Märkten folgen: Warum BMW auch in Indien Autos bauen will

- München - Fast gebannt hat die Welt jahrelang auf den erwachten Giganten China geblickt. Dabei wurde der wohl ebenso wichtige Markt südwestlich davon ein wenig in den Schatten gerückt. Doch jetzt gerät Indien zunehmend ins Interesse. Auch die Pläne für ein BMW-Werk dort werden konkreter.

Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat der Münchner Autohersteller 40 Kilometer südlich der Hafenstadt Chenai (Madras) ein 72 Hektar großes Gelände gepachtet. Dort soll ein Montagewerk entstehen.

Das Interesse von BMW am indischen Markt ist in der Branche längst ein offenes Geheimnis. Zwar wurde offen nur davon gesprochen, den Markteintritt zu prüfen. Doch mehrfach schwärmte Konzernchef Helmut Panke von den gigantischen Wachstumsraten im Subkontinent. Es gehe, hieß es noch vor wenigen Wochen unter der Hand, nur noch um den Standort. Denn mehrere indische Regionen werben um Investoren - auch um den renommierten Autohersteller aus Bayern. Nun scheint die Entscheidung für die Industrieregion im Südosten gefallen zu sein.

Wie man im Ausland Autos baut, weiß BMW nach jahrzehntelanger Erfahrung. Seit den 70er-Jahren kommen im südafrikanischen Rosslyn weißblaue Limousinen vom Band - die Fabrik wurde in Amerika bereits einmal als bestes europäisches Autowerk ausgezeichnet. Zwei (und künftig sogar drei) BMW-Modellreihen werden exklusiv im amerikanischen Werk Spartanburg gebaut, der Mini ausschließlich in Oxford (England). Zu Engagements in Russland und Thailand kam im vergangenen Jahr auch noch das Joint-Venture mit Brilliance im chinesischen Shenyang, wo - mit bislang mäßigem Erfolg - Limousinen für den chinesischen Markt gebaut werden.

Dabei geht es nicht um Flucht vor hohen deutschen Löhnen. Seit Jahren gehört es zu den Erfolgsrezepten des Konzerns, den Märkten zu folgen. Das Prinzip leuchtet ein: Es ist deutlich einfacher, Autos in einem Land zu verkaufen, in dem man auch welche baut. Damit hat das ausländische Engagement bereits bisher keinen Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland mit sich gebracht. Im Gegenteil: Unter dem Strich blieb ein Plus. Das hat zwei Gründe:

In den Ländern der neuen Standorte konnten meist mehr zusätzliche Autos verkauft werden, als dort produziert wurden.

Dazu kommt, dass Vorleistungen auch in Europa zusätzliche Arbeitsplätze schaffen: Motoren, Getriebe und andere Komponenten werden ans Band geliefert - sie kommen aus heimischen Werken. Allerdings legen zahlreiche Länder vor einer entsprechenden Investition Wert darauf, dass ein möglichst hoher Wertschöpfungsanteil im eigenen Land erwirtschaftet wird.

Dass BMW in Indien noch einen gewaltigen Nachholbedarf hat, lässt sich aus den Stückzahlen entnehmen: 122 Fahrzeuge wurden über drei indische Verkaufsniederlassungen 2004 verkauft. 100 waren es laut FAZ bereits im ersten Halbjahr 2005. Der indische Automarkt gilt weltweit als der am schnellsten wachsende.

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