Machtkampf bei der HypoVereinsbank

- München - Hinter den Kulissen der HypoVereinsbank (HVB) tobt ein Machtkampf auf höchster Ebene, der zunehmend auch an die Öffentlichkeit dringt. Es geht um die geplante Übernahme des Münchner Geldhauses durch die italienische Unicredit, für die HVB-Vorstandschef Dieter Rampl seit Monaten hingebungsvoll wirbt - und die von seinem Aufsichtsratschef Albrecht Schmidt nach Kräften torpediert wird.

Während die Bank mit enormem Aufwand versucht, ihren Anlegern den Umtausch von HVB-Aktien in Unicredit-Aktien schmackhaft zu machen, winkte Albrecht Schmidt als oberste Kontrolleur des Hauses ab. Er werde seine Aktien nicht umtauschen, ließ er wissen. Auch in den Aufsichtsratssitzungen, in denen der Übernahme mit großer Mehrheit zugestimmt und das Umtauschangebot als fair angenommen wurde, war Schmidt schillerndster Vertreter der Oppositionsfraktion. "Es war ein Kampf bis aufs Messer. Schmidt war der Verlierer - und man hat schon bessere Verlierer gesehen", heißt es aus Finanzkreisen. "Er hätte am 12. Juni, als der Aufsichtsrat die Übernahme beschloss, zurücktreten müssen", meint auch ein anderer Beobachter der Szenerie, den Schmidts Verhalten an den Bundeskanzler in der Wahlnacht erinnert. "Ihm wurden die Hebel der Macht aus der Hand geschlagen und er kommt damit einfach nicht zurecht."

Schmidt, der früher selbst Vorstandschef der HVB war, hatte zuletzt öffentlich erklärt, dass er in der Vergangenheit personelle Fehlentscheidungen im Management getroffen habe. Er hat wohl Dieter Rampl gemeint. Rampl sieht in der Übernahme durch die Italiener die für die Belegschaft schonendste der gebotenen Möglichkeiten. Ein Zusammengehen mit einem inländischen Konkurrenten, so wird er nicht müde zu betonen, hätte wegen der Überschneidung von Filialen und Funktionen weit mehr Arbeitsplätze gekostet als die 1800, die jetzt wegfallen sollen. Damit hat er auch die Arbeitnehmervertreter überzeugt, die sich mittlerweile in einem offenen Brief an Albrecht Schmidt gegen die Querschläge wehren. "Völlig unerträglich" sei es für die Mitarbeiter, wenn die Zusagen der Vorstände beider Banken zur Arbeitsplatzsicherheit aus den Aufsichtsratsgremien heraus in Frage gestellt würden. "Wir verbitten uns die vermeintliche Solidarität und die vorgetäuschte Sorge von Seiten derer, die sich nie durch besondere Berücksichtigung von Mitarbeiterinteressen ausgezeichnet haben", heißt es in dem Schreiben.

"Wir verbitten uns die vermeintliche Solidarität."

Der Gesamtbetriebsrat

In dieser zugespitzten Situation hat sich nun auch noch Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu zu Wort gemeldet und Kritik an der HVB-Übernahme angebracht. Jeder werde sich sehr genau überlegen, ob er seine HVB-Aktien wirklich umtauschen will, sagte er der "SZ". Einer der sich dazu bereits entschieden hat, ist freilich Wiesheus Kollege vom Ressort Finanzen, Kurt Faltlhauser (siehe Kasten). Mittlerweile lässt Wiesheu offiziell nur noch wissen, "dass der Staat anderen Aktionären keine Ratschläge zum Tausch" geben werde.

Teile der Bayerischen Staatsregierung hätten einem Zusammengehen der halbstaatlichen BayernLB und der HypoVereinsbank den Vorzug vor der italienischen Hochzeit gegeben. Konkrete Vorschläge dazu, zum Beispiel, wie man die Sparkassen in einen solchen Plan hätte einbeziehen wollen, sind offenbar in der HVB-Konzernzentrale nie angekommen.

Und so wartet die Finanzwelt gespannt auf den 10. Oktober. Bis dahin läuft die Umtausch-Frist. Bislang war die Resonanz eher dürftig. Bis gestern sei die Offerte für 27,3 Millionen HVB-Stammaktien angenommen worden, berichtete Unicredit. Das entspricht 3,64 Prozent vom Grundkapital. Die Zielmarke liegt bei 65 Prozent. Doch die Chancen, dass Albrecht Schmidt am Ende doch der Sieger ist, gelten als gering. Denn große institutionelle Investoren warten erfahrungsgemäß bis kurz vor Fristende ab. So ist etwa das 18-Prozent-Paket der Münchener Rück bereits zum Versand gen Italien geschnürt, aber noch nicht abgeschickt.

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