Madrid will Eon-Offerte für Endesa stoppen

- Brüssel/Madrid - Die spanische Regierung will die Übernahme des heimischen Stromversorgers Endesa durch den Eon-Konzern trotz Warnungen der EU-Kommission verhindern. Per Dekret beschloss das Kabinett, der nationalen Energiekommission CNE größere Befugnisse einzuräumen. Diese werde ermächtigt, die Offerte von Eon zu überprüfen und gegebenenfalls zu stoppen, berichtete der spanische Rundfunk. Bislang war die CNE nur für Fusionen einheimischer Unternehmen auf dem Energiemarkt zuständig. Bei ausländischen Übernahmen waren ihr die Hände gebunden.

Zuvor hatte ein Sprecher der EU-Kommission Madrid vor dem Versuch gewarnt, mit einer Gesetzesänderung die Übernahme Endesas zu stoppen. "Die Kommission hat die ausschließliche Kompetenz, diese Fusion zu prüfen", sagte er. Eon bietet 29,1 Milliarden Euro in bar. Die spanische Regierung tritt jedoch dafür ein, dass Endesa in spanischer Hand bleibt und favorisiert daher die bei Endesa unerwünschte Offerte des heimischen Gasversorgers Gas Natural über 22,5 Milliarden Euro. Nach spanischen Medienberichten will Gas Natural seine Offerte angeblich mindestens auf die Höhe von Eon aufstocken.

"Wenn Madrid etwas tut, was mit dem europäischen Recht nicht vereinbar ist, dann wird die Kommission nicht zögern, zu handeln." Sie sei bisher allerdings noch nicht offiziell von Eon über die Übernahmepläne informiert worden. Eon-Chef Wulf Bernotat hält ein Gegenangebot von einem dritten Konzern für unwahrscheinlich. "Unternehmen, die über ausreichend Kapital verfügen, in dieses Rennen einzusteigen, und gleichzeitig die notwendigen Börsen-Voraussetzungen mitbringen, gibt es nur ganz wenige", sagte Bernotat. "Letztlich werden nicht die Politiker, sondern die Eigentümer von Endesa über unser Angebot entscheiden."

Vizeregierungschefin Mar´ia Teresa Ferná´ndez de la Vega begründete das Dekret damit, das Gemeinwohl und einen strategischen Wirtschaftszweig Spaniens zu schützen. Das Kabinett beschloss zudem, die staatlichen Hilfen für die Stromkonzerne zu reduzieren, was eine Endesa-Übernahme weniger attraktiv mache.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump geht auf Konfrontationskurs zu Peking
Washington - Kurz nach ihrem Amtsantritt hat die neue US-Regierung klar gemacht, dass sie im Verhältnis zu China keinem Streit aus dem Weg gehen wird:
Trump geht auf Konfrontationskurs zu Peking
EU-Handelsausschuss macht Weg für Ceta frei
Brüssel - Das europäisch-kanadische Handelsabkommen Ceta hat die nächste Hürde genommen. Der zuständige Ausschuss im Europaparlament stimmte am Dienstag für den …
EU-Handelsausschuss macht Weg für Ceta frei
BayernLB-Chef: Europa droht Bankensterben
München - Europa droht nach Einschätzung von BayernLB-Chef Johannes-Jörg Riegler wegen verschärfter Regulierung ein großes Bankensterben.
BayernLB-Chef: Europa droht Bankensterben
Etihad-Chef Hogan geht - Beteiligungen auf dem Prüfstand
Machtwechsel bei Etihad: Konzernchef James Hogan verlässt die arabische Airline. Nun überprüft der Air-Berlin-Großaktionär auch seine Beteiligungen an anderen …
Etihad-Chef Hogan geht - Beteiligungen auf dem Prüfstand

Kommentare