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Bevölkerungs-Wut über Lufthansa-Streik? Verdi-Chef berichtet von Morddrohungen bei letztem Konflikt

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Von: Astrid Theil

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Am Freitag streicht die Lufthansa wegen eines Pilotenstreiks beinahe alle Flüge von und nach Frankfurt am Main sowie München. Die Auswirkungen werden noch tagelang spürbar bleiben.

Update vom 3. September, 13.00 Uhr: Nach dem Warnstreik der Lufthansa-Piloten am Freitag (2. September) läuft der Betrieb am Frankfurter Flughafen nach Angaben einer Sprecherin wieder stabil. Es seien insgesamt sieben Langstreckenflüge auf den Samstag verlegt worden. Dies führte am letzten Ferienwochenende in Hessen und einigen anderen Bundesländern zu einem zusätzlichen Passagieraufkommen. „Bis in die Mittagsstunden kann es zu leicht erhöhten Wartezeiten kommen“, sagte die Sprecherin. Der Betrieb auf dem größten deutschen Verkehrsflughafen laufe aber insgesamt wieder normal.

Um Mitternacht war der Pilotenstreik planmäßig zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ hatte den Arbeitskampf von vornherein auf 24 Stunden begrenzt. Nach der Absage von mehr als 800 Flügen am Freitag will Lufthansa nach eigenen Angaben ihren Flugplan am Samstag möglichst vollständig abfliegen. Am Freitagabend teilte Lufthansa mit, dass es voraussichtlich keine Flugausfälle geben werde - Verspätungen seien aber möglich.

Lufthansa-Streiks: Verdi-Chefs beklagt gewerkschaftsfeindliche Stimmung

Update vom 2. September, 6.30 Uhr: Zu Beginn des Pilotenstreiks hat Verdi-Chef Frank Werneke eine zunehmend gewerkschaftsfeindliche Stimmung bei Tarifauseinandersetzungen in der Luftverkehrsbranche beklagt. Beim vergangenen Tarifkonflikt für das Lufthansa-Bodenpersonal sei es stellenweise sogar zu Morddrohungen gekommen, sagte Werneke der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag).

Er akzeptiere Kritik an seiner eigenen Person, betonte der Verdi-Chef. Im Rahmen des Tarifkonflikts bei der Lufthansa sei jedoch in Teilen der Öffentlichkeit versucht worden, ein Klima zu erzeugen, in dem das Grundrecht auf Streiks angegriffen worden sei. „Ich empfand es als sehr bedrückend, dass Menschen, die auf unserer Seite in dem Lufthansa-Streik Verantwortung übernommen haben, bedroht wurden“, sagte der Verdi-Chef. Verdi hatte Ende Juli mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der Lufthansa fast komplett lahmgelegt. Mit einem weit überdurchschnittlichen Tarifabschluss legte die Lufthansa den Tarifkonflikt dann bei. Das Ergebnis beinhaltete einen Inflationsausgleich und zusätzlich eine Reallohnerhöhung.

An diesem Freitag wollen die Piloten der Lufthansa mit einem ganztägigen Streik den Flugbetrieb ihres Unternehmens lahmlegen (siehe Erstmeldung). Der Ausstand begann offiziell nach Mitternacht, einige Flüge mussten jedoch schon am Donnerstag gestrichen werden. Der Konzern warnte, dass es auch am Samstag und Sonntag noch zu „einzelnen Flugausfällen oder Verspätungen“ kommen könne.

Lufthansa-Streik startet am Freitag zum Ende der Schulferien

Erstmeldung vom 1. September: Frankfurt/Main – Die Lufthansa streicht wegen des angekündigten Pilotenstreiks am Freitag nahezu ihr komplettes Programm. Es fallen an den Drehkreuzen München und Frankfurt rund 800 Flüge mit voraussichtlich 130.000 betroffenen Passagieren aus, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Der ganztägige Streik führe zu starken Auswirkungen auf den Flugbetrieb in der Hauptrückreisezeit zum Ende der Schulferien in mehreren Bundesländern. Auch am Donnerstag sowie am Samstag und Sonntag könne es zu Flugausfällen kommen. Die Gesellschaften Eurowings und Eurowings Discover sind von dem Streikaufruf nicht betroffen und sollen planmäßig fliegen. Auch Lufthansa-Flüge von nicht-deutschen Startpunkten finden statt, sofern Flugzeuge und Crews bereits im Ausland sind.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat die Piloten der Kerngesellschaft wie auch der Frachttochter Lufthansa Cargo zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann forderte die VC zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Er sagte laut Mitteilung: „Uns fehlt jedes Verständnis für den Streikaufruf der VC. Die Arbeitgeberseite hat ein sehr gutes und sozial ausgewogenes Angebot gemacht – trotz der nachwirkenden Lasten der Corona-Krise und unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft.“ Die Eskalation gehe zulasten Tausender Kunden und Kundinnen.

Laut Lufthansa würden die Forderungen der VC die Personalkosten im Cockpit um 40 Prozent erhöhen. Zuletzt habe das Unternehmen eine Erhöhung der monatlichen Grundvergütung um pauschal 900 Euro angeboten. Bezogen auf die Laufzeit von 18 Monaten würde das Zuwächse von 18 Prozent für Berufsanfänger und 5 Prozent für Kapitäne in der Endstufe ergeben, teilte die Lufthansa mit. Ein Berufsanfänger käme dann unabhängig vom Flugzeugtyp auf ein Jahresbruttogehalt von rund 81.000 Euro und ein Kapitän in der Endstufe auf knapp 289.000 Euro Grundgehalt.

Lufthansa: Konflikt wegen Gehältern und Konzernstrategie

Die VC hatte neben 5,5 Prozent mehr Geld in diesem Jahr einen automatisierten Ausgleich oberhalb der Inflation ab 2023 verlangt. Dazu kämen eine neue Gehaltstabelle sowie mehr Geld für Krankheitstage, Urlaub und Training. Auf eine Laufzeit von zwei Jahren würde das eine Mehrbelastung von 900 Millionen Euro bedeuten, erklärte die Lufthansa. Die VC wollte sich zu diesen Zahlen nicht äußern.

„Um Arbeitskämpfe abzuwenden, muss Lufthansa ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen“, erklärte VC-Tarifchef Marcel Gröls. Offizieller Anlass des Arbeitskampfes sind die aus Sicht der Gewerkschaft gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag. Im Hintergrund schwelt zudem ein Konflikt über die Konzernstrategie.

Die VC hatte sich in der Vergangenheit die Zahl von 325 Flugzeugen garantieren lassen, die ausschließlich von den rund 5000 Kapitänen und Ersten Offizieren geflogen werden durften, die dem Konzerntarifvertrag unterlagen. Die Lufthansa hatte diese Vereinbarung unter dem Eindruck der Corona-Krise gekündigt, sich nun aber bereit gezeigt, die Flottengarantie wiederzubeleben. In welcher Größenordnung blieb unklar. (lma/dpa/AFP)

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