Luftverkehr

Lufthansa setzt auf Billig und Luxus

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Frankfurt – Die Lufthansa will ihr Billigflieger-Angebot ausbauen und gleichzeitig mehr Luxus bei der Kernmarke bieten. Mit dieser Doppelstrategie soll die Airline wieder profitabler werden.

Der Konkurrenzdruck im Luftverkehr steigt. Billigflieger und staatlich gestützte Luxus-Airlines aus dem Nahen Osten machen der Lufthansa die Kundschaft streitig. Die Antwort der größten Fluggesellschaft Europas ist eine Doppelstrategie. Zum einen soll das Angebot an günstigen Flügen stark ausgebaut werden. Gleichzeitig soll die Kernmarke zur Fünf-Sterne-Airline aufsteigen und so Emirates, Etihad und Co. die Stirn bieten.

Das Konzept von Lufthansa-Chef Carsten Spohr klingt zunächst schlüssig. Das findet auch Jörg Handwerg, Lufthansa-Pilot und Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit. „Die Musik spielt aber im Detail“, sagt er. Ebenso wie die Kabinengewerkschaft UFO will Cockpit die Pläne – insbesondere zu zwei neuen Billigfluglinien – in den kommenden Wochen genau unter die Lupe nehmen. Denn es besteht Klärungsbedarf.

Es sei grundsätzlich vernünftig, die Kernmarke Lufthansa aufzuwerten und mit der Wings-Familie auf eine Zweimarkenstrategie zu setzen, wenn dabei prekäre Arbeitsverhältnisse vermieden werden, sagt Nicoley Baublies, Chef der Kabinengewerkschaft UFO. Es sei allerdings unabdingbar, dass die Kabinencrews der Billigtöchter in Deutschland oder den anderen Heimatmärkten des Konzerns stationiert werden und hiesigem Tarifrecht unterliegen, verlangt Baublies.

Für die Gewerkschaften geht es hier um Stellen, für die Lufthansa um Personalkosten. Lufthansa hatte zuvor angekündigt, ihre Billigtochter Germanwings zu einer „Wings-Familie“ auszubauen. Konkret soll die Tochtergesellschaft Eurowings ab kommendem Frühjahr in Europa zu einem zweiten Billig-Anbieter neben Germanwings werden. 23 Flugzeuge sollen von Deutschland und Flughäfen in der Schweiz, Österreich und Belgien Ziele in Europa anfliegen. Los geht es in Basel.

Zudem kündigte Lufthansa-Chef Spohr Pläne für eine neue – bisher namenlose – Billigmarke für Langstreckenflüge an, die Ende 2015 an den Start gehen soll. Im Fokus steht dabei unter anderem der Flughafen München, angeflogen werden sollen vor allem Urlaubsziele. Es werde geprüft, ob Lufthansa das Angebot im Alleingang oder mit einem Partner auf den Markt bringen werde, kündigte Spohr an. Es gebe bereits fortgeschrittene Gespräche mit Turkish Airlines. Die Lufthansa baut dabei auf den gemeinsamen Ferienflieger Sunexpress. Das Gemeinschaftsunternehmen, dessen Maschinen bisher vor allem zwischen Deutschland und der Türkei unterwegs sind, solle künftig auch Langstreckenflüge anbieten, ergänzte gestern ein Lufthansa-Sprecher.

Experten zweifeln allerdings daran, dass die Billig-Strategie aufgeht. Der Markt für Billigflieger innerhalb Europas ist eng. Es gebe kaum unbesetzte Strecken, so eines der Argumente. Der Bedarf ist gedeckt. Auf der Langstrecke sind Billigflieger nicht rentabel, heißt es außerdem. 50 Prozent machen hier die Treibstoffkosten aus, bleibt nur, kräftig am Service zu sparen. Ob das beim Kunden ankommt, werde sich zeigen.

Die geplante Premium-Offensive, der zweite Teil von Spohrs Doppelstrategie, wird dagegen voraussichtlich gut ankommen. Lufthansa soll die erste westliche Airline mit einem Fünf-Sterne-Prädikat des Skytrax-Portals werden, das bisher nur asiatische und arabische Fluggesellschaften tragen. Die Qualität soll verbessert, der Service mehr personalisiert werden, heißt es.

Sichtbar für die Passagiere werden die neuen Standards unter anderem in der neuen Business-Class. Neue Sitze lassen sich per Knopfdruck zu einem Bett mit einer 1,98-Meter langen Liegefläche umwandeln. Bis Ende 2015 ist die komplette Flotte damit ausgestattet. Auch eine neue Klasse – zwischen Business und Economy angesiedelt – wird bis Ende 2015 in der gesamten Interkontinental-Flotte eingeführt: die Premium-Economy-Class. Eingebaut werden unter anderem breitere Sitze mit größeren Abständen zum Nachbarn. Auch Bestandteile der Qualitäts-Offensive: Besseres Catering in der Business-Class und mehr Komfort beim Premium-Check-in in Frankfurt und München.

Manuela Dollinger (mit dpa)

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