Flugzeuge der Fluggesellschaft Lufthansa stehen am Rand des Rollfeldes nebeneinander.
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Lufthansa: Die Airline muss milliarden-schwere Verluste verkraften.

Corona-Pandemie

Lufthansa: Die Lage bei der Airline ist noch schlimmer als gedacht – Vage Hoffnung auf 2021

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Bei der Lufthansa bleibt die Lage dramatisch. Im dritten Quartal hat der Konzern erneut einen höheren Verlust ausgewiesen als befürchtet. Jetzt hofft der Konzern auf 2021. Investoren bleiben skeptisch.

  • Bei der Lufthansa ist der Lage ernst.
  • Im laufenden Jahr hat der Konzern bereits einen Fehlbetrag von 5,6 Milliarden Euro zu verkraften.
  • Mit Stellenstreichungen und weiteren Sparmaßnahmen stemmt sich die Airline gegen die Krise.

München –  Die Lufthansa ist im dritten Quartal wegen der Corona*-Pandemie noch tiefer in die Verlustzone gerutscht als erwartet. Von Juli bis September haben weltweite Reisebeschränkungen und stillgelegte Flugzeuge der Kranich-Airline einen Netto-Verlust von 1,97 Milliarden Euro eingebrockt nach einem Gewinn von 1,15 Milliarden im Vorjahr, teilte die Airline am Donnerstag mit. Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 1,2 Milliarden Euro gerechnet. Zugleich brach der Umsatz um drei Viertel auf 2,7 Milliarden Euro ein. Das war ebenfalls erheblich weniger als die Konsens-Schätzung von 3,4 Milliarden Euro.

Damit hat sich die Lage bei der Airline weiter zugespitzt. Von Januar bis September ist inzwischen ein Fehlbetrag von 5,6 Milliarden aufgelaufen nach 1,04 Milliarden Euro Gewinn im Vorjahr. Im traditionell stärksten Sommerquartal brachen die Passagierzahlen um 80 Prozent auf 8,7 Millionen Fluggäste ein.

Der Bund hatte die Lufthansa im Frühjahr gemeinsam mit Österreich, Schweiz und Belgien mit neun Milliarden Euro vor dem Kollaps gerettet. In Finanzkreisen halten sich dennoch hartnäckig Spekulationen um einen möglichen, weiteren Kapitalbedarf.

Lufthansa: Auslastung weit unter Vorcoronaniveau

Angesichts der schlimmsten Branchen-Krise der Nachkriegszeit hatte der Konzern sein Flugangebot rund um die Kernmarke Lufthansa sowie die Töchter Eurowings, Austrian und Brussels Airlines im dritten Quartal auf ein Fünftel des zu dieser Jahreszeit üblichen Angebots zusammengestrichen. Dennoch lag die Auslastung der Maschinen bei gerade 53 Prozent. Im Vorjahr hatte der sogenannte Load Factor – also das Verhältnis zwischen angebotenen und verkauften Sitzen - noch durchschnittlich 86 Prozent betragen.

Auf dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr hatte die Lufthansa pro Stunde eine Million Euro verloren. Inzwischen verbrennt die Airline stündlich noch 500.000 Euro. „Mit strikten Kosteneinsparungen und der Ausweitung unseres Flugprogramms konnten wir die operativen Mittelabflüsse im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich senken“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag. Im vierten Quartal werde man maximal 25 Prozent der Vorjahreskapazitäten anbieten.

Um die Mittelabflüsse weiter einzudämmen, will das Unternehmen rund 27.000 Stellen streichen. Dazu soll im Winter praktisch die gesamte Konzernzentrale dichtgemacht werden. Außerdem will die Airline über Winter mehr Flugzeuge stilllegen als zunächst geplant. Auch bei den Flugplänen wird der Rotstift angesetzt. So soll etwa der Flugbetrieb am Drehkreuz München* weiter ausgedünnt werden.  

Mit den Schritten sei man auf Kurs, um im Laufe des kommenden Jahres operativ wieder positive Mittelzuflüsse zu erreichen, erklärte das Unternehmen. Dies setze allerdings voraus, dass die Kapazitäten rund 50 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichten, hieß es. Investoren bleiben skeptisch. Nach Vorlage der Zahlen gab die Lufthansa-Aktie um 1,3 Prozent nach. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks.

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