Konkurrenz für Billig-Airlines

Lufthansa verordnet sich Radikalkur

Köln - Die zuletzt durch hohe Kerosinpreise und sinkende Gewinne gebeutelte Lufthansa geht in die Offensive und will Billig-Airlines Konkurrenz machen.

Mit einem „Low-Cost-Flieger 3.0“ will Deutschlands größte Fluggesellschaft ab Mitte nächsten Jahres den Billig-Airlines wie Ryanair oder Easyjet Kunden abjagen. Dazu will der Konzern seine Billigmarke Germanwings drastisch aufwerten.

Die „neue Germanwings“ soll in Zukunft unter dem Motto „Günstig, aber nicht billig“ alle Europaverbindungen der Lufthansa außerhalb der Drehkreuze Frankfurt am Main und München übernehmen, wie Konzernchef Christoph Franz am Donnerstag in Köln ankündigte. Die klassischen Lufthansa-Maschinen mit dem Kranich werden künftig nur noch die Langstrecken-Verbindungen und die beiden Drehkreuze bedienen.

Die Lufthansa hofft, dadurch auf diesen chronisch defizitären Strecken wieder in die Gewinnzone fliegen zu können. Zuletzt fielen hier Verluste in dreistelliger Millionenhöhe an. Ziel sei es, 2015 in diesem Bereich wieder schwarze Zahlen zu schreiben, sagte Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr

Dazu will sich die Lufthansa an der Quadratur des Kreises versuchen, wie Germanwings-Chef Thomas Winkelmann einräumte. Die Fluggesellschaft will im gleichen Flugzeug sowohl die Ansprüche von Geschäftsreisenden als auch von Schnäppchenpreis-Jägern erfüllen. Mit dem Billig-Tarif „Basic“ soll auch weiterhin bei Germanwings ab 33 Euro geflogen werden können.

Lufthansa versucht Quadratur des Kreises

Ein Flug im gleichen Flieger in der hauptsächlich für Geschäftsreisende gedachten Kategorie „Best“ soll dagegen bis zu 399 Euro kosten. Dafür bietet das Luxus-Ticket Annehmlichkeiten wie den Zugang zu Lufthansa-Lounges und einen Priority-Check-in an den Warteschlangen vorbei sowie mehr Platz im Flieger. Dazwischen gibt es noch das Angebot „Smart“, das mit 23 Kilogramm Freigepäck und kostenlosen Snacks dem klassischen Economy-Tarif entspricht.

Die Umstellung der Lufthansa-Europaverbindungen auf die Marke Germanwings soll schrittweise bis Ende 2015 geschehen. Dann soll die Lufthansa-Tochter mit 90 Maschinen jährlich rund 20 Millionen Passagiere zu 110 verschiedenen Zielen transportieren.

Franz betonte, angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Low-Cost-Carrier in Europa und die hohen Kerosinpreise habe die Lufthansa nur zwei Optionen gehabt. Der Konzern hätte sich aus der Fläche zurückziehen und die europäischen Direktverbindungen abseits der Drehkreuze Frankfurt und München einstellen können, oder musste die Kosten dort drastisch senken.

Durch die Umstellung der Europaflüge auf Germanwings will der Konzern nun die Kosten um gut 20 Prozent senken und bis 2015 eine Ergebnisverbesserung um 200 Millionen Euro erreichen. Voraussetzung sei aber, dass das günstige Kostenniveau bei Germanwings erhalten bleibe, sagte Franz mit Blick auf die laufenden Tarifverhandlungen. Hier müssten auch die Beschäftigten einen Beitrag leisten, damit die Strecken im Lufthansa-Netz erhalten werden können.

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Eschborn (dpa) - Wegen der kühlen Witterung in den Wintermonaten des Jahres 2016 mussten viele Haushalte in Mehrfamilienhäusern laut einer Analyse mehr heizen als im …
Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Der Bund erwartet eine EU-Quote für Elektroautos - doch das ächzende deutsche Stromnetz ist auf eine massenhafte Verbreitung von E-Mobilen gar nicht vorbereitet. Eng …
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer
Damit die Luft in Städten besser wird, sollen alte Diesel runter von der Straße - das war ein Ergebnis des Dieselgipfels. Autobauer bieten Prämien für Kunden, die sich …
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer
Machnig zu Wöhrl-Angebot: Air Berlin braucht mehrere Partner
Der Bund hält nichts von einer Komplett-Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch den Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl.
Machnig zu Wöhrl-Angebot: Air Berlin braucht mehrere Partner

Kommentare