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Unter Druck: Unter Hartmut Mehdorn sollen Daten zehntausender Bahn-Mitarbeitern abgeglichen worden sein.

Deutsche Bahn

Machtpoker um Mehdorns Zukunft

Wegen der Datenaffäre wackelt der Stuhl von Bahnchef Hartmut Mehdorn. Doch nicht allen Seiten ist an seinem Sturz gelegen. Unsere Zeitung zeigt die verschiedenen Interessen auf.

Das Kanzleramt: Der Regierungschef bestimmt den Bahnchef. So war es auch 1999, als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Mehdorn auf seinen Posten holte. Der parteilose Manager gilt seitdem als „Mann der Sozialdemokraten“, entwickelte aber auch einen Draht zu Amtsinhaberin Angela Merkel. Die CDU-Chefin stützte Mehdorn beim Börsenkurs, den dann die Finanzkrise stoppte. Ob Mehdorn seinen erst vor zwei Jahren bis 2011 verlängerten Vertrag erfüllen kann, hängt auch stark von Merkels strategischem Kalkül ab: Sollte die SPD oder doch lieber erst nach der Bundestagswahl im Herbst die FDP als möglicher neuer Koalitionspartner mitreden, wenn über die Kür eines Nachfolgers zu entscheiden wäre?

Die Gewerkschaften:Die Arbeitnehmervertreter sind ein zentraler Machtfaktor im letzten großen Staatsunternehmen. Rücken sie von Mehdorn ab, hat er kaum noch Chancen. Deswegen sollte den Manager das Ultimatum von Transnet und GDBA unruhig machen: Beide Gewerkschaften fordern eine umfassende Aufklärung des Aufsichtsrates bis Dienstag. Konsequenzen könnten erst beschlossen werden, wenn die Sachlage klar sei, sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner gestern. „Im schlimmsten Fall würden wir den Rücktritt Mehdorns fordern.“

Mehdorns Netzwerk: In seinen fast zehn Jahren an der Spitze des Konzerns hat Mehdorn diverse Drähte gesponnen, die für den stark politisch geprägten Posten unerlässlich sind. Zum Antritt der Unions-Kanzlerin Merkel holte er 2005 Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) in den Vorstand. Sein Aufsichtsratsvorsitzender Werner Müller, einst parteiloser Wirtschaftsminister im Kabinett Schröder, hat ihm auch bei scharfem Gegenwind wiederholt den Rücken gestärkt – etwa im Tarifkampf mit den Lokführern oder beim heftig umstrittenen Kurs gen Börse. Auch zu einflussreichen Managerkollegen anderer Adressen der deutschen Wirtschaft pflegt Mehdorn Kontakt.

Die Kritiker: Die Rücktrittsforderungen an die Adresse Mehdorns sind zahllos. Vor allem unter Verkehrspolitikern des Bundestages hat der immer wieder ruppig auftretende Bahnchef nach Zoff um den Börsengang oder Bonuszahlungen aber inzwischen kaum noch Freunde. „Die Regierung hat sich jahrelang von Mehdorn am Nasenring herumführen und ihn die Bahnpolitik bestimmen lassen“, sagt FDP-Politiker Horst Friedrich. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte am Donnerstag in Berlin über den Bahnchef: „Ich habe hohen Respekt vor seinem Beharrungsvermögen.“

Die Nachfolge: „Jeder ist ersetzbar“, sagt der GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel. In den vergangenen Jahren standen Bewerber um den unbequemen Chefsessel bei der Bahn aber nicht gerade Schlange. Zudem wird Mehdorns Bilanz auch von Kritikern anerkannt: von 1,5 Milliarden Euro Verlust 1999 führte er die Bahn zu einem Plus von 2,9 Milliarden Euro 2007. Die Bundesregierung wies gestern einen Bericht über eine Ablösung Mehdorns durch Aufsichtsratschef Müller zurück.

mm/hle/ap/dpa

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