So machen Sie mehr aus Ihrem Geld

Expertentipps: - Halbierter Sparerfreibetrag und die geplante Abgeltungssteuer erschweren den Vermögensaufbau. Wie sollen Anleger darauf reagieren? Welche Geldanlagen sind wie sicher? Für diejenigen Leser, die bei der Telefonaktion nicht zum Zuge kamen, geben wir hier die Fragen und die Antworten der drei Experten wieder.

Ich bin 40 Jahre alt und möchte 50 Euro im Monat sparen, eventuell bis zur Rente. Welche Anlage soll ich nehmen?

Gut geeignet ist ein Fondssparplan, denn er hat keine feste Laufzeit und die Sparraten können jederzeit geändert werden. Die besten Renditechancen bestehen bei Aktienfonds. Zu einem späteren Zeitpunkt können Sie die Aktienfonds in weniger riskante Rentenfonds umschichten.

Mir wurde von meiner Hausbank ein Bonuszertifikat auf den Eurostoxx 50 zum Kauf angeboten. Wie beurteilen Sie dieses Zertifikat?

Setzen Sie auf steigende europäische Standardwerte? Dann ist das Zertifikat zu empfehlen. Fallen aber die Aktienkurse, haben Sie das volle Kursrisiko zu tragen. Eine Alternative mit mehr Risikoschutz können Garantiezertifikate sein.

Meine Bank bietet mir 3,6 Prozent Zins für 100 000 Euro auf zwei Jahre. Ist das ein guter Zins?

Der Zins ist marktgerecht, aber noch steigerungsfähig. Holen Sie sich weitere Angebote anderer Banken ein.

Was ist der Unterschied zwischen der Kapitalertragsteuer und der geplanten Abgeltungssteuer?

Kapitalerträge unterliegen derzeit, wenn der Sparer-Freibetrag überschritten wird, dem persönlichen Einkommensteuersatz, der je nach Höhe der gesamten steuerpflichtigen Einkünfte unterschiedlich hoch ist. Die Kapitalertragsteuer ist nur eine Steuervorauszahlung auf diese Einkommensteuer. Bei einer Abgeltungssteuer ist dagegen die Steuerpflicht mit dem Abzug der Steuer von den Kapitalerträgen grundsätzlich "abgegolten".

Sind Inhaberschuldverschreibungen sicher?

Bei einer Inhaberschuldverschreibung hängt die Sicherheit vom sogenannten Emittenten ab, dem Herausgeber des Wertpapiers. Aufpassen sollten Sie bei Inhaberschuldverschreibungen, deren Zins weit über den marktüblichen Konditionen von derzeit etwa vier Prozent liegt. Hier ist das Risiko entsprechend hoch.

Wie bewerten Sie Solaraktien?

Die Entwicklung war in letzter Zeit überaus positiv. Die Prognosen sind weiter gut, allerdings ist die Anlage nur für risikobereite Anleger sinnvoll. Am besten wäre es, einen Kursrückgang abzuwarten und nur mit einem Teil des Geldes einzusteigen.

Soll ich 15 000 Euro für zwei Jahre in Rentenfonds anlegen?

Nein, legen Sie den Betrag lieber in ein festverzinsliches Wertpapier mit zwei Jahren Laufzeit an. Denn bei Rentenfonds zahlen Sie beim Kauf einen Ausgabeaufschlag und müssen außerdem, wenn es zu Zinserhöhungen kommt, mit weniger Rendite rechnen.

Soll ich einen Anlagebetrag von 26 000 Euro auf mehrere Fonds verteilen?

Ja, eine Streuung ist grundsätzlich richtig. Je nach persönlichen Verhältnissen, bereits vorhandenem Vermögen und Ihrer Risikoneigung kann eine gute Mischung mehr Aktienfonds oder mehr Rentenfonds oder auch offene Immobilienfonds bedeuten.

Soll ich mit einem Aktienfonds-Sparplan jetzt beginnen oder noch warten?

Wenn Sie das ohnehin vorhaben, sollten Sie auch nicht länger warten. Durch den sogenannten Cost-Average-Effect erzielen Sie langfristig bei einem Fondssparplan einen günstigen Durchschnittskurs: Bei hohen Kursen erhalten Sie für Ihre Sparrate weniger Fondsanteile, bei niedrigen Kursen entsprechend mehr Fondsanteile.

Kann ich Gebühren im Zusammenhang mit Wertpapiergeschäften geltend machen?

Ja, bei der Ermittlung der Einkünfte aus Kapitalvermögen sind diese als Werbungskosten abzugsfähig.

Ist es besser, seine Aktien zu verkaufen, bevor 2009 die Abgeltungssteuer kommt?

Nein, nach derzeitigen Plänen soll die Abgeltungssteuer nicht für Wertpapiere gelten, die vor 2009 gekauft wurden. Davon abgesehen bleibt eine Aktienanlage auch nach Einführung der Abgeltungssteuer aufgrund der Kurschancen interessant. Wichtig ist, dass Sie eine ausgewogene Depotstruktur besitzen.

Soll ich europäische oder internationale Aktienfonds verkaufen, weil ich 12 000 Euro für einen Autokauf benötige?

Sowohl europäische wie internationale Aktien haben weiter gute Chancen, sodass ich dazu rate, von beiden Fonds einen Teil zu verkaufen. Sie sollten aber die Spekulationsfrist beachten: Erst nach einem Jahr sind Veräußerungsgewinne steuerfrei.

Wie hoch ist der Ausgabeaufschlag bei Fonds?

Das hängt von der Art des Fonds und von der einzelnen Fondsgesellschaft ab. In der Regel beträgt der Ausgabeaufschlag bei Aktienfonds und offenen Immobilienfonds etwa fünf Prozent, bei Rentenfonds etwa drei Prozent. Die für eine kurzfristige Geldanlage konzipierten Geldmarktfonds werden normalerweise ohne Ausgabeaufschlag angeboten.

Wie schätzen Sie die Börsenaussichten in Deutschland ein?

Positiv, da nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Erträge der Aktienunternehmen teilweise kräftig gestiegen sind. Deshalb gelten deutsche Standardaktien auf dem derzeitigen Kursniveau als attraktiv bewertet.

Wie soll ich 60 000 Euro anlegen?

Das hängt ab von Ihrer persönlichen Risikoneigung und von den Anlagezielen, die Sie haben. Diesen Betrag sollten Sie jedenfalls streuen, dass heißt nicht einseitig anlegen. Ich rate Ihnen zu drei Bausteinen: Einen Teil im festverzinslichen Bereich, einen Teil in Aktienfonds je nach Risikomentalität und den dritten Teil in offene Immobilienfonds. Im festverzinslichen Bereich sind bei den gegenwärtigen Zinsen kürzere Laufzeiten empfehlenswert.

Sind Erträge von offenen Immobilienfonds steuerpflichtig?

Nur teilweise, der überwiegende Teil der Erträge ist bei vielen Fonds steuerfrei. Das ist nicht zuletzt im Hinblick auf den gekürzten Sparer-Freibetrag wichtig.

Was sind Blue-Chips?

Man versteht darunter die Aktien bekannter großer Unternehmen. In Deutschland zählen dazu insbesondere die im Deutschen Aktienindex vertretenen Werte.

Welche Rendite kann ich mit einer Aktienanlage erzielen?

Das lässt sich im Vorhinein nicht bestimmen. Bei Aktien profitiert der Anleger von den gezahlten Dividenden und von Kursgewinnen. Die Erfahrung zeigt, dass langfristig im Schnitt mit einem breit gestreuten Aktiendepot etwa sieben bis acht Prozent Rendite möglich sind. Diese Rendite ist aber nicht jedes Jahr zu erzielen, da es bei Aktien kräftige Kursschwankungen gibt. Der Anleger sollte deshalb nur den Teil der Ersparnisse in Aktien investieren, der lange Zeit liegen bleiben kann.

Ich habe den Sparerfreibetrag ausgeschöpft. Wie lege ich jetzt "steuersparend" an?

Im festverzinslichen Bereich bieten sich Wertpapiere mit niedrigem Zins an, die mit einem steuerfreien Kursgewinn nach frühestens einem Jahr verkauft werden können. Aktienfonds und offene Immobilienfonds bieten ebenfalls die Möglichkeit, einen Teil der Erträge steuerfrei zu erhalten. Einzelheiten besprechen Sie am besten mit Ihrem Bankberater.

Soll ich die Aktienquote in meinem Depot verringern?

Nach fast vier Jahren stetig steigender Aktienkurse kann man ruhig mal daran denken, einen Teil der Aktien zu verkaufen, um so Gewinne zu sichern. Da die Börsenaussichten nach wie vor gut sind, sollte sich der Anleger aber nicht gänzlich von Aktien trennen.

Ich, 66, möchte 40 000 Euro anlegen, um meine Rente aufzubessern. Mein Bankberater rät zu einem Fonds-Auszahlplan. Was meinen Sie?

Ein Fonds-Auszahlplan bietet Ihnen die Möglichkeit, regelmäßig monatlich einen bestimmten Betrag zu erhalten. Er kann individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden. Sie können zum Beispiel festlegen, das das Kapital nicht angegriffen wird. Es bleibt dennoch für Sie frei verfügbar. Bei der Auswahl der für Sie geeigneten Fonds hilft Ihnen der Bankberater.

Durch einen Immobilienverkauf habe ich 100 000 Euro auf meinem Girokonto. Wie kann ich das Geld für sechs oder zwölf Monate sicher anlegen und welchen Zins kann ich dafür haben?

Holen Sie sich von mehreren Banken entsprechende Angebote ein. Manche Institute bieten für sechs- oder zwölfmonatige Anlagen Sonderkonditionen. Achten Sie darauf, dass die Bank dem Einlagensicherungsfonds angeschlossen ist, der auch große Beträge umfassend schützt.

Werden die Zinsen wieder sinken?

Danach sieht es derzeit nicht aus. Die Zinstendenz ist eher leicht weiter steigend.

Ich habe nach sechs Monaten Anteile an Aktienfonds mit Gewinn verkauft. Ist der Veräußerungsgewinn voll oder nur zur Hälfte steuerpflichtig?

Steuerpflichtig ist der volle Veräußerungsgewinn, da Investmentfondsanteile keine Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft darstellen. Hier gilt deshalb nicht das Halbeinkünfteverfahren ­ im Gegensatz zu Aktien.

Aus einem Hausverkauf erhalte ich 350 000 Euro. Ich möchte das Geld so anlegen, dass ich davon monatlich 2000 Euro erhalte, weil ich nur eine geringe Rente habe. Was raten Sie mir?

Mit festverzinslichen Wertpapieren ist ein monatlicher Ertrag von 2000 Euro nicht zu erzielen. Aktien bieten höhere Renditechancen, sind aber auch risikoreicher. Eine Alternative kann eine Fondsvermögensverwaltung sein. Dabei kann das Vermögen nach Ihren persönlichen Vorstellungen breit gestreut werden: in verschiedene Aktienfonds, Rentenfonds usw. Alternativ kommt eventuell für einen Teilbetrag auch eine private Rentenversicherung in Betracht. Allerdings ist dabei eine Verfügung über das eingesetzte Geld nicht möglich, da dieses verrentet wird.

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