Luftnummern und Lumperei: Haft für Infomatec-Chef

- Augsburg - Der frühere Infomatec-Vorstand Alexander Häfele ist in Augsburg zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Augsburger Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 43-jährige Häfele in drei Fällen durch Kursbetrug und Insiderhandel Anleger massiv geschädigt und sich Gewinne in Höhe von rund 15 Millionen Euro verschafft hatte. Die Verteidigung kündigte gegen das Urteil Revision an und sprach von Verfahrensfehlern. Der Haftbefehl gegen Häfele wurde unter Auflagen außer Vollzug gesetzt, sein Vermögen von rund 4,5 Millionen Euro beschlagnahmt.

Die mit dem Kursbetrug zusammenhängenden Geschäfte nannte der Richter in der Urteilsbegründung "Luftnummern und Lumperei". So habe der Verurteilte auf der Basis von Scheingeschäften Aktien in Höhe von rund 14,7 Millionen Euro verkauft und so den Kurs der Infomatec-Aktie beeinflusst. Durch falsche Ad-hoc-Mitteilungen habe er ein Geschäftsvolumen von rund 27 Millionen Euro bei einem tatsächlichen Volumen von 3,7 Millionen Euro vorgetäuscht und später auf der Basis falscher Geschäftsangaben bei Insiderwissen weitere Aktienverkäufe in Höhe von fast 500 000 Euro getätigt. Die Infomatec-Aktie war damals durch die Manipulationen von 27 Euro auf mehr als 290 Euro gestiegen und schließlich auf 4 Cent gefallen. Den Anlegern sollen Verluste in Höhe von rund 250 Millionen Euro entstanden sein. Der mitangeklagte Infomatec-Gründer Gerhard Harlos war Ende 2003 nach einem Teilgeständnis zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.<BR><BR>"Das Verfahren hat das Gericht bis an die Grenzen der Aufklärbarkeit geführt", sagte der Richter. Es habe nicht geklärt werden können, ob Infomatec zum Zusammenbruch des Neuen Marktes beigetragen habe. Die Infomatec-Pleite war eine der ersten nach dem Aktienboom vor mehr als drei Jahren.<BR>

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