Lufthansa: Gewerkschaft schwingt die große Keule

Frankfurt/München - Das entscheidende Wort fügte Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott erst auf Nachfrage hinzu:"Unbefristet!" Der Streikdes Kabinen- und Bodenpersonals der Lufthansa beginnt an diesem Montag - das war erwartet worden. Überraschenderweise eginnt die Gewerkschaft aber nichtmit Nadelstichen. Vielmehr schwingt sie gleich die große Keule und ruft zu Arbeitsniederlegungen auf, ohne ein Ende festzulegen.

Verdi- Mann Ott wollte sich am Freitag nicht in die Karten schauen lassen, deutete aber an, wie die Streiktaktik aussieht. Nacheinander sollen verschiedene Standorte und Geschäftsbereiche betroffen sein. Einmal könnte die Wartung von Flugzeugen lahmgelegt, ein anderes Mal das Catering von Speisen und Getränken blockiert werden.

Für die Passagiere bleibt die Flugreise mit der Lufthansa in den kommenden Tagen ein unsicheres Vorhaben. Denn welche Maschinen nach Plan, welche mit Verspätung starten und welche gar nicht fliegen werden, dürfte sich erst kurzfristig entscheiden. Verdi will die konkreten Streikpläne immer erst am Vortag bekanntgeben. So dürfte Lufthansa Mühe haben, die vorbereiteten Notfallpläne in die Tat umzusetzen. Ott sagte, man wolle das Unternehmen "wirtschaftlich treffen", ohne Belastungen für die Kunden gehe das nicht. "Wir haben aber gezeigt, dass wir verantwortungsvoll damit umgehen können."

Der Konzern meldete Zweifel an der Durchschlagskraft des Streiks an. "Wir gehen davon aus, dass nur ein Bruchteil der Belegschaft in Deutschland dem Streikaufruf folgen wird", sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Die übergroße Mehrheit habe nach seiner Einschätzung auch nicht an der Urabstimmung teilgenommen.

Die Gewerkschaft jedenfalls nannte wie üblich weder Stimmenzahl noch Anteil. Ott sprach lediglich von einer "großen Beteiligung" an der Urabstimmung. Von den abgegebenen Stimmen waren 90,7 Prozent für den Arbeitskampf. In allen Teilen des Unternehmens seien die Mitarbeiter kampfbereit, sagte Ott, sei es bei der Technik, den Frachtmitarbeitern, den Kollegen am Boden, in der Kabine oder im Catering.

Keine Absicht sei es, dass der Streik mitten in die Sommerreisezeit fällt, versicherte Verdi-Vorstandsmitglied Ott. Nach dem Auslaufen des bisherigen Tarifvertrages Ende Mai habe es vier Verhandlungsrunden gegeben, die erfolglos geblieben seien. Lufthansa- Chef Wolfgang Mayrhuber habe unmissverständlich deutlich gemacht, dass er kein verbessertes Angebot vorlegen wolle, sagte Ott. "Deshalb mussten wir das Scheitern erklären."

Die Gewerkschaft Verdi ist mit einer Forderung nach 9,8 Prozent mehr Geld bei einer Vertragslaufzeit von einem Jahr angetreten. In schwierigen Zeiten nach dem Irak- Krieg und den Terroranschlägen des 11. September 2001 habe man sich zurückgehalten und zugleich den Grundstein für die folgenden Rekordgewinne gelegt, argumentiert Verdi. Jetzt lasse man sich nicht mehr abspeisen.

Zuletzt hatte Lufthansa gestaffelt 6,7 Prozent mehr Geld bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte die Gewerkschaft zur Besonnenheit gemahnt. Streiks würden die Kunden treffen, "wir verärgern diejenigen, die Ihnen Arbeit geben", so Mayrhuber in einem Brief an die Mitarbeiter.

Auch im Tarifkonflikt mit den Piloten sind weitere Streiks nicht ausgeschlossen. Die Pilotengewerkschaft Cockpit verlangt ebenfalls ein besseres Gehaltsangebot von der Lufthansa.

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