Lufthansa-Chef: Fusionen mit kühlem Kopf

- Berlin - Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber hat die Übernahme anderer Airlines nicht ausgeschlossen, will aber Vor- und Nachteile genau abwägen. "Uns gehen die Fantasien nicht aus, aber eines ist klar: Wir behalten ganz sicher einen kühlen Kopf", sagte Mayrhuber am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Lufthansa in Berlin. Im Moment stehe allerdings nichts Konkretes an.

"Der Kranich ist ein überaus zäher Vogel", sagte Mayrhuber. Der Kurs sei klar, die Airline wolle weiter profitabel wachsen und weiter durch Leistung und Qualität überzeugen. Die größte deutsche Fluggesellschaft wolle aus eigener Kraft wachsen, wäre aber auch zu Fusionen wie zuvor mit der Schweizer Swiss in der Lage. "Dazu bedarf es einer für beide Seiten geeigneten Gelegenheit", sagte Mayrhuber und ergänzte: "Solche Gelegenheiten würden wir auch wahrnehmen."

Anfang der Woche hatte Mayrhuber die Übernahme der spanischen Iberia oder der italienischen Alitalia als zu teuer abgelehnt. Für beide Gesellschaften haben inzwischen andere Investoren Angebote in Aussicht gestellt.

Die Swiss, die der Lufthansa bereits gehört, will laut Mayrhuber nach der Rückkehr in die Gewinnzone ihr Angebot weiter ausbauen. "Der Blick richtet sich nun auf die Verstärkung des Erfolgskurses und den Ausbau des Angebotes." Die Zusammenarbeit von Lufthansa und Swiss funktioniere "schneller und reibungsloser als erwartet".

Lufthansa ist nach Einschätzung von Mayrhuber gut ins neue Jahr gestartet. Spätestens 2008 soll die Marke von einer Milliarde Euro operatives Ergebnis übersprungen werden, bekräftigte er. Im vergangenen Jahr lag diese Messgröße bereits bei 845 Millionen Euro. Von der Politik forderte Mayrhuber die Vereinheitlichung der Luftraumüberwachung in Europa. Dies könne den CO2-Ausstoß des Luftverkehrs um zehn bis zwölf Prozent reduzieren. Zudem müsse die Infrastruktur der Flughäfen ausgebaut werden, um Staus zu vermeiden.

Die Diskussion zur Begrenzung der Treibhausgase sei der Lufthansa willkommen. "Sie wird deutlich machen, dass der schnellste und größte Beitrag durch die Politik selber zu leisten ist", sagte Mayrhuber. Europa könne dabei eine globale Vorreiterrolle einnehmen.

2005 hatte die Lufthansa bei 19,8 Milliarden Euro Umsatz (plus 9,9 Prozent) ihr Nettoergebnis um 77,3 Prozent auf 803 Millionen Euro erhöht. Im Jahresschnitt beschäftigte das Unternehmen 93 500 Menschen, drei Prozent mehr als im Vorjahr.

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