Madrid will mit Gesetzesänderung E.ON-Offerte stoppen

- Madrid - Ungeachtet der Warnungen der EU-Kommission will die spanische Regierung die Übernahme des Stromversorgers Endesa durch den deutschen E.ON-Konzern mit einer Gesetzesänderung abwehren.

Per Dekret beschloss das Kabinett in Madrid, der staatlichen Regulierungsbehörde CNE größere Befugnisse einzuräumen. Diese könne somit die Offerte von E.ON überprüfen und gegebenenfalls stoppen, berichtete der Rundfunk. Bislang war die CNE nur für Fusionen unter spanischen Unternehmen auf dem Energiemarkt zuständig.

Es gehe darum, das Gemeinwohl und einen strategischen Wirtschaftszweig Spaniens zu schützen, sagte Vizeregierungschefin María Teresa Fernández de la Vega. In der CNE (Nationale Energiekommission) sind die Vertrauensleute der Regierung - unter ihnen Behördenchefin Maite Costa - in der Mehrheit. Das Kabinett beschloss Fernsehberichten zufolge zudem, die staatlichen Hilfen für die Stromkonzerne zu reduzieren, was eine Endesa-Übernahme weniger attraktiv mache.

Kurz zuvor hatte ein Sprecher der EU-Kommission Madrid davor gewarnt, mit Gesetzesänderungen die Übernahme Endesas durch E.ON verhindern zu wollen. Der Düsseldorfer Konzern bietet 29,1 Milliarden Euro. Die Regierung tritt jedoch dafür ein, dass Endesa in spanischer Hand bleibt und favorisiert daher die Offerte des heimischen Gasversorgers Gas Natural.

Zuvor hatte sich E.ON-Chef Wulf Bernotat mit dem bisherigen Verlauf des überraschenden Angebots für Endesa zufrieden gezeigt. "Der erste Aufschlag war äußerst gelungen", sagte Bernotat dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Das heißt aber noch nicht, dass der Kauf bereits gelaufen ist."

Bernotat wolle Großinvestoren in den USA und Europa in den nächsten Tagen die Vorzüge des Zusammengehens vorstellen. Mit größerem Widerstand der spanischen Regierung hatte Bernotat nicht gerechnet. "Letztlich werden nicht die Politiker, sondern die Eigentümer von Endesa über unser Angebot entscheiden." Ein Gegenangebot von einem dritten Konzern halte er für unwahrscheinlich. "Unternehmen, die über ausreichend Kapital verfügen, in dieses Rennen einzusteigen, und gleichzeitig die notwendigen Börsen-Voraussetzungen mitbringen, gibt es nur ganz wenige."

Die Endesa-Übernahme sei von langer Hand geplant worden. Bereits am 1. Dezember habe Bernotat Endesa-Vizepräsident Rafael Miranda Robredo für erste Gespräche getroffen. Danach hätten sie ausgelotet, inwieweit die beiden Unternehmen strategisch und vom Management zueinander passten. Grünes Licht für die Übernahme habe Bernotat auf einer Aufsichtsratssitzung von E.ON am Sonntag erhalten, schrieb "Der Spiegel".

Unterdessen will der Gasversorger Gas Natural sein Angebot für Endesa angeblich deutlich aufstocken. Geplant sei, die 29,1 Milliarden Euro schwere Offerte des Düsseldorfer Konzerns auszugleichen oder sogar leicht zu übertreffen, berichteten spanische Medien übereinstimmend. Bereits an diesem Montag werde Gas Natural das neue Gebot vorlegen, hieß es. Der spanische Gasversorger will demnach ebenso wie E.ON 27,50 Euro statt wie bisher 21,30 Euro je Aktie bieten. Möglich sei aber auch eine Offerte bis maximal 30 Euro.

Allerdings wolle Gas Natural das Geschäft nicht wie E.ON vollständig in bar, sondern zur Hälfte in Aktien abwickeln. Das Unternehmen selbst wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern. Die Gerüchte ließen die Aktien des Gasversorgers an der Madrider Börse um rund zwei Prozent steigen. Gas Natural hatte im vergangenen September eine Offerte über 22,5 Milliarden Euro für Endesa vorgelegt.

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