Lufthansa: Marathon in die Vergangenheit

- München - "Wir hätten das Flugzeug notfalls auseinander- und wieder zusammenbauen können", erzählte Margot von Engelmann-Rode. Dabei war sie vor 50 Jahren beim ersten Flug der Deutschen Lufthansa nach dem Zweiten Weltkrieg nicht Technikerin, sondern Stewardess. Vielleicht lag es ja auch an solchen Rundum-Talenten, dass die Fluggesellschaft nun zum Jubiläum frenetisch gefeiert wurde.

<P>Als "Erfolgsgeschichte, wie sie unser Land braucht", lobte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement die Lufthansa im Terminal 2 des Münchner Flughafens, wo die Linie ihren Festmarathon mit rund 700 Gästen beendete. Der hatte tags zuvor in Hamburg begonnen und gestern Nachmittag mit dem Sonderflug von Hamburg nach München in einer historisch lackierten Maschine seinen Höhepunkt erreicht. Schließlich war dies auch die Strecke, die am 1. April 1955 geflogen worden war.<BR><BR>Damals beschäftigte die Lufthansa 2000 Mitarbeiter. Daraus sind bis heute weltweit mehr als 93 000 geworden. "Das ist ein Musterbeispiel für weltwirtschaftliche Integration, Teilhabe an der Globalisierung und Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland", lobte Clement, der in der Lufthansa auch den Beweis dafür sieht, "dass Dienstleistungsqualität ,made in Germany weltweit zum Erfolgsmodell werden kann". Er begründete dies mit dem technischen Service der LH, den 450 Luftfahrtgesellschaften insbesondere für Wartung und Überholung in Anspruch nehmen. Clement ließ weiter Zahlen sprechen: In den letzten 15 Jahren habe die LH ihre Passagierzahlen von 20 auf 50 Millionen gesteigert und mit ihrem Streckennetz weltweit den zweiten Platz im Internationalen Luftverkehr eingenommen.<BR><BR>Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber fand "besonders bemerkenswert, dass die Lufthansa AG 60 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands erwirtschaftet, aber 85 Prozent ihres Personals in Deutschland beschäftigt". Die LH sei Dreh- und Angelpunkt des nationalen Luftverkehrs "und von dieser Branche hängen heute in Deutschland direkt und indirekt 750 000 Arbeitsplätze ab". Ohnehin sei diese "eine der wenigen Schlüsselindustrien, die noch ein erhebliches Wachstumspotenzial aufweist". Stoiber, der den Erdinger Flughafen als Hauptgrund dafür sieht, "warum Apple, Cisco, Microsoft, Oracle, Siemens und viele andere ihre Welt-, Europa- oder Deutschlandzentrale im Wirtschaftsraum München haben, versprach "den bedarfsgerechten Ausbau" des Airports und setzte sich - wie auch Clement - vehement für den Transrapid ein. Man müsse sich wieder begeistern für solche Ideen.<BR><BR>LH-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber verbarg nicht, dass die Fluglinie auch Turbulenzen zu überstehen hatte, was ihr - im Gegensatz zu Panam oder Eastern Airlines - gelang. Entscheidend sei dabei die globale Kooperation zwischen den Gesellschaften gewesen, bei der die LH mit der Gründung der Star Alliance vorangegangen sei. Für die Zukunft sieht Mayrhuber sein Unternehmen stark gefordert, denn "alles wird sich ändern: Kundenwünsche, Technologie und Strukturen der Industrie", weshalb die LH First Class Terminals errichte oder einen Private Jet Service gründe. Der Erfolgsgarant schlechthin, so Mayrhuber, sei die Qualität, für die die Lufthansa bürge. Dies hat übrigens schon der gestrenge englische Fluglehrer attestiert. Er bescheinigte seinem Schüler, dem späteren Lufthansa-Chefpiloten Martin Gaebel: "Your flying is not too bad." (Sie fliegen gar nicht so schlecht.)<BR>Künftig können auch ganz normale Fluggäste an Bord des historisch lackierten Airbus A321 kommen, mit dem die Lufthansa ihren Jubiläumsflug absolvierte. Der Zweistrahler mit dem Taufnamen Weimar ist künftig auf Strecken der Lufthansa in ganz Deutschland und dem europäischen Ausland im Einsatz. Im Inneren fehlen allerdings die historischen Korbsessel - das Interieur entspricht dem aktuellen Standard der Lufthansa.<BR><BR>Bei den Landungen in Düsseldorf und München wurde der Retro-Airbus wie ein Star empfangen. Die Flughafenfeuerwehren begrüßten die Maschine mit gigantischen Wasserfontänen. Flughafenarbeiter, Bodenpersonal und zahlreiche Flugzeug-Begeisterte standen Spalier und winkten.</P>

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