Lufthansa-Konkurrenten verzichten auf Kerosin-Zuschlag

- Frankfurt/Main - Auch nach der Ankündigung eines Kerosin-Zuschlags durch die Lufthansa wollen zahlreiche Fluggesellschaften in Deutschland auf einen Aufschlag verzichten. Begründet wurde dies zum Teil mit einer Absicherung des Treibstoff-Einkaufs an den Märkten.

<P>Ein weiterer Grund ist aber auch die Wettbewerbssituation in Deutschland, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Dienstag ergab. Einige Gesellschaften wollen die Entwicklung weiter abwarten.</P><P>Die Lufthansa hatte am Montagabend mitgeteilt, sie werde wegen der hohen Ölpreise vom 24. August an einen Zuschlag erheben. Die Ticketpreise für innerdeutsche und innereuropäische Flüge erhöhen sich um zwei Euro pro Strecke. Für Langstreckenflüge beträgt der Zuschlag sieben Euro pro Strecke. Zum 1. Juli hatte die Lufthansa die Interkontinentalflüge wegen der Kerosinpreise bereits um drei Prozent verteuert. Europäische Lufthansa-Konkurrenten wie Air France und British Airways haben ebenfalls Zuschläge eingeführt.</P><P>Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin will dagegen keinen Aufschlag erheben. "Wir planen keine Preiserhöhung und keinen Kerosinzuschlag", sagte Sprecher Peter Hauptvogel. Wie bei anderen Airlines seien vor zwei Monaten für den Winterflugplan sechs bis neun Euro Preiserhöhung gegenüber den Veranstaltern durchgesetzt worden. Im Einzelplatzverkauf würden aber weiterhin mindestens zehn Prozent der Plätze für 29 Euro angeboten.</P><P>Die Düsseldorfer LTU erhebt zwar keinen Kerosinzuschlag. Die Preise seien aber zum 1. November um drei bis fünf Euro auf der Kurz- und Mittelstrecke und um 16 Euro auf der Langstrecke angehoben worden, sagte Sprecher Marco Dadomo. Dies seien vor allem Auswirkungen des hohen Kerosinpreises. LTU hatte vergangenes Jahr 5,8 Millionen Passagiere.</P><P>Bei der Münchner Fluggesellschaft dba ist ein Kerosinzuschlag kein Thema. "Wir erheben keinen Ölpreiszuschlag und planen das auch nicht", sagte Sprecher Matthias Andreesen. Er verwies darauf, dass die dba zu 95 Prozent innerdeutsch fliegt und die Flugzeit im Schnitt nur 50 Minuten beträgt. Daher sei hier der Kerosinpreis von weniger Bedeutung als bei Flügen etwa ans Mittelmeer. Die Preise bei dba liegen zwischen 15 und 175 Euro. Sie erwartet 2004 rund drei Millionen Fluggäste.</P><P>Der zum TUI-Konzern gehörende Ferienflieger Hapag Lloyd Flug wird ebenfalls keinen Kerosinzuschlag erheben. Dies gelte zumindest für die kommende Wintersaison. Ein Großteil des Kerosins sei an den Finanzmärkten abgesichert worden, sagte Sprecherin Susanne Stünckel in Hannover. Der Ferienflieger hatte 2003 rund 6,7 Millionen Fluggäste. Auch bei der Thomas-Cook-Flugtochter Condor mit rund 6,5 Millionen Passagieren im vergangenen Geschäftsjahr (31. Oktober) ist im Moment kein Kerosin-Zuschlag geplant, sagte Sprecherin Nina Dumbert.</P><P>Der Billigflieger Germanwings, an dem die Lufthansa über die Muttergesellschaft Eurowings zu 49 Prozent beteiligt ist, plant derzeit keinen Zuschlag. Ein großer Teil des Kerosineinkaufs sei abgesichert, allerdings werde der Markt weiter beobachtet, sagte Sprecher Heinz-Joachim Schöttes in Köln. Germanwings erwartet dieses Jahr 3,5 Millionen Passagiere.</P><P>Der Billigflieger Germania Express will den Markt zunächst noch weiter beobachten, eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden, sagte Sprecherin Claudia Löffler in Hannover. Bei Germania Express kosten die Tickets unabhängig vom Buchungszeitpunkt 77 bis 111 Euro, in Ferienzeiten allerdings mehr. Im Geschäftsjahr bis Ende Oktober will die Gesellschaft 1,42 Millionen Passagiere befördern.</P><P>Im europäischen Ausland denkt Air France über einen weiteren Zuschlag nach. Noch sei aber nichts entschieden, hieß es am Dienstag in Paris. Bei der polnischen LOT und der spanischen Iberia wird "zurzeit" kein Aufschlag erwogen. Auch die österreichische AUA will im Augenblick nichts verändern. Sie kassiert seit 24. Mai einen Zuschlag von sechs Euro. KLM, SAS, Swiss und die ungarische Malev hatten bereits vor einigen Wochen Zuschläge eingeführt und planen derzeit keine weiteren Erhöhungen.</P>

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