Luftkampf um Schwaben: Wer bekommt den neuen Flughafen?

- Augsburg - Die Schwaben sind in den Ferien, doch die Urlaubsruhe trügt. Ein Luftkampf ist entbrannt. Es geht um den Standort eines schwäbischen Regionalflughafens. Sollen die zivilen Jets in Memmingerberg oder auf dem Militärflughafen Lagerlechfeld abheben? Die Allgäuer schwören auf Memmingerberg, die Augsburger wollen Lagerlechfeld als "Jobmaschine".

<P>Der Augsburger Flughafen Mühlhausen bereitet der Fuggerstadt Sorgen. Mit einer Finanzspritze von rund 360 000 Euro konnte in diesem Jahr gerade die Insolvenz des überschuldeten Flughafens abgewendet werden. Die finanziell gebeutelte Stadt musste ein Darlehen von 4,5 Millionen Euro abschreiben. Doch Mühlhausen ist als Regionalflugplatz praktisch gestorben.<BR><BR>Mitten in diese Ausweglosigkeit hinein platzte im März ein Überraschungscoup, den der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel mit seinen Kontakten zum Bundesverteidigungsministerium eingefädelt haben soll. Eine zivile Mitbenutzung des militärischen Nato-Flugplatzes Lagerlechfeld sei denkbar und machbar. <BR><BR>Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu sprach von einer "historischen Chance". Mitte Juli legte er eine Machbarkeitsstudie mit der Kernaussage vor, der "Tornado"-Standort Lagerlechfeld sei grundsätzlich für die zivile Luftfahrt geeignet. Das brachte die Allgäuer auf den Plan. Sie können eine Luftfahrgenehmigung für Memmingerberg bereits vorweisen. "Wir haben drei Jahre Vorsprung", sagte der Unterallgäuer Landrat Hermann Haisch (CSU). Der Kreistag habe sich für die eingeschränkte Nutzung ausgesprochen, die 250 Hektar Fläche sollten mit dem Flughafen sinnvoll genutzt werden. Betriebsansiedlungen und Arbeitsplätze hingen davon ab. Haisch: "Wir lassen das Allgäu nicht an den Rand drängen. Gerade für den Allgäu-Tourismus wäre Memmingerberg sehr wichtig." Sein Konzept: Die Augsburger sollen über München fliegen, die Allgäuer behalten Memmingerberg.<BR><BR>Doch die Würfel scheinen für Lagerlechfeld gefallen zu sein, wenn die Bundeswehr zustimmt. Selbstbewusst rechnet eine Initiative "Pro Schwaben Airport" bereits die Finanzierung vor. Von den auf 35 Millionen Euro veranschlagten Kosten in den ersten zehn Jahren trägt der Freistaat 50 Prozent, die Stadt Augsburg und die Münchner Flughafen GmbH je fünf Millionen Euro. Die verbleibenden 7,5 Millionen Euro sollen Unternehmen und Anrainerkommunen aufbringen. Dieter Kirchmair, der Sprecher der Initiative: "Das rechnet sich."<BR><BR>Genau das aber befürchten die Flughafengegner. Die Grünen im Augsburger Stadtrat, eingebunden in eine hauchdünne Regenbogenmehrheit, sind gegen Lagerlechfeld und könnten den SPD-Koalitionspartner mit dem erklärten Lechfeld-Befürworter SPD-Oberbürgermeister Paul Wengert in Bedrängnis bringen. Grüne und Bund Naturschutz wollen eine bessere Schienenanbindung an den Münchner Flughafen. Das könnte einen eigenen Regionalflughafen für Schwaben überflüssig machen. Anwohner der beiden diskutierten Standorte unterstützen diese Argumentation.<BR><BR>Nun kommt es auf den Bund an, der bis September Stellung nehmen will. Gibt das Verteidigungsministerium grünes Licht für Lagerlechfeld, dann ist der Luftkampf wohl gegen Memmingerberg und das Allgäu entschieden. <BR></P>

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