Luftverschmutzung zu verkaufen

- München - Die Verschmutzung der Umwelt hat einen hohen Preis, den bisher niemand zahlt. Auch wenn noch nicht gesichert ist, ob die Erde auf eine Klimakatastrophe zusteuert, so sind doch die negativen Auswirkungen von Abgasen unbestritten. Bisher war es so, dass die Rechnung für Umweltverschmutzung künftigen Generationen präsentiert werden sollte. Das wird sich zumindest in Europa mit Einführung des Emissionshandels in den nächsten Jahren ändern.

<P>Emissionshandel bedeutet, dass der Preis für die Luftverschmutzung gleichsam an einer Börse bestimmt wird. Für Kritiker ist es ein industrieller Ablasshandel, Befürworter sehen darin ein wirksames Instrument, den Klimaschutz am kostengünstigsten zu erreichen.</P><P>Bis zum 31. März 2004 muss das Bundesumweltministerium festlegen, welche Betriebe in Deutschland wie viele Abgase in die Luft pusten dürfen. Bisher lässt Minister Jürgen Trittin jedoch die Industrie noch im Unklaren. "So lange der nationale Allokationsplan nicht auf dem Tisch liegt, ist eine tatsächliche Bewertung der Details des Emissionshandels nicht möglich", sagte Theodoros Reumschüssel von Eon Energie in München.</P><P>Auch bei BMW und BASF hieß es, dass man jetzt erst die Vorgaben aus dem Bundesumweltministerium abwarten müsse, um Aussagen über mögliche Folgen des Emissionshandels treffen zu können. "Wir stehen dem sehr positiv gegenüber", sagte BMW-Sprecher Eckhard Wannieck.</P><P>Ab 1. Januar 2005 soll die Testphase bis 2007 losgehen. Die Europäische Union hatte sich im Kyoto-Protokoll 1997 verpflichtet, die Emissionen in den Jahren 2008 bis 2012 um insgesamt 8 % gegenüber 1990 zu verringern. Deutschland hat erklärt, die industriellen Abgase sogar um 21 % zu senken.</P><P>Jedoch macht der größte Umweltsünder auf der Welt, die Vereinigten Staaten von Amerika, nicht mit. Die USA stießen zum Beispiel 5,59 Milliarden Tonnen Kohlendioxid (Stand 2002) aus - 19 Tonnen je Einwohner. Deutschland verschmutzte im vergangenen Jahr die Luft mit 834 Millionen Tonnen CO2 oder 10 Tonnen je Einwohner. Noch darunter lag der CO2-Ausstoß von Großbritannien (520 Mio. t/9 t pro Einwohner) und Frankreich (384 Mio. t/6 t pro Einwohner). Derzeit verbrauchen laut UN-Umweltdirektor Klaus Töpfer, früher deutscher Umweltminister, ein Sechstel der Weltbevölkerung in den Industriestaaten über die Hälfte der Energie.</P><P>Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte, dass die CO2-Reduzierung nicht das einzige Kriterium bei der Erstellung des nationalen Verteilungsplanes sein dürfe. "Mit diesem Zuteilungsplan übernimmt die Politik die Verantwortung für Investitionsentscheidungen und Arbeitsplätze", heißt es in der Stellungnahme des BDI zur EU-Emissionshandelsrichtlinie.<BR>Ein sicherer, umweltverträglicher und wettbewerbsfähiger Energiemix müsse gewährleistet sein, und die Arbeitsplätze in den energieintensiven Industrien müssten erhalten bleiben.</P><P>Bei zu hohen Kosten für Emissionszertifikate seien zum Beispiel Braunkohlekraftwerke nicht mehr wettbewerbsfähig, warnte der Energiekonzern RWE. "Da könnten Versorgungsunternehmen pleite gehen", sagte Klaus Sturany von RWE.</P><P>BASF verwies darauf, dass in der chemischen Industrie die Energiekosten schon immer ein sehr hoher Produktionsfaktor und deshalb Energiesparen von je her ein Thema gewesen sei.</P>

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