Luftfahrtgigant EADS wäre bereit, Menschen ins Weltall zu bringen

- München - Die EADS würde gern nach den Sternen greifen. Rainer Hertrich, Chef des Europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns, wäre zum Einstieg in die bemannte Raumfahrt bereit. "Einen wiederverwendbaren Launcher zu bauen, wäre eine große Herausforderung", sagte er.

<P>Launcher, damit meint Hertrich eine Raumfähre. Seit der Columbia-Katastrophe Anfang 2003 sind in den USA alle Flüge gestrichen. Um Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS zu bringen, sind auch die Amerikaner auf russische Hilfe angewiesen. "Europa hat eine einmalige Chance", sagt Hertrich. Doch für den Einstieg in die bemannte Raumfahrt fehlt es den europäischen Staaten am Geld. So bastelt die EADS weiter an unbemannten Raumfahrt-Projekten - und selbst dies auf Sparflamme.<BR><BR>In einem anderen Bereich rechnet die EADS mit in Zukunft reichlich sprudelnden Staatsgeldern: Rüstung. "Es besteht in den nächsten Jahren ein riesiger Nachholbedarf bei allen europäischen Armeen." Vor allem für die benötigte High-Tech-Ausrüstung der Zukunft sieht sich der Konzern gerüstet. </P><P>"Wir wollen erster Ansprechpartner der Streitkräfte sein", sagt Hertrich, der trotz Sparzwangs sicher ist, dass künftig mehr Geld bereitsteht: "Niemand wird an diesem Bedarf vorbeikommen." Dass aus Kostengründen die teure Wehrpflicht - und deren Abschaffung - auf der Tagesordnung bleibt, sagt Hertrich nicht direkt. Aber: "Sicher wird die Bundeswehr anders aussehen."<BR><BR>Auch von der Konzentration der US-Rüstungsindustrie könnten die Europäer profitieren. Die US-Behörden stehen in vielen Fällen nur einem einheimischen Anbieter gegenüber. "Ich glaube, dass jeder Kunde Wettbewerb haben will", sagt Hertrich, der deshalb auf leichteren Zugang auch zum US-Markt hofft.<BR><BR>"Das Verteidigungsgeschäft wird vom Spielbein zum Standbein", sagt der EADS-Chef. Er rechnet damit, dass die entsprechenden Umsätze bis 2005 von 6 auf 10 Milliarden Euro wachsen und dann statt 20 rund 30 Prozent zum Gesamtgeschäft beitragen werden: "Wir machen uns von der Zyklik des Luftfahrtgeschäfts weniger abhängig."<BR><BR>Die ehrgeizigen Ziele in diesem Bereich, bei Airbus bis zu 450 Flugzeuge im Jahr zu bauen, sind erst einmal zurückgestellt. "Wir werden die 300 Airbusse, die uns niemand geglaubt hat, ausliefern", sagt Hertrich. Im nächsten Jahr will er die selbe Größenordnung erreichen. Damit ist Airbus heuer am Erzrivalen Boeing vorbeigezogen, der dieses Jahr nur 285 Flugzeuge ausliefert. Langfristig rechnet Hertrich mit einem Gleichgewicht. Erstmal aber haben die Europäer die Nase vorn.<BR><BR>Wirtschaftlich sieht sich die EADS im Plan, und sie hat ehrgeizige Ziele: "Die Vision von einer 40-Milliarden-Company ist nicht weit weg", sagt Hertrich, "auch nicht die einer mit zweistelligen Margen". Das bedeutet mittelfristig 40 Milliarden Euro Umsatz (2002: 29,9 Mrd.), wenigstens 4 Mrd. operativer Gewinn (2002: 1,4 Mrd.). Das sorgt für Phantasie an den Börsen. </P><P>Die Aktie durchbrach gestern zwischenzeitlich die Marke von 20 Euro. Hertrich deutete gar ein Ziel von 40 Euro an. Bereits bei 20 Euro liegt EADS nach der Börsenkapitalisierung zwischen Bayer und RWE. Doch der Firmensitz Amsterdam verbietet die Aufnahme in den Dax. EADS bleibt deshalb - als mit großen Abstand stärkster Wert - in den MDax verbannt.<BR><BR></P><P> </P>

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