Märchen-Marke Bayern: Freistaat versilbert König Ludwigs Schätze

- München - Der Freistaat hebt die Schätze des Bayernkönigs Ludwig II.: Die Schlösserverwaltung sucht per öffentlicher Ausschreibung für ihre besten Marken Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof Lizenznehmer. Die sollen die Namen der Schlösser vermarkten und möglichst hohe Einnahmen an den Freistaat zahlen. Der Phantasie ist viel Raum gelassen: Herrenchiemsee-Enzian, Linderhof-Tapeten oder ein Porzellan Marke Neuschwanstein - vieles ist denkbar.

<P>Die Schlösserverwaltung will aber den schlimmsten Kitsch nicht mit ihren schönen Schlössern verbunden sehen. Sie gibt in ihrer Ausschreibung vor, dass die Waren und Dienstleistungen "eingedenk des kulturellen Auftrags qualitativ hochwertig" sein sollen. Sie sollten bayerische Kultur widerspiegeln oder zumindest nicht unpassend sein.<BR><BR>Das Knirschen zwischen der Schlösserverwaltung und dem Lizenznehmer ist schon von weitem zu hören: Eine Maßkrugserie mit dem Namen Neuschwanstein wäre tolerierbar, Unterhosen der Marke Schloss nicht.<BR><BR>Möglich macht die Lizenzvergabe die vorauseilende Voraussicht, Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof namens- und markenrechtlich in vielen Ländern schützen zu lassen. Die Schlösserverwaltung ist sich des Wertes ihrer Marken bewusst, denn sie kündigt den Bewerbern kräftige Zahlungen mit dem Satz an: "Der Name und die Marke stellen für die angebotenen Waren und Dienstleistungen einen besonderen Werbeeffekt dar und verkörpern somit einen bedeutenden wirtschaftlichen Wert."<BR><BR>Maßkrug ja, Unterwäsche nein<BR><BR>Die Schlösserverwaltung erwartet vom Lizenznehmer nicht nur ein überzeugendes Konzept, sondern Wissen in der Produktentwicklung, im Produktmanagement sowie im Vertrieb und eine "großzügige Investitionsbereitschaft". Offenbar ist nur ein einziger Lizenzpartner erwünscht, an den sich die Verwaltung halten kann. Ob der Unterlizenzen erteilen kann und an wen, bleibt unklar.<BR><BR>Wie der Staat am Ergebnis beteiligt wird, bleibt ebenso offen, ob an eine Umsatzbeteiligung oder an eine Gewinnbeteiligung gedacht ist, wird nicht gesagt. "Wir haben keine festgefügten Vorstellungen", sagt Gertrud Fraundorfer von der Schlösserverwaltung, "wir warten auf die Angebote". Dafür muss der Lizenznehmer aber seine finanzielle, wirtschaftliche und fachliche Eignung nachweisen, auch mit Referenzen.<BR><BR>In einem Auswahlverfahren mit bis zu fünf Teilnehmern küren die Verwalter den Gewinner. Die Konzepte sind bis Jahresende einzureichen.<BR><BR>Das Verfahren dürfte langwierig werden, weil die Kriterien "glaubhafte und belegbare Darlegung der finanziellen, personellen, wirtschaftlichen und kreativen Möglichkeiten" sehr unbestimmt gefasst sind. Die ersten Neuschwanstein-, Herrenchiemsee und Linderhof-Marken werden frühestens im Jahre 2004 auf den Markt kommen.</P>

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