Machtkampf bei der Freenet-Hauptversammlung

Hamburg - Mit einer Fokussierung auf das Handy-Geschäft hat Freenet-Chef Eckhard Spoerr für seinen Verbleib an der Spitze des Telekomunternehmens geworben.

Mit der Übernahme von Debitel steige Freenet zum drittgrößten Mobilfunkanbieter nach T-Mobile und Vodafone auf und könne bessere Konditionen bei den Netzbetreibern erreichen, sagte der umstrittene Manager am Freitag auf der Hauptversammlung in Hamburg. Bei dem Treffen wollten die Großaktionäre United Internet und Drillisch - die je gut 25 Prozent kontrollieren - eine Ablösung der Führungsmannschaft um Spoerr erreichen. Eine Entscheidung der rund 1500 Aktionäre wird für den weiteren Tagesverlauf erwartet.

Nachdem aber Drillisch-Vorstand Vlasios Choulidis bereits im Vorfeld eingeräumt hatte, dass eine Abwahl unwahrscheinlich sei, gehen Branchenbeobachter davon aus, dass Spoerr seinen Posten verteidigen kann. Zählen kann er dabei auf den Finanzinvestor Permira, der 25 Prozent von Freenet kontrolliert und auf den Pensionsfonds Hermes, der auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr noch massive Kritik geübt hatte. Auch am Freitag hielt sich Hermes damit nicht zurück, allerdings lehnte der Investor einen Wechsel ab. Mit Verweis auf das Gehalt von Spoerr - im vergangenen Jahr 4,4 Millionen Euro - appellierte Hermes-Sprecher Stephan Howaldt für Zurückhaltung bei der Manager-Entlohnung: "Halten sie Maß."

Wie Hermes kritisierte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) das Vorgehen von Drillisch und United Internet. "Die heutige Hauptversammlung ist zu einer Presse- und PR-Schlacht geworden", sagte ein Aktionärsvertreter. Wenn Drillisch und United Internet das Unternehmen kontrollieren wollten, dann sollten sie ihren Anteil auf über 30 Prozent erhöhen und ein Übernahmeangebot unterbreiten.

Ein Vertreter von Drillisch, der Rechtsanwalt Robert Weber, sprach sich erneut gegen die Übernahme von Debitel aus und erneuerte die Kritik am Freenet-Management. "Wir wünschen uns in Zukunft vor allem Transparenz, klare Ziele, klare Zahlen." Mit der Akquisition der größeren Debitel hatte Spoerr eine Übernahme von Freenet durch die beiden Großaktionäre verhindert - United Internet und Drillisch wollten den norddeutschen Konkurrenten filetieren. Freenet muss sich nun aber von seiner Breitbandsparte trennen, um die Schuldenlast zu senken. Der Kauf von Debitel schlug mit 1,6 Milliarden Euro zu Buche.

Die Übernahme wird Freenet bis ins kommende Jahr belasten, wie Spoerr einräumte. Er stellte zwar einen operativen Gewinn (EBITDA) von 450 Millionen Euro in Aussicht, allerdings sind dabei nicht die Kosten für den Konzernumbau eingerechnet. Zuvor hatte er ein Ergebnis in mindestens dieser Höhe in Aussicht gestellt - von zusätzlichen Belastungen war dabei nicht die Rede gewesen.

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