Luftverkehr profitiert von Bahnstreiks - Rekord auf Kurzstrecken

Wiesbaden - Die monatelange Unsicherheit über Bahnstreiks hat den innerdeutschen Luftverkehr im vergangenen Jahr beflügelt. Insgesamt nutzte die Rekordzahl von 24,1 Millionen Passagieren das Flugzeug für eine Reise innerhalb Deutschlands.

Die Zunahme um 6,3 Prozent sei so stark wie seit 1996 nicht mehr, berichtete das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden.

Die Gesamtzahl der ankommenden oder abfliegenden Fluggäste auf deutschen Flughäfen stieg zugleich um 6,2 Prozent auf den Rekordwert von 163,5 Millionen Passagieren. Die immer wieder angedrohten Bahnstreiks hätten manch einen Reisenden dazu gebracht, vom Zug auf das Flugzeug zu wechseln, sagte der Generalsekretär des Airline-Verbandes Barig, Martin Gaebges.

Nach Angaben des Bundesamtes gab es vor allem im November und Dezember auf einigen innerdeutschen Strecken massive Zuwächse. Außerdem wurden nach Angaben von Gaebges nach der Fusion der Fluggesellschaften dba und Air Berlin auf einigen innerdeutschen Strecken vermehrt Verbindungen angeboten.

Stärker noch als der innerdeutsche Luftverkehr nahm der interkontinentale Verkehr zu. Hier wurden 31,5 Millionen Passagiere gezählt, das waren 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders große Zuwächse verzeichneten die Vereinigten Arabischen Emirate mit 18,2 Prozent auf 1,6 Millionen Gäste und China mit plus 10,4 Prozent auf ebenfalls 1,6 Millionen Passagiere. Die USA als das am häufigsten außerhalb Europas angeflogene Land kamen auf 13,2 Millionen Ankünfte und Abflüge.

Auf Strecken innerhalb Europas wurden 107,9 Millionen Gäste gezählt, 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Zweistellige Zuwachsraten verbuchten hier Österreich (13,2 Prozent) und die Schweiz (11,0 Prozent).

Für das laufende Jahr erwartet die Branche ein weiteres Wachstum. Der Geschäftsreiseverkehr sei trotz der Konjunktursorgen ungebrochen, und die Verbraucher würden weiterhin Geld für Urlaub ausgeben, sagte Gaebges. Daher halte er in diesem Jahr ein Plus bei den Passagierzahlen von fünf Prozent für machbar.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte angesichts der Zuwachsraten von der Bundesregierung Maßnahmen gegen die Klimabelastung. Um mehr Kostengerechtigkeit im Verkehr zu erreichen, müsse eine nationale Kerosinsteuer und eine Ticketabgabe eingeführt werden, hieß es in einer Mitteilung. Es sei ein Skandal, dass der Flugverkehr "weitgehend steuerbefreit die Umwelt belastet, während die klimafreundlichere Bahn die vollen Energie- und Mehrwertsteuern zahlen muss", sagte VCD-Bundesvorsitzender Michael Gehrmann.

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