So machen Sie Urlaub von der Pflege

München - Auch pflegende Angehörige haben einen gesetzlichen Anspruch auf Erholung. Über eine Million Menschen betreuen ein krankes Familienmitglied Tag für Tag zu Hause. Ihnen stehen pro Jahr bis zu 28 Tage Urlaub zu ­ und eine Ersatzlösung bei der Pflegetätigkeit.

Seit 1. Juli, mit Inkrafttreten der Pflegereform, machen die Kassen etwas mehr Geld für eine bezahlte Urlaubsvertretung locker. Zudem kann die Auszeit schneller genommen werden: Statt bislang ein Jahr muss sich der Laienpfleger jetzt nur ein halbes Jahr um den Kranken gekümmert haben, um sich mit Unterstützung freizunehmen. Wird die Chance in einem Kalenderjahr nicht genutzt, verfällt sie. Neu ist seit Juli auch die sogenannte Pflegezeit für Berufstätige.

"Verhinderungspflege" heißt die Regelung, die pflegende Angehörige entlasten soll. Erschöpfte Laienhelfer sollten sich nicht stillschweigend von Verwandten und Nachbarn vertreten lassen, sondern offiziell bei der Pflegekasse der Krankenkasse Urlaub anmelden, wie Annette Liedtke von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät. Auf diese Weise können Finanztöpfe in Anspruch genommen werden. Längst nicht alle ehrenamtlichen Pflegekräfte wüssten von dieser Möglichkeit, meint Andrea Langforth vom Verband der Angestellten Krankenkassen (VdAK).

Der Anspruch

Grundsätzlich haben Laienpfleger 28 Tage im Jahr Anrecht auf eine Urlaubsvertretung. Die Gesamtzeit kann auf mehrere Urlaube aufgeteilt werden. Die Kosten für den Ersatzmann übernehmen die Kassen ­ allerdings nur bis zur Grenze von jährlich 1470 Euro (bislang: 1432 Euro) inklusive Pflegegeld, unabhängig von der Pflegestufe des Patienten. Mehr Geld gibt es nicht.

Die Mehrkosten

Das wiederum bedeutet: Was an Mehrkosten für eine Urlaubsvertretung anfällt, muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Alternative: Der pflegende Angehörige nimmt Abstriche bei der Urlaubszeit in Kauf. Für Laienpfleger von Patienten der Stufe I kann deshalb mehr Urlaub möglich sein als für Angehörige Schwerstkranker in Stufe III, so die Erfahrung Liedtkes: "Der Höchstsatz reicht bei Stufe II in der Regel für 20 bis 21 Tage Urlaubsvertretung, bei Stufe III meist für noch weniger." Erst ab 2010 ist eine Erhöhung der Unterstützung auf 1510 Euro vorgesehen. Voraussetzung in jedem Fall: Die Pflege dauert mindestens schon ein halbes Jahr.

Die Varianten

Wer dringend ein paar Tage weg will, sollte sich von seiner Pflegekasse beraten lassen, rät Langforth. Möglich sind folgende Varianten: Die Kurzzeitpflege, also eine vorübergehende stationäre Unterbringung des Kranken im Heim. Oder eine Lösung, bei der der Patient zu Hause von einem Ersatzmann versorgt wird. Möglich ist auch, einen Profi vom ambulanten Pflegedienst als Urlaubsvertretung zu engagieren. Die Kurzzeitpflege ist die teuerste Variante. Die Finanzhilfe der Kasse reiche für die stationäre Pflege nicht lange aus, meint Liedtke. Aber auch die ambulante Betreuung kann schnell ins Geld gehen.

Wer selbst schon einen Ersatzmann für daheim gesucht hat, hat gute Chancen, möglichst rasch in den Urlaub zu kommen. Die Formalitäten sind dann meist schnell erledigt. Länger kann es dauern, wenn ein Kurzzeit-Pflegeplatz her muss, immer auch abhängig von der Region, gibt Langforth zu bedenken. Zur Hauptferienzeit müssten Engpässe einkalkuliert werden. Springen beispielsweise Schwägerin oder Enkel als Vertretung ein, bekommen sie für diese Zeit notwendige Fahrtkosten und Ausgaben ersetzt. Nachweise müssen vorgelegt werden. Außerdem zahlt die Pflegekasse das sonst übliche Pflegegeld anteilig aus. Mehr als 1470 Euro sind nicht drin.

Für Berufstätige

Wichtig: Abseits der Verhinderungspflege ist für Angehörige von Pflegebedürftigen die Pflegezeit neu eingeführt worden. Seit Juli können sich Berufstätige bis zu zehn Tage lang vom Betrieb unbezahlt freistellen lassen, um kurzfristig eine Betreuung zu organisieren. Wer sich entschließt, einen Kranken zu versorgen, darf jetzt auch bis zu einem halben Jahr freinehmen ­ allerdings fließt das Gehalt nicht weiter. Der Anspruch auf unbezahlten Pflegeurlaub mit Rückkehrrecht gilt nur in Firmen mit mehr als 15 Mitarbeitern. Die Pflegeversicherung übernimmt in der Zeit die Rentenbeiträge.

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