Luftfahrtforscher lernen von Vögeln

- München - Von wegen Abwanderung der wissenschaftlichen Elite nach Amerika: Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS schaut sich selbst in den USA nach Forschern und Forschungsergebnissen um, wie Rolf Bütje, der Leiter der Konzernforschung für Deutschland, sagt. Der harte Wettkampf mit Boeing, der nur durch technischen Vorsprung gewonnen werden kann, macht enorme Anstrengungen nötig. Fast jeder sechste Euro, den die EADS einnimmt, wird für Forschung und Entwicklung ausgegeben.

<P>Das sind 17 Prozent des Gesamtbudgets. Der Branchenschnitt liegt zwischen 10 und 11 Prozent, der Durchschnitt der deutschen Industrie weit dahinter. Einer der wichtigsten Forschungsstandorte des Konzerns ist München, wo 300 Mitarbeiter im "Corporate Research-Center" des Konzerns tüfteln und konstruieren.<BR><BR>Ein heftiger Konkurrenzkampf tobt zurzeit bei den Helikoptern. Hier hat die EADS-Tochter Eurocopter durch eine eigene Fabrik in den USA Marktanteile erobert. Langfristig gewinnen kann nur, wer es schafft, den Fluggeräten das Lärmen abzugewöhnen. "Lärmarmut und Komfort werden das Einsatzspektrum des Hubschraubers drastisch erweitern", sagt Valentin Klöppel, Programmleiter für Aeromechanik und Flugführung bei Eurocopter. <BR><BR>Sowohl Boeing als auch die EADS wetteifern an zwei Fronten um Lösungen: Dem typischen Knattern der Rotoren und dem Pfeifen im Innenraum haben die Hersteller den Kampf angesagt. In beiden Fällen sind Lösungen in Sicht.<BR><BR>An der Spitze der Rotorblätter entstehen durch die Bewegung Luftwirbel. Immer wenn das jeweils nachfolgende Blatt auf einen solchen Wirbel trifft, kommt es zu dem explosionsartigen Geräusch. Durch Kippbewegungen (ganz ähnlich wie bei der Bewegung von Vogelflügeln) lässt sich dieser Lärm vermeiden. Die Blätter weichen den Wirbeln gewissermaßen aus. Um nicht noch mehr komplizierte Mechanik zu benötigen, haben die EADS-Forscher von der Natur abgeschaut. Sie verwenden Piezo-Elemente. Diese ziehen sich - wie Muskeln - zusammen, wenn man elektrische Energie zuführt.<BR><BR>Die Piezo-Elemente lassen sich in den ohnehin hohlen Rotoren unterbringen. Sie treiben Klappen an, die den lärmmindernden Flügelschlag umsetzen. Bisherige Versuche und Simulationen waren vielversprechend. Noch in diesem Jahr beginnen, so Valentin Klöppel, entscheidende Tests. Für 2010 rechnet er mit der Serienreife.<BR>Doch die Forscher denken schon darüber hinaus. Eines Tages könnten die Piezo-Elemente die gesamte Steuerung der Rotorblätter übernehmen. Die hochkomplizierte mechanische Steuerung könnte wegfallen.<BR><BR>Auf ganz ähnliche Weise versucht man den Hubschrauber-Getrieben das durchdringende Pfeifen abzugewöhnen, das vor allem für Passagiere höchst unangenehm ist. Dieses Geräusch entsteht durch Schwingungen der Zähne im Getriebe, die über das Gehäuse übertragen werden. Auch hier helfen Piezo-Elemente, die sich diesen Schwingungen (bis zu 1900 pro Sekunde) entgegenstemmen. Das Pfeifen verschwindet. Diese aktive Lärmschutz-Technik soll bereits in drei Jahren einsatzbereit sein.<BR><BR>Eine weitere Errungenschaft der EADS-Forscher könnte bereits in wenigen Jahren die Windschutzscheiben auch von Autos zu Anzeigetafeln umfunktionieren: Das holographische Display soll aber zunächst ermöglichen, die Navigationsinstrumente in die Cockpitscheibe eines Flugzeugs einzuspiegeln. Zwei Vorteile hat das gegenüber herkömmlichen Anzeigeinstrumenten: Lichteinfall beeinträchtigt die Lesbarkeit kaum, und die Scheibe bleibt trotz ihrer Zusatzfunktion als "High-Tech-Leinwand" ein durchsichtiges Fenster.<BR></P>

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