Lufthansa: Piloten streiken weiter

Frankfurt - Die Gewerkschaft Verdi gibt sich kämpferisch und will mit weiteren Warnstreiks bei der Lufthansa-Tochter CityLine den Konzern an den Verhandlungstisch zwingen. Der jedoch sieht dazu keine Veranlassung und kündigt rechtliche Konsequenzen an.

Bis zu 500 Regionalflüge zu allen wichtigen Flughäfen Europas absolviert die CityLine täglich und befördert dabei vor allem Geschäftsreisende. In nächster Zeit könnten deren Flug- und damit Terminpläne durcheinandergeraten, denn die Gewerkschaft Verdi will mit Arbeitsniederlegungen für die 750 Cockpit-Beschäftigten eine Angleichung der Gehälter und Arbeitsbedingungen an den Mutterkonzern durchsetzen. Und auch die Vereinigung Cockpit (VC) kündigte gestern mögliche Streiks an und übt Kritik an der Konkurrenz-Gewerkschaft.

Erste Verdi-Warnstreiks hat es schon gegeben, weitere sollen "in allerkürzester Zeit" folgen, kündigt Verdi-Tarifsekretär Ingo Kronsfoth an. Und die sollen dann auch ein weitaus größeres Ausmaß haben.

"Die Lufthansa-Geschäftsführung ist nicht bereit, mit uns zu verhandeln", sagt Kronsfoth, daher habe man sich zum Streik entschlossen. Diese starre Haltung nimmt der Konzern auch weiterhin ein: "Verdi ist nicht unser Ansprechpartner", stellt Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow klar. Man werde weder jetzt noch in Zukunft mit ihr verhandeln: "Unser Tarifpartner ist die Vereinigung Cockpit". Hier sei auch die große Mehrheit der CityLine-Beschäftigten organisiert - das betont auch Thorsten Gommert, Verhandlungsführer der VC: Von insgesamt 10 000 Berufspiloten seien 8500 bei der VC organisiert. "Es ist ein absolutes Novum, dass Verdi versucht, in diesem Bereich an den Tarif-Tisch zu kommen", merkt Gommert an.

"Verdi will einen Kampf unter den Gewerkschaften anzetteln und die bestehende Tarifeinigung torpedieren", urteilt Lufthansa-Sprecher Jachnow und droht: "Wir behalten uns vor, rechtliche Konsequenzen zu ziehen."

So will sich Verdi nicht verstanden wissen: "Eine zunehmende Anzahl von Piloten fühlt sich von der VC nicht ordentlich vertreten", erklärt Kronsforth die Ambitionen. Die VC würde sich zu stark auf das sehr viel größere Geschäftsfeld "Lufthansa Passage" konzentrieren.

Bis zu 45 Prozent Unterschied bestehe laut Kronsfoth zwischen den Gehältern der Piloten der "Passage" und der CityLine. Zusätzlich haben diese mit 210 Stunden im Monat eine 30 Stunden längere Flugdienstzeit und mit neun Tagen drei Tage im Monat weniger frei. "Ein Co-Pilot bekommt bei CityLine ein Anfangs-Gehalt von rund 3600 Euro brutto", rechnet der Tarifsekretär vor, "bei Passage verdienen sie über 1000 Euro mehr".

"Hier gibt es durchaus einen deutlichen Abstand", sagt auch Thorsten Gommert, Verhandlungsführer der VC. Seine Gewerkschaft habe ihrerseits deswegen bereits Gespräche mit der Lufthansa geführt - "im Gegensatz zu Verdi sind wir als Tarifpartner anerkannt", so Gommert ­, diese seien aber vor wenigen Tagen gescheitert. Derzeit berate die Tarifkommission der VC, ob sie ihrerseits zu Warnstreiks aufrufen soll.

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