Lufthanseat aus Leidenschaft

- München ­- Wolfgang Mayrhuber ist in seinem Element: Es ist der Eröffnungsflug der Lufthansa-Strecke von München nach Seoul in Südkorea ­ und Mayrhuber schlendert glänzender Laune durch die Gänge des Airbus-Flugzeugs. Er schüttelt Hände von Passagieren, hält freundliche kleine Pläuschchen mit Geschäftsreisenden wie Urlaubern.

Dabei trifft der gebürtige Österreicher auf einen Landsmann. Mayrhuber lässt sich erzählen, für welche Firma der Vielflieger in den boomenden Tigerstaat reist und wie die Geschäfte laufen. Der Mann fragt zurück: "Und was machen Sie so?" "Ich bin der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa", raunt Mayrhuber dem verdutzten Fluggast zu.

Der Lufthansa-Chef lächelt unverdrossen weiter auf seiner Werbetour für die neue Flugverbindung, die München künftig dreimal in der Woche mit den beiden größten Städten Südkoreas, Seoul mit über 10 Millionen und Busan mit 3,7 Millionen Einwohnern, verbindet. Lächelt, als im Flughafen von Busan allerlei Reden auf Koreanisch gehalten und Sushi nebst Leberkäs und Brezen gereicht werden, lächelt beim mehrgängigen Mittagessen mit Vize-Präsident Mr. Min und anderen Managern von Hyundai, die schließlich Zielgruppe der neuen Verbindung nach München sind: Und er scheint nicht zu lächeln, weil das zum Job gehört, sondern weil er Lufthansa-Chef aus Leidenschaft ist.

Er habe beruflich nie was anderes gewollt, als in die Fliegerei zu gehen, bestätigt der gelernte Ingenieur. Ob ihn der Spaß an der Sache dafür entschädigt, dass er der am wenigsten gut bezahlte Vorstandschef eines Dax-Unternehmens ist, will er nicht sagen. Dafür gibt er über neue Strecken, den Flughafen München und seinen Ausbau und über die Konkurrenz zwischen München und Frankfurt gegenüber unserer Zeitung gerne Auskunft.

Die neue Strecke der Lufthansa stärkt auch den Standort München. Welche Bedeutung hat dieses zweite Drehkreuz nach Frankfurt für Ihr Unternehmen?

Mayrhuber: Eine enorme. Wir entwickeln die Lufthansa aus Deutschland heraus. Dabei wächst München schneller als Frankfurt. Im europäischen Netzwerk sind die Frequenzen hier höher als in Frankfurt. Heute stehen nicht mehr einzelne Fluggesellschaften miteinander im Wettbewerb, sondern Hubs und Allianzsysteme wie unsere Star Alliance. Dabei wächst die Bedeutung der Infrastruktur am Boden.

 Muss der Flughafen München deshalb weiter ausgebaut werden?

Mayrhuber: Bisher konnten wir gut mit der Weitsicht in München leben. München wächst jährlich um rund zehn Prozent und kommt voraussichtlich 2008 an die Kapazitätsgrenze der Start- und Landebahnen. Damit wir in München weiter wachsen können, ist der Flughafenausbau für uns von großer Wichtigkeit. Es geht um die globale Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland.

 Warum fliegt die Lufthansa nicht mit der A380 nach München? Ist das für die Zukunft geplant?

Mayrhuber: Lufthansa erhält die erste A380 im Jahr 2009. Wir planen den Einsatzort zunächst in Frankfurt und bauen dort derzeit eine Wartungshalle. Momentan planen wir noch keinen Einsatz der A380 auf Münchner Strecken. Die Kundennachfrage wird entscheiden, wann es wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die Strecke München-Busan ist eröffnet. Was sind die nächsten Ziele?

Mayrhuber:  Die Idee für die Strecke entstand vor drei Jahren, und zwar vor Ort in Südostasien. Das halten wir so, weil es besser ist, als wenn die Zentrale den Markt anschieben müsste. Wir sind natürlich noch lange nicht am Ende der Ideen. Wenn die Strecke gut läuft, werden wir uns neue Ziele in Asien anschauen. Da nährt der Erfolg den Erfolg. Wir wachsen, gehen dabei aber keine Abenteuer ein. Eine neue Strecke ist immer auch eine enorme Investition.

Was bedeutet eine neue Langstrecke wie die nach Busan für die Arbeitsplätze? Heute arbeiten bereits rund 7800 Lufthanseaten in München, wie wird sich diese Zahl entwickeln?

Mayrhuber: Eine dritte Start- und Landebahn eröffnet Lufthansa die Möglichkeit, bereits 2015 bis zu 45 Langstreckenflugzeuge von München aus einzusetzen. Die Bedeutung für den Arbeitsmarkt ist enorm: Jedes Flugzeug generiert bei Lufthansa 150 Arbeitsplätze in Cockpit und Kabine. Hinzu kommen bei den Konzerntöchtern sowie bei regionalen Dienstleistungs- und Wirtschaftsunternehmen nochmals bis zu 300 Jobs. Jedes neu stationierte Langstreckenflugzeug entspricht der Beschäftigungswirkung eines zusätzlichen, mittelständischen Unternehmens.

Die Fragen stellte Corinna Maier.

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