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Ein Leckerbissen ist eingelegtes Fleisch dann, wenn man es selbst zubereitet hat. Verbraucherschützer raten ab, von Eingeschweißtem in Soße.

Mängel bei eingelegtem Grillfleisch

München - Aufgepasst bei eingelegtem Grillfleisch in der Kühltruhe! Eine optisch geschmackvolle Marinade kann Mängel übertünchen. Tricksereien sind nur schwer zu erkennen, deshalb sollten Verbraucher genau hinschauen.

Zum Halbfinalspiel der deutschen Nationalmannschaft werden wieder Millionen Fußballfans den Grill anwerfen. Das freut auch die Metzger und Supermarktketten, die noch im Mai und Juni wegen schlechten Wetters auf jeder Menge Grillgut sitzen geblieben sind. Zum WM-Endspurt sind die Kühltheken auch wieder voll mit Mariniertem. Ob Fleisch, Geflügel oder selbst Fisch - an der Vielfalt der eingelegten Ware in grüner, gelber und roter Tunke kommt kaum ein Kunde vorbei. Vieles ist gleich als Mitnehm-Pack vakuumdicht verschweißt. Doch Verbraucherschützer raten dazu, fertig Eingelegtes für den Rost lieber liegen zu lassen.

Wo ist der Haken?

Unter Marinade verschwinden alle Qualitätsmängel. Für Verbraucher steigt damit das Risiko, älteres, womöglich hygienisch nicht mehr ganz einwandfreies Fleisch auf den Teller zu bekommen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Mariniertes nicht so frisch ist wie pures Fleisch ohne Soße, ist hoch“, sagt Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Das Einlegen mache es leicht, Konsumenten irrezuführen. Gesundheitlich bedenklich ist der Verzehr älterer Stücke in der Regel nicht, solange das Fleisch gut durchgebraten auf den Tisch kommt. Mögliche Krankheitserreger werden durch das Grillen abgetötet.

Wird Mariniertes nicht kontrolliert?

Doch, aber selbst Lebensmittelkontrolleure haben es schwer, einwandfreie von angegammelter Ware zu unterscheiden. „Prinzipiell ist es möglich, Mängel mit Marinade zu überdecken“, erläutert Claudia Schuller vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Fertig Eingelegtes muss nicht automatisch von schlechter Qualität sein - kann es aber. Wie etwa Ware, die vorher eingefroren war und nach einigen Monaten Lagerzeit auf den letzten Drücker noch verkauft wird. „Man sagt, dass Fleisch immer dann mariniert wird, wenn es weg muss“, gibt Birgit Rehlender, Ernährungsexpertin von Stiftung Warentest, zu bedenken.

Fällt Trickserei nicht sofort auf?

Nein, die Kunden merken selten etwas, wie Gabriela Tremp-Nientiedt von der Verbraucherzentrale Bayern erläutert. Wegen der Soße sind Anzeichen von Verderb selbst für feine Nasen nicht mehr zu riechen. Die intensiven Chili-, Kräuter- oder Currynoten der Tunke überdecken alles. Nicht einmal Marinade abkratzen hilft weiter. Die eingezogene Soße macht es fast unmöglich, zu sehen, ob das Fleisch gräulich schimmert, verfärbte Fettränder hat oder schmierig ist, woran man normalerweise schlechte Ware erkennt. Weichmacher sorgen oft dafür, dass auch beim Reinbeißen nicht auszumachen ist, ob das marinierte Steak oder Halsgrat eher frisch geschlachtet oder schon einmal eingefroren war.

Was ist mit Sonderangeboten?

Nachfragen, ob das Fleisch schon einmal gefroren war, rät Tremp-Nientiedt. Nachhaken sei auch angebracht, wenn die Ware stark im Saft schwimmt. Sie könnte schon einmal gefroren gewesen sein. Das kann die Qualität mindern. Wichtig: Aufgetautes Fleisch muss mit dem Hinweis „aufgetaut, sofort verbrauchen“ gekennzeichnet sein. Die Gesetzeslücke: Aufgetautes Mariniertes muss nicht extra gekennzeichnet werden. Dabei ist gerade dieses Fleisch hygienisch anfällig, weil sich Bakterien und Keime beim Auftauen vermehren. Der Fettverderb geht auch bei Minustemperaturen weiter. Je fetter das Fleisch, desto schneller. Fett wird dabei ranzig.

Einkaufs-Tipps

Verbraucherschützer und Experten geben folgende Einkaufstipps für den - zumindest kulinarisch - ungetrübten WM-Grillabend:

- Fleisch von vornherein lieber ungewürzt im Geschäft des Vertrauens kaufen und die Marinade selbst anmachen. Damit vermeidet man weitgehend ältere Ware.

- Rindfleisch sollte kräftig rot und nicht bräunlich-dunkel gefärbt sein, Schwein gleichmäßig rosa, nicht zu blass und nicht zu dunkel, Geflügel fleischfarben und nicht käsig weiß.

- Frisches Geflügel darf nicht gefroren gewesen sein, weder pur noch eingelegt. Das ist neue Vorschrift seit 1. Mai.

- Bei fertig Verschweißtem aus der Kühltheke sollte das Verbrauchsdatum unbedingt eingehalten werden. Es gibt das absolute Verfallsdatum an, im Gegensatz zur Mindesthaltbarkeit.

- Eingelegtes aus der Fleischertheke sollte nicht länger als zwei, drei Tage in der Marinade liegen. Die Tunke darf keine Trockenränder im Behälter hinterlassen.

- Quittung aufheben. Ist Fleisch nicht in Ordnung - ob vom Metzger oder aus dem Supermarkt - kann der Kunde sein Geld zurückverlangen.

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