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Antisemitismus-Vorwürfe: Lufthansa schließt über 100 jüdische Passagiere vom Flug aus

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Von: Lisa Mayerhofer

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Lufthansa-Gate am Flughafen
Eine Mitarbeiterin von Lufthansa bereitet an einem Gate am Flughafen München das Boarding für einen Flug vor. © Sven Hoppe/dpa

Die Lufthansa hat vergangene Woche nach einem Masken-Streit über hundert jüdischen Passagieren den Weiterflug verweigert. Das Unternehmen entschuldigt sich nach heftigen Antisemitismus-Vorwürfen.

Frankfurt/Main – Die Lufthansa steht wegen Antisemitismus-Vorwürfen unter Beschuss: Die deutsche Airline hat vergangenen Mittwoch einer Gruppe orthodoxer Juden den Weiterflug von Frankfurt nach Budapest verweigert. „Lufthansa entschuldigt sich ausdrücklich bei den Gästen“, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Tweet der Fluggesellschaft. „Die Ereignisse stehen nicht im Einklang mit unseren Werten.“ Hessens Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker forderte die Lufthansa-Unternehmensspitze auf, Stellung zu beziehen.

Lufthansa: Antisemitismus-Vorwürfe nach Ausschluss jüdischer Passagiere

Die Airline hatte am vergangenen Mittwoch in Frankfurt einer Gruppe strengreligiöser Juden aus New York den Weiterflug nach Budapest verweigert. Vorangegangen sei die mehrfache Weigerung einiger Fluggäste auf dem Flug von New York nach Frankfurt, auch nach Aufforderung der Crew, Masken zum Schutz vor Ansteckung mit dem Coronavirus zu tragen, hatte die Lufthansa am Freitag auf Anfrage erklärt.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb unter Berufung auf einen Passagier der Lufthansa-Maschine aus New York, es seien alle Reisenden, die durch Hut und Schläfenlocken als Juden zu erkennen gewesen seien, von der weiteren Beförderung ausgeschlossen worden – und nicht gezielt die Passagiere, die sich falsch verhalten hätten.

Die Gruppe hatte Lufthansa nach einem Bericht der jüdischen Nachrichtenagentur JTA wegen des Vorfalls zu einer Entschuldigung wegen Antisemitismus aufgefordert. Betroffen waren demnach rund 130 jüdisch-orthodoxe Passagiere. Gegen sie sei ein Weiterflugverbot ausgesprochen und durch Beamte der Bundespolizei durchgesetzt worden.

Außerdem soll ihnen untersagt worden sein, für 24 Stunden ein neues Ticket nach Budapest zu kaufen. Sie waren auf einer jährlichen Pilgerfahrt zum Grab des als wundertätig verehrten Rabbiner Jeschaja Steiner in einem Dorf in Ungarn. Die gestrandeten Fluggäste konnten laut dem jüdischen Wochenmagazin Tachles ihre Reise nach teilweise erheblichen Verzögerungen mit anderen Linien fortsetzen.

Hessens Antisemitismusbeauftragter fordert Lufthansa auf, Stellung zu beziehen

Die Lufthansa ließ sich mit einer Entschuldigung bis Dienstag Zeit. In dem Statement der Airline heißt es, der Vorfall werde sehr ernst genommen und es werde weiter intensiv an der Aufklärung gearbeitet. „Ungeachtet davon bedauern wir, dass der größeren Gruppe die Weiterreise nicht ermöglicht wurde, anstatt diese Entscheidung auf einzelne Personen zu beschränken.“

Hessens Antisemitismusbeauftragter teilte am Dienstagabend mit, offensichtlich sei alleine wegen ihres erkennbaren Glaubens eine ganze Gruppe von Menschen für etwas verantwortlich gemacht worden, das offensichtlich nur einzelne Reisende betraf. „Dies ist diskriminierend und keine Bagatelle und umso mehr sollte sich auch die Unternehmensspitze persönlich in der Verantwortung sehen, sich für diesen Vorfall zu entschuldigen und klar und unmissverständlich Stellung beziehen“, so Becker. Für Gespräche stehe er der Lufthansa gerne zur Verfügung. „So etwas darf sich nicht wiederholen“, sagte der Antisemitismusbeauftragte. (lma/dpa/kna)

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