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Mit dem i3 startet BMW auch ins Auto-App-Zeitalter. Viel Zubehör – etwa zur Navigation – oder Informations- und Unterhaltungsangebote lassen sich bei Bedarf hochladen und müssen auch nur für die gebuchte Zeit gezahlt werden.

Neues Zubehör

BMW macht Autos zu Smartphones auf Rädern

München - BMW rüstet elektronisch auf. Was als App für Smartphones angeboten wird, soll es künftig auch als Autozubehör geben – zum Beispiel ein System, das bei Unfällen für schnelle Hilfe sorgt.

Das Auto der Zukunft wird zum rollenden Smartphone. So zumindest will es BMW. Mit dem Serienstart des elektrischen i3 will der Autobauer für seine Modellpalette ein Netzwerk aus Informations- und Unterhaltungs-Apps (das sind kleine Computerprogramme) anbieten – permanente Funkanbindung inklusive.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Für Elektromobilität sind einige der neuen Funktionen besonders wichtig. So kann der i3-Fahrer vom Frühstückstisch aus per Handy die Standheizung seines Autos aktivieren, solange das Auto an der Steckdose hängt. Das schont die Batterie. Diese Fernsteuerung ist beim Elektroauto serienmäßig. Fahrer anderer Modelle müssen dafür 50 Euro berappen. Sie können die Funktion aber auch später per Download nachkaufen.

Die Neuerung wirbelt auch die Zubehör-Preislisten durcheinander. Wer heute bei BMW ein Navigationssystem ordern will, muss dafür über 2000 Euro opfern. Künftig ist die Hardware vorhanden – ohne Aufpreis. Ein einfaches Radio mit Display als Anzeigegerät genügt. Dann kann man auch die Navi-Funktion bei Bedarf dazubuchen, wie Hildegard Wortmann von BMW erklärt. Für eine Urlaubsfahrt, für einen Monat oder auch fürs ganze Autoleben. Das funktioniert im Prinzip wie eine App fürs Android-Handy. Man zahlt nur, was man herunterlädt. BMW setzt darauf, dass die Fahrer immer mehr der kleinen Helfer oder Unterhaltungsangebote nutzen – und zahlen. Wer will, kann sich auf der Navi-Karte auch das Wetter anzeigen lassen, das bei der Ankunftszeit am Zielort herrscht.

„Connected Drive“, bisher ein unklar gebliebener BMW-interner Begriff, der Fahrassistenzsysteme, Informationen und Unterhaltung im Auto umfasst, wird so zu einer elektronischen Kommandozentrale im Auto. So ziemlich alle Smartphone-Apps gibt es dann auch als Auto-Zubehör. „Die Kunden erwarten, dass das, was sie mit dem iPhone machen können, auch im Auto funktioniert“, sagt Wortmann. Neues kann man selbst während der Fahrt dazuladen.

BMW bietet Softwareherstellern Werkzeugkästen, um ihre Produkte auch auf die Systeme des Autoherstellers anzupassen. Doch beziehen können die Kunden diese Apps nur über BMW. Der Autobauer will offiziell nur dafür sorgen, dass die Software so bedient werden kann, dass sie während der Fahrt den Fahrer nicht ablenkt. Aber letztlich geht es auch um Einnahmen für den eigenen App-Store. Der ähnelt dem iTunes-Geschäftsmodell, mit dem der Computerbauer Apple immerhin vom Pleite-Kandidaten zur wertvollsten Marke der Welt wurde.

Im Auto geht es nicht nur um Unterhaltung. So bietet BMW ein Notrufsystem an, das gleich nach einem Unfall die Zahl der Insassen, den Unfallort und die von bordeigenen Sensoren festgestellten Schäden einer Zentrale meldet, deren Mitarbeiter im Auto anrufen und Hilfe organisieren.

Wer Wert auf Komfort legt, kann sogar einen Concièrge-Service buchen. Dessen Mitarbeiter versorgen dabei den Fahrer telefonisch mit allen möglichen Informationen, etwa über die Verkehrslage oder Fahrziele – und speisen diese sogar ins Navi ein.

Auch an Bord gibt es künftig mehr Helfer – elektronische. Wie auch Konkurrenten verknüpft BMW noch heuer Abstandstempomat und Spurführungssysteme so miteinander, dass das Auto etwa in einem Stau auch ohne Eingriff des Fahrers fahren kann. Doch das ist nur ein Zwischenschritt zum automatisierten Fahren. Da kann sich das Auto selbstständig auch im normalen Autobahnverkehr mitbewegen und sogar überholen. Bis 2020, rechnet Werner Huber, Leiter für Fahrerassistenzsysteme bei BMW, wird auch diese Option verfügbar sein. Zu akzeptablen Preisen – wie er verspricht.

Die bisherigen Versuchsfahrzeuge sind davon weit entfernt. Der Kofferraum ist voller Elektronik. Sensoren erfassen die Umgebung nicht nur optisch: Eine Kamera, drei Radar- und vier Ultraschallsensoren. Allein die vier Laserscanner würden heute den Rahmen jeder Aufpreisliste sprengen. Es sind teure Einzelanfertigungen. Doch bald sollen sie so selbstverständlich werden, wie es der Airbag ist.

von Martin Prem

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