. Die Entscheidung eile nicht.</P><P> </P>

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