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Die Signale stehen auf rot: Das Traditionsunternehmen Märklin hat Insolvenz angemeldet.

Märklin ist entgleist - Spielwarenhersteller meldet Insolvenz

Göppingen - Diesmal konnte der Modellbahnhersteller Märklin nicht mehr aufs Gleis zurückgesetzt werden. Das Göppinger Traditionsunternehmen musste ausgerechnet im 150. Firmenjahr Insolvenz anmelden. Seit Jahren versuchten die Eigentümer, den Spielwarenhersteller wieder in Fahrt zu bringen.

Der britische Finanzinvestor Kingsbridge pulverte Millionen in das Unternehmen -gab aber nach Gewerkschaftsangaben zu viel Geld für Berater aus und sorgte mit ständigen Wechseln in der Geschäftsführung für Unruhe. Zudem war die Konkurrenz von Internet und Playstation zu groß. Die Finanzkrise gab dem Unternehmen schließlich den Rest. Die Banken verlängerten einen 50-Millionen-Euro-Kredit nicht mehr.

Märklin sei an Management-Fehlern gescheitert. "Es war niemand mehr da, der die Marke gelebt hat", sagte der Geschäftsführer des größten europäischen Spielwaren-Einkaufsverbundes idee+spiel Otto Umbach der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er zeigte sich überzeugt davon, dass das Unternehmen eine Zukunft hat. "Gerade Märklin ist eine der bekanntesten Spielzeugmarken. Märklin wird nicht untergehen." Entscheidend für die Zukunft sei aber, dass künftige Inhaber "Herzblut" mitbrächten. "Wir wünschen uns Unternehmer, nicht Kapitalgesellschaften."

Märklin und seine Eisenbahnen

Der britische Finanzinvestor Kingsbridge, der Märklin 2006 noch vor der Insolvenz rettete, schaffte es trotz eines harten Sparkurses nicht, das Unternehmen aus den roten Zahlen zu holen. Märklin soll 2008 Verluste in Höhe von etwa 20 Millionen eingefahren haben. Seit Wochen arbeitete die Geschäftsführung an einem neuen Restrukturierungsplan. Zeitgleich sollte die Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG ein Sanierungsgutachten erstellen, um Märklin aus den roten Zahlen zu manövrieren. Doch die Banken schalteten die Signale auf Rot.

Die Landesbank Baden-Württemberg und die Göppinger Kreissparkasse verlängerten eine Kreditlinie nicht mehr. Die Kreissparkasse soll einem Zeitungsbericht zufolge mit der Geschäftspolitik der Finanzinvestoren Kingsbridge und Goldman Sachs nicht einverstanden sein. Die Bank sei vor allem mit den häufigen Geschäftsführerwechseln und den teuren Beratungsgesellschaften nicht zufrieden, hieß es. Innerhalb von drei Jahren wurde die Führungsmannschaft zweimal ausgetauscht. Die Bank wollte sich dazu nicht äußern.

"Es hat viele Berater gegeben, aber vieles ist nicht umgesetzt worden und trotzdem hat es viel Geld verschlungen", sagte die zweite Bevollmächtigte der IG Metall Göppingen, Renate Gmoser. Laut Geschäftsbericht 2006 zahlte Märklin 5,13 Millionen Euro für Beratungen. Aber auch der rückläufige Markt und die Billig-Konkurrenz aus Fernost hätten Märklin auf die falsche Bahn gebracht, fügte Gmoser hinzu.

Letztlich mangelte es auch daran, die Wünsche der Kinder zu erfüllen und so die Kundschaft von morgen zu sichern. Auf wegsterbende Sammler könne eine Firma kein Geschäftsmodell aufbauen, hieß es in einem Internet-Blog. "Alle in der Branche haben Fehler gemacht", sagte Frederik Braun, Inhaber des Hamburger Miniatur Wunderlandes, der wohl größtem Modellbahnanlage Deutschlands. Die Hersteller hätten sehr spät erkannt, dass die Konkurrenz heute das Internet und die Playstation seien. Modellbahnen seien eine Zeit lang in der hintersten Ecke versteckt worden.

Doch eigentlich hatte Märklin langsam wieder Fahrt aufgenommen. Der Hersteller habe damit begonnen, die Kinderzimmer zurückzuerobern - mit Themen, die Kinder interessieren, mit einem Harry-Potter-Zug etwa, meinte Braun. "Modell-Eisenbahnen sind jetzt wieder in den Spielzeugläden zu finden." Und so konnte zumindest der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr leicht auf 128 Millionen Euro gesteigert werden.

Auch deswegen glauben IG Metall und Betriebsrat fest an eine Weiterführung des Traditionsunternehmens. Für den Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Spielwarenindustrie, Volker Schmid, steht ohnehin fest: "Die Marke Märklin ist weniger vom Tod bedroht als wir alle."

Von Berit Schmidt, dpa

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