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Wie viel Regionalität darf sein bei nationalen Sendern? Unser Bild zeigt im Hintergrund Münchens Markuskirche.

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TV-Werbung: Machtkampf auf dem Milliarden-Markt

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München - Nationale TV-Sender wollen den regionalen Werbemarkt erobern. Für kleinere Verlage und lokale Sender könnte das verheerend wirken. Offenbar will die Landesmedienzentrale das Vorhaben abnicken.

Bruce Willis ballert sich auf Pro7 durch „Stirb langsam“, bis zur Werbepause. Dann kommt Tengelmann, beim Markt um die Ecke sind Gewürzgurken im Sonderangebot. Das ist (wenn man es mit den Film-Szenen nicht so genau nimmt) mittelfristig ein realistisches Szenario. Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 will eine möglichst regionalisierte TV-Werbung in ihren nationalen Kanälen durchsetzen.

Bisher läuft die regionale Werbung im lokalen Rundfunk oder als Anzeige in den Regionalzeitungen. Grundsatz: Wer regional berichtet, soll sich auch aus regionalen Werbemärkten refinanzieren können. ProSiebenSat.1 will von diesem Markt aber auch profitieren. Der Medienkonzern klagt derzeit gegen ein entsprechendes Verbot. Ziel ist, die Werbung zumindest für Bayern, Sachsen und Thüringen gemeinsam zu regionalisieren. Zudem läuft bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) ein Vorstoß, eine 18-monatige Pilotphase zu erlauben.

Der Grundsatzausschuss des Medienrats tagte am 3. Dezember, Tagesordnungspunkt 5, und befand, sich mal mit Sachsen und Thüringen abzustimmen, wo das Thema teils sehr skeptisch gesehen wird. Es gebe keine abschließende Entscheidung, sagt ein BLM-Sprecher in München.

Bayerns Verleger warnen eindringlich vor einem „Frontalangriff auf die Finanzierungsgrundlage der Mediengattungen Zeitung und Lokalrundfunk“. Auch die SPD rät davon ab, den Weg freizumachen. Die Einnahmen regionaler Sender und Zeitungen würden „den Profitinteressen eines von Finanzinvestoren geführten Global Players geopfert“, sagt Fraktionschef Markus Rinderspacher. Er will die Gefahr im Landtag thematisieren und das Bayerische Mediengesetz so ändern, dass der Zugang zu bayerischen Werbemärkten mit der regionalen Berichterstattung zwingend verknüpft wird.

Rinderspacher sagte unter Berufung auf eine Studie der BLM, den Printmedien drohten bei einer konsequent regionalisierten Werbeschaltung im TV Einbußen von bis zu 549 Millionen Euro, den bayerischen Privatradios von bis zu 24 Millionen im Jahr. Es müsse „einen Schutzwall für die bayerische Medienlandschaft“ geben, verlangt Rinderspacher – der sich damit übrigens gegen seinen früheren Arbeitgeber Pro7 stellt.

Politisch laufen hinter den Kulissen die Kämpfe um den Markt seit Monaten. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber. Er leitet den Beirat des Medienkonzerns, kämpft für die dezentrale Werbung und verneint jede Vertriebskonkurrenz.

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„Stoiber vertritt als Lobbyist eine Position, die zum Nachteil Bayerns ist“, kontert Rinderspacher. Er warnt, dieser „Virus“ könne auf den amtierenden CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer und Bayerns Staatskanzleichef Thomas Kreuzer überspringen. Von deren Haltung dürfte mit abhängen, ob der eher CSU-lastige Medienrat der BLM den Vorstoß durchwinkt. Kreuzer äußert sich zumindest vorsichtig. Er mahnt eine „genaue Abwägung“ an: „Der Erhalt einer vielfältigen regionalen und lokalen Presse- und Rundfunklandschaft ist gerade für die Staatsregierung ein sehr hohes Gut.“

Von Christian Deutschländer

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