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Bitte recht freundlich: Flugbegleiter sind vom Einstieg bis zum Ausstieg für die Passagiere an Bord zuständig – egal ob es um Getränke oder die Sicherheit geht.

Interview mit der Kabinenchefin

3000 Bewerber! Ansturm bei der Lufthansa

München - Die Lufthansa sucht Stewardessen und Stewards – etwa 400 in Frankfurt, mehr als 100 in München. Wir sprachen mit der Kabinenchefin der Lufthansa München über alte Klischees und neue Anforderungen.

Ein Arbeitsplatz über den Wolken – heute New York, morgen Shanghai: Trotz Billigfliegern und Massenabfertigung ist Flugbegleiter für viele immer noch ein Traumjob. Die Lufthansa sucht momentan Stewardessen und Stewards – etwa 400 in Frankfurt und mehr als 100 in München. Wir haben mit Heike Birlenbach, Kabinenchefin der Lufthansa München, über alte Klischees und neue Anforderungen gesprochen.

Die Lufthansa stellt erstmals seit eineinhalb Jahren in München Flugbegleiter ein. Woher kommt der gestiegene Bedarf?

Er hat verschiedene Gründe. Die Fluggastzahlen in München steigen. Wir wachsen und die Flugzeuge werden größer. In München ersetzen wir den Airbus A340-300 im nächsten Jahr durch den A340-600. Statt elf brauchen wir dann 14 Flugbegleiter auf jedem Flug. Aber auch unser Angebot wird sich nächstes Jahr etwas verschieben. Strecken werden aufgestockt, vielleicht kommen auch neue dazu. Aber der Flugplan für 2014 steht noch nicht.

Interessenten können sich seit einer Woche bewerben. Wie viele Bewerbungen sind eingegangen?

Für München und Frankfurt rund 3000. Aber wir sind erst am Anfang und nehmen weiterhin Bewerbungen an.

Werden die Flugbegleiter bei Lufthansa oder Germanwings angestellt?

Die Flugbegleiter werden direkt bei der Lufthansa angestellt. Sie bekommen einen Teilzeitvertrag, der zunächst auf zwei Jahre befristet ist. Die Mitarbeiter sind ganzjährig beschäftigt, Gehalt und Sozialversicherung zahlt Lufthansa durchgängig über zwölf Monate. Die Flugbegleiter arbeiten aber nur von April bis Oktober Vollzeit. Die restlichen sechs Monate sind sie freigestellt und können anderen Tätigkeiten nachgehen. Sie haben die Möglichkeit, andere Jobs anzunehmen oder die Welt zu bereisen. Denn nach sechs Monaten kann man vergünstigt fliegen. Dieses Jahresarbeitszeit-Modell ist neu, um in den Sommermonaten den erhöhten Personalbedarf abzudecken.

Auf welchen Strecken werden die neuen Flugbegleiter eingesetzt?

Die neuen Mitarbeiter fliegen von Anfang an im weltweiten Streckennetz – zum Beispiel New York, Tokio, Peking, Shanghai, Hongkong, Sao Paulo. 70 Prozent Langstrecke, 30 Prozent Kurzstrecke.

Wie viel verdient man bei diesem Jahresarbeitszeit-Modell?

Die Bezahlung beträgt monatlich 925 Euro brutto auch in den arbeitsfreien Monaten. In der aktiven Phase kommen einige Zulagen und Spesen dazu, so dass man etwa auf 1600 Euro im Monat kommt.

Wer bewirbt sich heute als Flugbegleiter?

Es ist eine bunte Mischung. Unter den Bewerbern sind Studenten und Abiturienten, aber auch Interessenten mit abgeschlossener Berufsausbildung. Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung sind bei uns Voraussetzung.

Sind unter den Bewerbern viele Männer?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Die Bewerbungsphase läuft noch. Aber grundsätzlich steigt die Zahl an männlichen Flugbegleitern. Unter den 4500 Flugbegleitern bei der Lufthansa München sind etwa 20 Prozent männlich.

Der Job als Flugbegleiter ist mit einigen Klischees behaftet. Manche sind nicht unbedingt nett – die „Saftschubse“ zum Beispiel. Reicht denn eine ruhige Hand und ein nettes Lächeln, um ein guter Flugbegleiter zu werden?

Nein. Die Anforderungen sind hoch. Es zählen eine ausgeprägte Serviceorientierung, Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit. Mitarbeiter müssen bei uns fließend Deutsch und Englisch sprechen. Außerdem sollte man ein Interesse an unterschiedlichen Kulturen mitbringen.

Wie sieht das Auswahlverfahren aus?

Interessenten bewerben sich unter www.be-lufthansa.de. Kommt man in die nähere Auswahl, folgt ein Telefoninterview. Die dritte Hürde ist ein Eignungstest. Wer den besteht, durchläuft eine 12-wöchige Schulung. Die ersten Kurse beginnen bereits im Dezember. Dann geht es los.

Hat sich der Job in den letzten Jahren verändert?

Ja. Die Gäste sind flugerfahrener und man hat mit vielen Kulturen zu tun. Jeder Passagier hat andere Ansprüche, auf die wir eingehen wollen, damit er sich an Bord wohlfühlt. Bei einem japanischen Fluggast muss man zum Beispiel genau darauf achten, wie man das Essen serviert. Wo stelle ich die Misosuppe hin? Wo liegen die Stäbchen? Da muss alles seinen Platz haben – anders als bei einem Europäer. Die Flugbegleiter erhalten hierzu Trainings.

Ist die Fluktuation bei den Flugbegleitern groß?

Die Fluktuation ist im Vergleich zu anderen Unternehmen sehr gering. Bei Lufthansa sind viele Flugbegleiter beschäftigt, die ihre Arbeit an Bord als Berufung sehen.

Interview: Manuela Dollinger

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