Luxusschmiede statt Arbeitslosigkeit

Mittelstandsserie: - Karlsfeld - Er hat der Quarz-Krise getrotzt, die mechanische Uhr wieder salonfähig gemacht und mit Chronoswiss ein absolutes Luxus-Produkt geschaffen. Vor den Toren Münchens hat Gerd-Rüdiger Lang ein neues Domizil gefunden.

Es geht um Kunst, um Präsizion, um Technik und um Luxus - und um die Ewigkeit. Wenn Uhrmacher Gerd-Rüdiger Lang über seine "bayerische Manufaktur mit den swiss-made Chronometern" spricht, wird schnell klar: Da ist einer absolut überzeugt von dem, was er tut. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Die Marke Chrono swiss hat sich längst im Nobeluhren-Segment etabliert.

"Ich stelle Dinge her, die eigentlich keiner braucht", meint Lang trocken, zudem seien seine Uhren weniger genau und viel teurer als Quarzuhren. Und doch verkauft er im Jahr rund 7000 der handgefertigten, mechanischen Uhren - keine unter 2000 Euro. Die Uhr an sich sei d a s neue Schmuckstück für den Mann. "Sie ist ein Ausdruck von Lebensgefühl und Kompetenz", erklärt der 64-Jährige, der selbst an jedem Handgelenk eine seiner Uhren trägt.

Lang ist ein Visionär, der extrem hohe Ansprüche stellt - nicht nur an sich selbst. Jedes Mal, wenn er ein neues Uhrenmodell entwerfe, wolle er es noch besser machen als zuvor. Diese Klasse fordert er auch von seinem Umfeld. Das spiegelt sich in jeder Ecke des neuen Firmensitzes in Karlsfeld bei Dachau wider. "Zeithaus" nennt Lang seine imposante Manufaktur, die mit ihren vielen runden Elementen und Räumen einer Uhr ähnelt und nur aus den edelsten und beständigsten Materialien besteht.

"Die massiven Baumaterialien sollen den Eindruck von Zeitlosigkeit vermitteln", erklärt der 64-Jährige stolz, bevor er sichtlich verärgert eine billige Spanplatte im Wandregal entdeckt. Bei Parkett aus bayerischer Eiche und Kalksteinfliesen aus Solnhofen inklusive Millionen Jahre alter Fossilien ein Fauxpas. Schließlich sollen die Menschen auch Jahrzehnte später über seinen Bau sagen: "Da hat aber einer nachgedacht." Denn der gebürtige Braunschweiger produziert keine flüchtigen Trends, schon aus Prinzip: "Meine Uhren sollen Generationen überdauern."

Dabei ist seine Firma Chronoswiss "aus der Not heraus geboren". Mit 37 Jahren bekam Lang die Kündigung. "Da stand ich dann mit zwei kleinen Kindern und einem Reihenhaus in Allach", erinnert er sich. Im Hobbyraum hat er dann begonnen, ältere Uhren zu reparieren, bis er Mitte der 80er-Jahre mit dem Verkauf von Sammlerstücken begann. Dabei gelang ihm ein wahrer Geniestreich: Er kam als Erster auf die Idee, den Uhrenboden mit einer Glasplatte zu versehen, um "die Mechnik als Gemälde zu verkaufen". Mittlerweile hat dieses Verfahren unzählige Nachahmer gefunden.

Fremde Uhren umzugestalten und unter eigenem Namen zu verkaufen, war Lang nicht genug: 1987 begann er seine eigenen Zeitmesser zu bauen. Alle Einzelteile dafür - bis zu 300 Stück pro Uhr - stammen dafür aus der Schweiz. Zusammengebaut wurden sie jahrelang im Münchner Westen, bis der Firmengründer 2006 mit Chronoswiss nach Karlsfeld zog. "Meine Schweizer Uhren sind die Einzigen, die nicht aus der Schweiz sind", meintLang - auch wenn das Label "swiss made" auf den Chronometern prangt.

Mittlerweile hat Lang 40 Mitarbeiter in Dachau und 250 in den Zulieferfirmen. Er verkauft seine Uhren in die ganze Welt und macht dabei einen Umsatz von jährlich rund 14 Millionen Euro.

Ans Aufhören will der 64-Jährige nicht wirklich denken, die Nachfolge ist noch nicht geregelt. Seine Firma ist auf ihn zugeschnitten, er ist der Kopf von Chronoswiss. Seine Tochter Natalie ist zwar seit 2003 Mitgeschäftsführerin, doch der 31-Jährigen Chronoswiss komplett zu überlassen, scheint für Lang schwer vorstellbar. Zwar übernehme seine Tochter, eine gelernte Uhrmacherin, wichtige Aufgaben, doch Ernst-Rüdiger Lang stellt sehr deutlich dar, dass die Kreativ-Abteilung allein in seiner Hand liegt: "Ich entwerfe die Uhren und ich gebe ihnen ihre Namen."

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