Machtkampf bei Moskauer Ölkonzern TNK-BP beigelegt

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London/Moskau (dpa) - Der monatelange Machtkampf des britischen Energiekonzerns BP mit russischen Oligarchen um den gemeinsamen Ölförderer TNK-BP ist beigelegt.

Die Anteilseigner - British Petroleum und das russische Konsortium AAR - einigten sich auf eine neue Führungsstruktur, wie BP am Donnerstag in London bekanntgab. Der auf russischer Seite umstrittene Vorstandschef Robert Dudley wird bis zum Jahresende sein Amt niederlegen. Experten zufolge verschieben sich die Machtverhältnisse zugunsten der Oligarchen. Russische Behörden hatten den drittgrößten Ölkonzern des Landes zuletzt mit Razzien und Strafverfahren überzogen.

BP und AAR halten jeweils 50 Prozent an dem Konzern. Das russische Konsortium der Oligarchen Viktor Wekselberg, Michail Fridman und Leonard Blawatnik (Hauptaktionär bei Air Berlin) hatte seit Monaten versucht, den US-Manager Dudley abzusetzen. Der Vorstandschef hatte im Juli Moskau bereits verlassen und dies mit einer andauernden Schikanierung durch russische Behörden begründet. Der Kreml dementierte Anschuldigungen aus dem Westen, der Staat wolle nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns nun das private Unternehmen TNK-BP unter seine Kontrolle bringen.

Beide Seiten einigten sich darauf, dass BP einen neuen Vorstandschef für TNK-BP vorschlagen wird, der vom Aufsichtsrat bestätigt werden muss. Dass AAR-Konsortium forderte, dass der Dudley- Nachfolger Russisch sprechen müsse.

Die BP-Führung wertete die Einigung mit den russischen Partnern als wichtiges Signal. "Ich erwarte nun ein fruchtbares Ergebnis der Verhandlungen, damit wir wieder ein Vertrauensverhältnis zu AAR aufbauen können", sagte BP-Konzernchef Tony Hayward.

Im Aufsichtsrat sollen in Zukunft auch drei unabhängige Mitglieder sitzen. Außerdem gebe es die Option, unter dem Vorbehalt der Zustimmung der russischen Behörden 20 Prozent an einer TNK-BP-Tochter an die Börse zu bringen, hieß es ohne nähere Details. Die Einzelheiten der Vereinbarung wollen beide Seiten in den kommenden Monaten klären.

BP sei offensichtlich eine Reihe von Kompromissen eingegangen, um auf dem russischen Markt bleiben zu können, kommentierte die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedomosti" die Einigung. Während die russische Seite auf eine stärkere Internationalisierung des Konzerns mit 65 000 Mitarbeitern gedrängt hatte, wollte BP die Position von TNK-BP auf dem russischen Markt weiter ausbauen.

"Die Zurückhaltung des Staates hat es den Aktionären von TNK-BP ermöglicht, eine ausgewogene Entscheidung zu treffen", sagte der Wirtschaftsberater von Präsident Dmitri Medwedew, Arkadi Dworkowitsch, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Interfax. Lange Zeit war vermutet worden, dass die staatlich kontrollierten Konkurrenten Gazprom oder Rosneft den auf einen Marktwert von 30 Milliarden Euro geschätzten Konzern übernehmen könnten.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrüßte die Einigung. "Westeuropa und Russland sind gegenseitig auf gute Beziehungen angewiesen", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. Man brauche nicht mehr Konfrontation, sondern mehr Dialog.

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