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Klaus Sojer: Bei Warburg wird nicht in Quartalen, sondern über längere Zeithorizonte gedacht.

Markt

Denken in Generationen

Wirklich unabhängige Privatbanken gibt es in Deutschland kaum noch. M.M.Warburg & CO gehört zu dieser Spezies und bietet seinen Kunden damit eine Beständigkeit, die an anderer Stelle oft vermisst wird.

Vor einhundert Jahren gab es in Deutschland noch über tausend inhabergeführte Privatbanken. Heute sind es kaum noch ein Dutzend. Die Größte von ihnen ist M.M.Warburg & CO mit Sitz in Hamburg, bei der in diesem Sommer der Generationenwechsel im Partnerkreis stattgefunden hat.

Nach drei Jahrzehnten an der Spitze des 1798 gegründeten Bankhauses wechselten Dr. Christian Olearius und Max Warburg im Juni dieses Jahres als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat. Neuer Sprecher der Partner und für die Leitung der Stabsbereiche sowie des Asset Managements und des Private Bankings zuständig ist Joachim Olearius. Die beiden Aufsichtsräte sind weiterhin mit gut 80 Prozent Mehrheitseigentümer der Bank, die die unternehmerische Kontinuität damit auch diesbezüglich gewahrt sieht.

Nun muss das Ruder sicherlich nicht immer gleich über eine ganze Generation hinweg in einer Hand liegen. Für die typischen Merkmale inhabergeführter Privatbanken und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für das Unternehmen ist Warburg aber sicherlich ein geradezu klassisches Beispiel. Anders als bei vielen börsennotierten Banken wird bei den Hamburgern nicht von Quartal zu Quartal, sondern über sehr viel längere Zeithorizonte hinweg gedacht und gehandelt, wie Klaus Sojer, Leiter der Münchner Geschäftsstelle erläutert.

„Der Standort München wurde 2012 beispielsweise zu einem Zeitpunkt gegründet, zu dem die Kostenreduktion bei fast allen Banken an vorderster Stelle stand. Die Neueröffnung war sicherlich nur durch die Verknüpfung von Eigentümern und Geschäftsführung möglich.“ Dabei habe sich die antizyklische Vorgehensweise laut Sojer durchaus bezahlt gemacht. So konnte die letzte regionale Lücke in Deutschland geschlossen und den Kunden in Bayern ein direkter persönlicher Zugang zu den Dienstleistungen der Bank verschafft werden. Mit Schwerpunkten in der Vermögensverwaltung und der Wertpapierberatung wird von München aus inzwischen ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag betreut.

Bei der Vermögensverwaltung durch Warburg kann grundsätzlich zwischen zwei Varianten gewählt werden. Bei der individuellen Verwaltung geben die persönlichen Wünsche der Kunden die Richtlinien zur Zusammensetzung und damit den Chance-Risiko-Charakter des Portfolios vor. Auf Basis dieser Vorgaben erfolgt im Rahmen eines Top-Down- Ansatzes die Auswahl der verschiedenen Assetklassen, die Gewichtung von Branchen, Währungen und Laufzeiten sowie als letztes die Selektion der Einzeltitel, die sowohl durch die hauseigenen Analysten als auch durch internationale Partner unterstützt wird.

Alternativ können sich Kunden mit dem fondsbasierten Warburg Premium Portfolio für vier verschiedene Strategieportfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen entscheiden. Die Anlagemittel werden dabei ausschließlich in ausgewählte Investmentfonds investiert. Aktuell besteht bei den Vermögensverwaltungsdepots von Warburg eine leichte Übergewichtung im Aktienbereich, da die Experten der Bank in der aktuellen Entwicklung „eher eine wirtschaftliche Delle als eine längere Rezession sehen.“

An der grundsätzlichen Politik der Bank dürfte sich trotz der eingangs beschriebenen Wechsel im Aufsichtsrat und in der Geschäftsführung bei M.M.Warburg & CO in den kommenden Jahren nur wenig ändern. Bezogen auf Bayern ist zukünftig noch stärker der Gang in die Regionen geplant, wie Sojer sagt. „Insbesondere dort, wo sich andere Banken und Vermögensverwalter zurückziehen, wie etwa in Nordbayern, sehen wir gute Chancen, unser Kundennetz weiter auszubauen.“

Dies könne zum einen durch eigens hierfür ausgebildeten Nachwuchs geschehen. Auf der anderen Seite sollen aber auch Opportunitäten wahrgenommen werden, die sich beispielsweise durch die Suche kompetenter Anlageberater und Vermögensverwalter nach neuen Herausforderungen ergeben könnten. Konkrete Planungen oder Vorgaben, innerhalb der kommenden zwei, drei Jahre ein bestimmtes Wachstum zu generieren, gebe es allerdings nicht. Hierin sieht Sojer dann auch ein weiteres typisches Merkmal einer inhabergeführten Privatbank.

Martin Ahlers

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