Machtkampf um die Deutsche Börse

- Frankfurt - Der Machtkampf um die Deutsche Börse eskaliert. Angespannt ist das Verhältnis zwischen Großaktionären und der Führungsspitze des Dax-Unternehmens ohnehin: Monatelang hatten Vorstand und Aufsichtsrat versucht, die Übernahme der Londoner Börse zu erzwingen. Nun fordern die Kritiker Tribut und wollen Aufsichtsratschef Rolf E. Breuer bei der Hauptversammlung in knapp sechs Wochen aus dem Amt drängen. Sollte am 25. Mai der Aufstand gegen Breuer Erfolg haben, dürfte es auch für Börsenchef Werner Seifert schwer werden, sich zu halten.

<P>Schon während der Verhandlungen mit der London Stock Exchange (LSE) hatte sich der britische Hedge-Fonds TCI als harter Brocken für Breuer und Seifert erwiesen. Nun macht TCI-Chef Christopher Hohn Ernst: "Der Aufsichtsrat handelte nicht im Interesse der Gesellschaft und hat das Vertrauen eines großen Teils der Aktionäre verloren."<BR><BR>Erstaunt zeigten sich Finanzkreise, dass TCI und seine Unterstützer von ihrer ursprünglichen Forderung, den kompletten Aufsichtsrat auszutauschen, abrückten. Offenbar seien nicht genügend Kandidaten zur Neubesetzung des Kontrollgremiums gefunden worden, mutmaßte ein Beobachter. Unter anderem hatte der ehemalige CDU-Fraktionsvize Friedrich Merz öffentlich dementiert, ein Kandidat von TCI für den Aufsichtsrat oder dessen Vorsitz zu sein.<BR><BR>Auslöser für den sich anbahnenden "Showdown" war offensichtlich die öffentliche Kritik von Börsen-Chef Seifert an TCI. "Ihr Plan für sofortige und umfassende Veränderungen in der Zusammensetzung unseres Aufsichtsrats hört sich für uns nach Veränderungen um der Veränderung willen an, nicht nach Veränderungen, mit denen ein bestimmtes Ziel verfolgt werden soll", hatte Seifert in einem offenen Brief an TCI geschrieben.<BR><BR>Missfallen dürfte den rebellierenden Anlegern zudem, dass sich die Frankfurter eine Hintertür für einen erneuten Anlauf zur Übernahme der Londoner Börse offen ließen. Ein neuer Versuch gilt zwar bis auf weiteres als unwahrscheinlich, nachdem sich die britischen Wettbewerbsbehörden bis Mitte September Zeit genommen haben, die Rechtmäßigkeit einer LSE-Übernahme zu prüfen. Doch Seiferts Bekunden, dem Konkurrenten Euronext bei seinem Prestigeprojekt auf keinen Fall den Vortritt zu lassen, sorgt für latente Unruhe bei den Übernahme-Gegnern.<BR><BR>Dass die Breuer-Gegner bei der Hauptversammlung in der Mehrheit sind, ist keineswegs sicher, aber nach Einschätzung von Frankfurter Finanzkreisen nicht unwahrscheinlich. Gelingt es auch bei der Aufsichtsratssitzung am nächsten Mittwoch nicht, die Wogen zu glätten, droht bei dem Aktionärstreffen eine Kampfabstimmung.</P>

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