Lufthansa klagt gegen Pilotenstreik

Frankfurt/Main - Während die Lufthansa gerichtlich gegen den Streik vorgeht, verursachten die Piloten massive Störungen, das große Chaos jedoch blieb aus. Die Passagiere waren gerüstet.

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Schon am ersten Tag ihres Arbeitskampfs haben die Lufthansa-Piloten massive Störungen im Luftverkehr der größten deutschen Airline verursacht. Das befürchtete große Chaos blieb am Montag aber zunächst aus. Zwar gab es bis zum späten Nachmittag keine genauen Angaben über die Anzahl der Annullierungen, doch ein zuvor aufgestellter Sonderflugplan sah nur 50 bis 60 Prozent der Flüge vor.

Zu dem Ausstand waren rund 4.000 Piloten aufgerufen. Der Streik begann um Mitternacht und war für insgesamt vier Tage geplant; es wäre der größte Streik der deutschen Luftfahrtgeschichte. Allerdings könnte eine Gerichtsentscheidung den Arbeitskampf schnell wieder beenden: Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main wollte noch am Montagnachmittag über Anträge der Lufthansa und ihrer Frachttochter Lufthansa Cargo auf Einstweilige Verfügungen gegen den Ausstand entscheiden.

Großes Chaos blieb aus

Die Situation an den Terminals war nach Angaben der Lufthansa relativ ruhig, weil sich die Passagiere im Vorfeld informiert hätten. Viele Reisende wichen auf zusätzliche Angebote der Deutschen Bahn aus. Die Streiks betrafen die Lufthansa, Germanwings sowie die Frachttochter Lufthansa Cargo.

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Derweil drohten auch die Flugbegleiter der Lufthansa mit Arbeitskampfmaßnahmen, falls sich das Unternehmen nicht bald zu ihren schon im Januar erhobenen Tarifforderungen äußere.

Zur Not würden die 16.000 Beschäftigten “möglicherweise schon in den kommenden Wochen Warnstreiks“ durchführen, erklärte die Unabhängige Flugbegleiter Organisation UFO.

“Eskalation nicht beenden“

Der Pilotenstreik verursachte massive Störungen im Luftverkehr.

Cockpit zeigte sich kämpferisch: Rund 500 Piloten demonstrierten am Vormittag vor dem Lufthansa-Gelände am Frankfurter Flughafen. Cockpit-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi sagte im Bayerischen Rundfunk: “Die vier Tage reichen offensichtlich noch nicht aus, um die Lufthansa in Bewegung zu versetzen, sich mit uns am Verhandlungstisch zu einigen.“ Er fügte hinzu: “Wir werden natürlich die Eskalation nach diesen vier Tagen nicht beenden, das heißt, wir werden natürlich weitere Streikmaßnahmen vorbereiten und die werden dann auch in der Länge und Dauer entsprechend ausgeweitet.“ Dennoch sei die Gewerkschaft offen für weitere Gespräche mit der Lufthansa. Vertreter des Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und der CDU äußerten sich derweil besorgt über mögliche negative Auswirkungen des Ausstands auf die Wirtschaft.

Juristischer Streit

Die Lufthansa erklärte, der Pilotenstreik sei unverhältnismäßig. Laut Frankfurter Arbeitsgericht bezeichnen Lufthansa und Lufthansa Cargo den Pilotenstreik als rechtswidrig, da die Streikforderungen bezogen auf die Tochter Lufthansa Italia mit Sitz in Mailand keine zulässigen Streikziele darstellten und weitere Streikforderungen ungekündigte Tarifverträge beträfen, die der Friedenspflicht unterlägen.

Der Chef der Cockpit-Tarifkommission, Thomas von Sturm, hatte solche Vorwürfe schon am Wochenende als völlig haltlos zurückgewiesen. Cockpit hatte vergangene Woche erklärt, dass keine Friedenspflicht mehr bestehe und auf die bereits seit längerem gekündigten Mantel- beziehungsweise Vergütungstarifverträge sowie die Urabstimmung verwiesen. Die Gewerkschaft will erreichen, dass die deutschen Tarifbedingungen auch für Flugzeugführer ausländischer Lufthansa-Töchter gelten. Damit soll die Verlagerung deutscher Arbeitsplätze ins Ausland verhindert werden, da immer mehr originäre Lufthansa-Strecken von diesen Töchtern geflogen würden. Dafür ist Cockpit auch zu einer Nullrunde bereit.

DAPD

Rubriklistenbild: © dpa

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