Luftverkehr

Lufthansa-Piloten nehmen Kurs auf Streik

München –Die Lufthansa-Piloten machen ernst: Nach mehreren mageren Jahren wollen sie für deutlich mehr Geld einen Streik riskieren. Am Dienstag lief die Urabstimmung an.

Wenn die Piloten einer wichtigen Fluggesellschaft in Europa ihre Arbeit niederlegen, steht der halbe Kontinent still. Das macht nachhaltig Eindruck. Man hat das Gefühl, dass fast immer gerade irgendwelche Piloten im Ausstand sind. Für den Ruf der streikfreudigen Flugkapitäne hat die Vereinigung Cockpit (VC) gesorgt. Sie tritt erst seit 2000 als Pilotengewerkschaft auf, und konnte nach einem mehrtägigen Streik im Mai 2001 ihre damaligen Forderungen weitgehend durchsetzen. Später hat die VC immer wieder einmal gedroht. Aber in Wahrheit gab es nur einen einzigen weiteren Piloten-Streiktag gegen die Kranich-Linie. Das war der 22. Januar 2010. Der ursprünglich für vier Tage angesetzte Arbeitskampf wurde gleich am ersten Abend bereits wieder abgeblasen.

Heuer könnte es ähnlich ausgehen. Obwohl ein Tarifabschluss seit April 2012 aussteht, nimmt sich die Pilotengewerkschaft zur Streikvorbereitung ungewöhnlich viel Zeit. Gestern begann die Urabstimmung. Das ist ein Vorgang, der meist nach einem oder wenigen Tagen abgeschlossen ist. Das Ergebnis will die VC erst in mehr als sechs Wochen verkünden, am 21. März.

Das klingt nicht gerade nach Kampfansage: Genug Zeit, um an den Verhandlungstisch zurückzukehren, ist das Signal. Auch die Lufthansa sprach gestern von einer möglichen Einigung. Dabei ist man bei den Vorstellungen noch weit auseinander. 5,2 Prozent für 2012 fordern die Piloten und noch einmal 4,6 für 2013. Die Lufthansa hat insgesamt drei Prozent angeboten – also weniger als die Inflation seit April 2012 geschluckt hat. Und sie hat noch ein Druckmittel auf den Verhandlungstisch gelegt: Ende 2013 hat sie den Übergangstarifvertrag gekündigt.

Dieser Vertrag ermöglicht es Piloten, die sich nicht mehr fit genug fühlen, bereits mit 55 Jahren in den Ruhestand zu gehen – bei 60 Prozent ihrer Brutto-Bezüge. Üblich bei der Lufthansa waren bisher 60 Jahre. Spätestens mit 65 Jahren müssen Piloten ihre Lizenz ohnehin abgeben. Die Versorgung der Frühpensionisten ist für die Lufthansa teuer. Doch andererseits spart sie sich die höchsten Gehälter. Ein junger Erster Offizier (Copilot), steigt mit einem Jahresgehalt von rund 60 000 Euro ein, von dem er die Ausbildung abstottern muss. Ein erfahrener Flugkapitän an der Schwelle zum Rentenalter kann bis auf 250 000 Euro kommen.

Viel Geld. Doch seit ihrem spektakulären Anfangserfolg hat die VC nicht mehr viel bewegt. Immer war sie mit Gegenforderungen konfrontiert gewesen und schluckte Kröten: Beschäftigungssicherung für den Verzicht auf Tarifsteigerungen. Schnell verpuffende Einmalzahlungen dafür, dass die Lufthansa auf geplante Auslagerungen in billigere Tochtergesellschaften verzichtete. Diesmal geht es neben dem Vorruhestand auch noch um den Verzicht auf eine Beförderungsstufe.

Doch die VC will in dieser Auseinandersetzung hart bleiben und mehr als einen Inflationsausgleich herausholen (siehe Interview). Allerdings könnte sie bei der Laufzeit eines Tarifvertrags Abstriche machen. Bei den geforderten 24 Monaten wäre der Tariffriede 2014 bereits im April dieses Jahres wieder vorbei.

Martin Prem

Rubriklistenbild: © dpa

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